Der Kolumnistenkreis der DeichStube: Rolf Fuhrmann, Sebastian Prödl, Thomas Schaaf, Nils Petersen und Andreas Herzog.

Kolumne: Sebastian Prödl schreibt für die DeichStube

„Viel zu früh für eine Trainerdiskussion!“

Das 1:1 von Werder in Wolfsburg habe ich mir zu Hause in London angesehen und ich war ziemlich hin- und hergerissen: Soll man die Jungs für die deutliche Steigerung in der zweiten Halbzeit loben oder muss man ihnen vorwerfen, dass sie das Spiel vor der Pause verschlafen haben?

Das Fehlen der Konstanz zieht sich eigentlich durch alle Partien der noch jungen Saison. Daher sprechen viele von einem miesen Start, aber man muss realistisch bleiben: Die Auslosung war ganz schwer und gegen Mannschaften wie Bayern, Schalke und Hoffenheim kann man schon mal verlieren. Natürlich hat man sich jetzt für das Spiel gegen Freiburg Druck auferlegt, aber das ist meiner Meinung nach wie ein positives Endspiel, um die erste Phase der Saison noch zu retten. Ein Sieg gegen die Breisgauer kann wieder einen Boost auslösen und könnte der Beginn einer erfolgreichen Serie sein.

Nach fünf Runden nicht alles in Frage stellen

Man kann Werder nicht viel vorwerfen – in jedem Spiel hat es bisher Chancen gegeben, das Ergebnis besser zu gestalten. Ich denke, dass die die zweite Halbzeit in Wolfsburg der Mannschaft vor allem auch in psychologischer Hinsicht Auftrieb geben wird. Die positiven Signale waren nicht zu übersehen. Und es ist immerhin gegen ein Team gegangen, das top besetzt ist und bei dem durch den Trainerwechsel sicher Aufbruchstimmung geherrscht hat. Ich hätte sogar erwartet, dass Wolfsburg mehr riskiert, aber man hat schon noch Unsicherheit gespürt.

Dass nach dem holprigen Beginn in Bremen schon wieder Unruhe und

eine Trainerdiskussion aufkommt, halte ich indes für falsch. Man kann doch nicht nach fünf Runden alles in Frage stellen! Eine aussagekräftige Analyse ist vielleicht nach zehn Spielen möglich, da weiß man, wohin die Richtung geht. Jetzt ist es wichtig, Geduld zu haben und der Mannschaft Zeit zu geben. Werder ist gut organisiert und darf sich durch die Rückschläge nicht aus der Bahn werfen lassen.

Jammern macht keinen Sinn!

Natürlich haben mit Moisander Junuzovic, Kruse oder Sane ganz wichtige Spieler gefehlt – das darf jedoch keine Ausrede sein. Damit muss man rechnen, dazu ist ein Kader da und dann sind andere gefragt, ihre Qualitäten einzubringen. Jammern macht da überhaupt keinen Sinn.

Im TV meinte der Kommentator, dass es angesichts der Steigerung nach der Pause wohl eine ordentliche Kabinenpredigt von Trainer Alexander Nouri gegeben haben muss. Was das betrifft, war und bin ich immer ein großer Freund der Ehrlichkeit. Thomas Schaaf hat das immer sehr gut hinbekommen. Er hat nicht alle verteufelt und angebrüllt oder die Leistung schön geredet, sondern klar und deutlich angesprochen, wo der Hund begraben liegt. Eine extreme Standpauke bringt nichts, der Trainer sollte die Schwächen in einem positiven Rahmen aufzeigen und Lösungen anbieten.

Vertrag bei Watford FC bis 2021 verlängert

Noch kurz in eigener Sache: Nachdem ich ja seit dem Länderspiel in Wales mit einer Muskelverletzung pausieren muss, konnte ich am Mittwoch meine Zukunft klären. Ich habe meinen Vertrag bei Watford FC bis 2021 verlängert. Ich fühle mich in London sehr wohl, der Verein wird ähnlich wie in Bremen familiär geführt und das Gesamtpaket passt perfekt. Wir haben sehr ambitionierte Ziele und wollen uns gemeinsam in den nächsten Jahren als wichtiger Bestandteil der Premier League etablieren.

Es ist heute nicht selbstverständlich, dass ein Verein so langfristig mit einem 30-jährigen Profi plant und zeigt mir auch die Wertschätzung des Clubs. Wer mich kennt, weiß, dass ich alles geben werde, um dieses Vertrauen zu bestätigen. Daher brenne ich schon darauf, bald selbst wieder auf dem Platz zu stehen und freue mich auf die Herausforderung, in dieser unglaublich intensiven Liga gegen die vielen Weltstars zu bestehen.

Sebastian Prödl.

Zur Person: Der 30-Jährige hat von 2008 bis 2015 149 Bundesligaspiele für Werder bestritten und dabei zehn Tore erzielt. 2009 gewann der Abwehrspieler mit Werder den DFB-Pokal. Seit 2015 verteidigt der Österreicher für den FC Watford in der englischen Premier League - und wurde von den Fans seines Clubs zum besten Spieler der Saison 2016/17 gewählt. Prödl ist natürlich Nationalspieler (63 Einsätze) - und immer mal wieder zu Besuch in Bremen.

– Dieser Artikel wird unterstützt von Josef Prödl Tischlerei GmbH.

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