Der Kolumnistenkreis der DeichStube: Nils Petersen, Andreas Herzog, Rolf Fuhrmann, Sebastian Prödl und Thomas Schaaf.

Kolumne: Andreas Herzog schreibt für die DeichStube

„Ich würde sofort als Trainer einsteigen!“

Schade, ich wäre wirklich gerne Teamchef unserer Nationalmannschaft geworden. Das ist schon etwas enttäuschend. Aber ich wünsche Franco Foda wirklich alles Gute.

Er hat in den vergangenen Jahren gute Arbeit als Trainer in Österreich geleistet, er wird mit unserer Mannschaft Erfolg haben. Und bei mir wird etwas anderes kommen, da bin ich optimistisch. Nur wird es leider nicht Werder sein. Keine Frage, bei Werder würde ich sofort als Trainer einsteigen, das ist ein ganz besonderer Verein für mich. Ich bin in den Medien schon oft als Kandidat gehandelt worden, aber es hat nie konkrete Gespräche gegeben. Deswegen rechne ich nicht damit, dass sich das diesmal ändern wird.

Herzog könnte sofort eine Mannschaft übernehmen

Oft lese ich dann, dass ich nicht genügend Erfahrung als Trainer hätte. Diese Trottelaussagen kann ich ehrlich gesagt nicht mehr hören. Ich habe über 100 internationale Spiele als Cheftrainer gemacht. So viele Spiele haben viele Trainer nicht mal in der Bundesliga hinter sich. Ich habe so viel erlebt, ich könnte sofort eine Mannschaft übernehmen. Aber okay, ich muss das akzeptieren. Ich kann warten, bin aber auch für andere Sachen offen.

Zurück zu Werder: Für Alexander Nouri tut es mir leid. Er ist ganz sicher nicht allein verantwortlich für diese Situation. Und ich kann schon verstehen, dass Werder nach Nouris guter Rückrunde so lange gewartet hat. Aber jetzt ist es nicht mehr fünf vor zwölf, sondern schon fünf nach zwölf. Ob Florian Kohfeldt die richtige Lösung ist, mag ich nicht beurteilen. Ich kenne ihn nicht wirklich. Die Frage ist, ob er als junger und unerfahrener Coach mit dieser Drucksituation auf Dauer schon klarkommt.

Skripnik und Nouri waren schnell wieder weg

Ich weiß, damals hat das mit Thomas Schaaf gut geklappt. Aber danach war es nicht mehr so gut, einen U23-Coach zu befördern. Viktor Skripnik und Alexander Nouri waren schnell wieder weg. Okay, wenn es nur darum geht, irgendwie die Klasse zu halten, kann man das vielleicht so machen. Aber das darf doch nicht der Anspruch von Werder sein.

Meiner Meinung nach muss Werder visionär denken. Es muss ein erfahrener Trainer kommen, der die Mannschaft stabilisiert und dann nach vorne bringt. Klar, ein Thomas Tuchel wäre natürlich super. Aber den kann sich Werder nicht leisten, und der kommt auch nicht nach Bremen. Der ist bei den Bayern im Gespräch, warum sollte er sich dann Abstiegskampf mit Werder antun?

Lucien Favre eine fantastische Lösung

Bei Lucien Favre könnte ich mir das schon eher vorstellen. Das wäre eine fantastische Lösung. Er hat Gladbach als sicheren Absteiger übernommen, erst gerettet und dann in die Champions-League-Qualifikation geführt. Mit Nizza war es zuletzt ähnlich. Aber da läuft es nicht mehr so gut. Vielleicht ist das die Chance, da sollte Werder zuschnappen. Favre kann eine Mannschaft in zwei, drei Wochen wieder hinbekommen. Er ist ein akribischer Arbeiter.

In Frankfurt muss es am Freitag noch ohne ihn klappen. Ich bin aber durchaus zuversichtlich. Nach Trainerwechseln gibt es oft eine Reaktion der Spieler, sie treten plötzlich ganz anders auf. Ich wünsche mir vor allem für die Fans einen Sieg. Sie waren in den letzten Jahren der Energiegeber. Je schlechter Werder spielte, desto besser wurden die Fans. Aber irgendwann haben selbst diese Fans die Schnauze voll. Da muss Werder aufpassen und endlich die Kurve kriegen.

Andreas Herzog

Zur Person: Andreas Herzog (49) bestritt zwischen 1992 und 1995 sowie von 1996 bis 2001 236 Bundesliga-Partien für Werder Bremen. Der Mittelfeldspieler gewann 1993 die Meisterschaft sowie 1994 und 1999 den DFB-Pokal. Mit Bayern München triumphierte er 1996 im Uefa-Pokal. Für Österreich lief er in 103 Länderspielen auf Von 2005 bis 2009 war er Co-Trainer der österreichischen Nationalmannschaft, danach bis 2011 Chefcoach der U21-Auswahl. Von 2011 bis 2016 arbeitete Herzog als Co-Trainer von Jürgen Klinsmann bei der Nationalmannschaft der USA. 2015 bis 2016 betreute er zudem alleinverantwortlich die U23-Auswahl in der Olympia-Qualifikation.

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