Die DeichBlick-Kolumnisten von links nach rechts: Sebastian Prödl, Thomas Schaaf, Nils Petersen, Klaus Allofs und Rolf Fuhrmann.

DeichBlick-Kolumne: Thomas Schaaf schreibt für die DeichStube

„Die Eggesteins laufen nicht davon“

Von Thomas Schaaf. Wie kommt ein Talent in die Bundesliga? Da gibt es verschiedene Wege. Natürlich wünscht man sich den optimalen Verlauf, dass es ein junger Spieler ganz früh schafft und sich auch festbeißt. Aber das ist sehr schwer und daher auch sehr selten.

Es kommt auf den richtigen Zeitpunkt an, wann ein Talent wirklich so weit ist – und zwar nicht nur für einen Einsatz. Wir wollen, dass sich unsere jungen Spieler wirklich als Profi etablieren können. Maximilian Eggestein ist da ein sehr gutes Beispiel. Ihm folgt nun Johannes Eggestein, Josh Sargent ist ebenfalls auf einem guten Weg wie auch Manuel Mbom, Jan-Niklas Beste, Fridolin Wagner oder Luca Plogmann.

Es gibt einen tollen Austausch zwischen Profis und Nachwuchs. Die Verzahnung ist sehr gut. Das liegt auch an Florian Kohfeldt. Er ist ein Cheftrainer, der sich sehr für den Nachwuchs interessiert. Was kann es für ihn Schöneres geben, als mit der Mannschaft erfolgreich zu sein und dabei noch eigene Talente auf dem Platz stehen zu sehen? Das ist Werder Bremen.

Die beiden Eggesteins muss man hervorheben

Dabei geht es auch um Geduld – und zwar bei allen Beteiligten. Die beiden Eggesteins muss man dabei einfach hervorheben. Sie wollen sich durchsetzen, ihren Weg gehen und laufen nicht vor der Konkurrenz davon. Sie lassen sich auch durch die hohe Erwartungshaltung nicht verrückt machen, sondern arbeiten weiter. Deswegen freut es mich umso mehr, dass sie erfolgreich sind.

Bei Maximilian ist das schon länger der Fall, er hat sich etabliert. Johannes muss seine guten Leistungen bestätigen und sich gleichzeitig weiterentwickeln. Das ist ein spannender Prozess. Er weiß das, weil er mit beiden Füßen auf dem Boden steht. Deswegen sind seine Aussichten auch sehr gut.

Und er kann von Claudio Pizarro profitieren. Ich weiß noch, dass bei Claudios Verpflichtung moniert wurde, dass er nun ein Talent wie Johannes blockieren könnte. Das ist Quatsch. Gegen Wolfsburg hat Claudio das erste Bundesliga-Tor von Johannes vorbereitet, gegen Flensburg standen sie zusammen in der Startelf. Jeder Spieler hat seine eigenen Möglichkeiten und muss sich im Team durchsetzen.

Thomas Schaaf: Seine Karriere in Bildern

Thomas Schaaf
Schon mit elf Jahren spielt Thomas Schaaf in der Jugend des SV Werder Bremen, sein Bundesliga-Debüt gibt er in der Saison 1978/79 kurz vor seinem 18. Geburtstag. In der Saison 79/80 steigt er mit Werder ab. © imago
Thomas Schaaf
In der Zweiten Liga wird Schaaf zum Stammspieler, steigt nach nur einer Saison wieder auf und wird zur festen Größe in der Bundesliga. 1988 feiert er erstmals die Deutsche Meisterschaft. © imago
Thomas Schaaf
Drei Jahre später folgt mit dem DFB-Pokal der nächste Titel. Schaaf hat in der Saison nur wenige Einsätze, fiebert im Elfermeterschießen von der Bank aus mit. © imago
Thomas Schaaf
Der Pokalsieg läutet die goldene Ära ein, die mit dem Europapokal 1992 ihren Höhepunkt findet. Schaaf kommt im Finale für den verletzten Thomas Wolter ins Spiel. © imago
Thomas Schaaf
In den folgenden Jahren geht es wieder auf den Rathausbalkon: Werder holt 1993 die Schale erneut an die Weser... © imago
Thomas Schaaf
...und im Jahr darauf gibt es eine weitere Gravur auf dem DFB-Pokal. Thomas Schaaf (ganz rechts) ist da schon seltener auf dem Platz zu finden. 1995 beendet er seine Karriere nach 262 Bundesligaspielen. © imago
Thomas Schaaf
Auch nach dem Karriereende bleibt er dem Verein treu, wird erst Jugendtrainer und übernimmt 1999 kurz vor Saisonende die Profis. Er rettet die Mannschaft vor dem Abstieg und gewinnt einen Monat später seinen dritten Pokal – sein erster Titel als Trainer. © imago
2004 schafft er dann, was zuvor noch keinem bei Werder gelang: Seine Mannschaft holt zuerst die Meisterschaft...
2004 schafft er dann, was zuvor noch keinem bei Werder gelang: Seine Mannschaft holt zuerst die Meisterschaft... © imago
...und dann noch den Pokal in die Hansestadt. Trainer Schaaf wird als Double-Coach zur Legende.
...und dann noch den Pokal in die Hansestadt. Trainer Schaaf wird als Double-Coach zur Legende. © imago
Zusammen mit Sportchef Klaus Allofs, seinem ehemaligen Teamkollegen, prägt er ein erfolgreiches Jahrzehnt der Grün-Weißen.
Zusammen mit Sportchef Klaus Allofs, seinem ehemaligen Teamkollegen, prägt er ein erfolgreiches Jahrzehnt der Grün-Weißen. © imago
In dieser Zeit ist Werder Bremen Dauergast im internationalen Wettbewerb. Trainer Schaaf kleidet sich dem Anlass entsprechend.
In dieser Zeit ist Werder Bremen Dauergast im internationalen Wettbewerb. Trainer Schaaf kleidet sich dem Anlass entsprechend. © imago
Seinen letzten Titel holt er 2009: Bremen verliert zwar das Finale des UEFA-Cups, geht aber zehn Tage später in Berlin als Sieger vom Platz.
Seinen letzten Titel holt er 2009: Bremen verliert zwar das Finale des UEFA-Cups, geht aber zehn Tage später in Berlin als Sieger vom Platz. © imago
Als 2013 die Erfolge nach zwei schwierigen Spielzeiten ganz ausbleiben, trennt sich der Verein schließlich nach 14 Jahren von Thomas Schaaf. Länger war nur Otto Rehhagel bei Werder im Amt.
Als 2013 die Erfolge nach zwei schwierigen Spielzeiten ganz ausbleiben, trennt sich der Verein schließlich nach 14 Jahren von Thomas Schaaf. Länger war nur Otto Rehhagel bei Werder im Amt. © imago
Nach nur einem Jahr kehrt Schaaf jedoch in die Bundesliga zurück. Es folgen kurze Anstellungen bei Eintracht Frankfurt (2014/15)..
Nach nur einem Jahr kehrt Schaaf jedoch in die Bundesliga zurück. Es folgen kurze Anstellungen bei Eintracht Frankfurt (2014/15).. © imago
 ...und Hannover 96 (2015/16). Nach knapp vier Monaten wird er von den Niedersachsen beurlaubt. Es ist seine bisher letzte Trainerstation.
...und Hannover 96 (2015/16). Nach knapp vier Monaten wird er von den Niedersachsen beurlaubt. Es ist seine bisher letzte Trainerstation. © imago
Thomas Schaaf
Bei der EM 2016 ist er dann als Beobachter für die UEFA tätig. Im Oktober 2017 ist Thomas Schaaf im Gespräch als Kandidat für den geplanten Posten des Technischen Direktors bei seinem Heimatklub Werder Bremen. © Gumz
Seit dem 30. April 2018 ist klar: Thomas Schaaf kehrt zum SV Werder zurück und besetzt ab dem 1. Juli die Position des Technischen Direktors.
Seit dem 30. April 2018 ist klar: Thomas Schaaf kehrt zum SV Werder zurück und besetzt ab dem 1. Juli die Position des Technischen Direktors. © gumzmedia

Das gilt auch für Josh Sargent. Natürlich ist die Konkurrenz bei den Profis sehr, sehr groß. Aber er hat die nötige Geduld. Josh ist wirklich ein guter Junge. Er zeigt so viel Engagement, Leidenschaft und Willen auch bei den Spielen der U23, das ist schon enorm. Er wird seinen Weg gehen.

Natürlich habe auch ich mich über diese deutliche 2:6-Heimniederlage am vergangenen Sonntag gegen Leverkusen gewundert – und natürlich an 2004 erinnert. Damals war ich richtig sauer, obwohl wir schon Meister waren. Mir war es peinlich, dass wir uns so präsentiert hatten. Aber ich konnte die Jungs auch verstehen, die waren einfach noch in Partylaune.

Eine 2:6-Niederlage kann mal passieren

Das aktuelle 2:6 hatte etwas andere Gründe. Die Fehlerquote war einfach zu hoch und der Gegner an diesem Tag ziemlich stark. So ein Spiel kann durchaus mal vorkommen. Umso wichtiger war es, dass im Pokal gegen Flensburg eine sehr konzentrierte Leistung folgte. Die wird auch in Mainz nötig sein. Das ist ein Gegner, der viele Punkte liegengelassen hat. Ich freue mich auf das Spiel, weil es Spaß macht, unserer Mannschaft zuzuschauen.

Thomas Schaaf

Zur Person: Erst Spieler (1978 bis 1995), dann Trainer (1999 bis 2013), jetzt Technischer Direktor (seit 1. Juli 2018) – mehr Werder, als Thomas Schaaf (57) es zu bieten hat, geht nicht.

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