Die DeichBlick-Kolumnisten von links nach rechts: Thomas Schaaf, Nils Petersen, Klaus Allofs, Rolf Fuhrmann und Sebastian Prödl schreiben über den SV Werder Bremen.

DeichBlick-Kolumne: Nils Petersen schreibt für die DeichStube

„Werder, BVB und die Mentalitätsfrage: Kein Schalter, den du umlegst“

Von Nils Petersen. Ich bin beeindruckt. Was Werder Bremen gegen den BVB abgeliefert hat, war enorm – und vielleicht auch eine Frage des Willens, der Mentalität – einer gewachsenen Mentalität.

Aber mit der Mentalität im Profi-Fußball ist das so eine Sache: Dem BVB die Mentalität abzusprechen, halte ich für Quatsch, da bin ich schon bei Marco Reus, der sehr deutlich gemacht hat, dass ihn die Nachfragen zur Dortmunder Mentalität nerven. Kann ich verstehen. Denn keiner von uns Spielern geht vorsätzlich mit einer falschen Einstellung auf den Platz. Es gibt bessere und schlechtere Tage, ja, aber wir sind alle Profis, wollen immer gewinnen und ich kann mir nicht vorstellen, dass einer sich vornimmt, es mal mit 80 Prozent Einsatz zu versuchen. Oft heißt es: Wer verliert, hatte nicht die richtige Einstellung, der Sieger die bessere Mentalität.

Aber ist das wirklich so? Was genau ist diese Mentalität im Profi-Fußball eigentlich? Jedenfalls kein Schalter, den du umlegst. Mentale Stärke ist ganz bestimmt keine Eigenschaft, die ein Fußballer plant und dann klappt das. Mentalität entwickelt sich aufgrund von Erfahrungen und Erlebnissen – und vielleicht ist das Verletzungspech von Werder ein eben solcher Mentalitätshebel: Flutlichtspiel in Dortmund, personell angeschlagen, keiner rechnet dir ernsthaft Chancen aus – jetzt erst recht! Das sind diese besonderen Spiele, in denen du nur gewinnen kannst und dann ist das mit der Mentalität oft auch einfacher.

Werder Bremen: Marco Friedl gegen Borussia Dortmund richtig heißgelaufen

Werder hatte gegen den BVB eine besondere Mentalität, zumindest sah es für mich vor dem TV danach aus. Ich erinnere mich dabei an die Szene, in der Marco Friedl beim Schuss von Thorgan Hazard noch gerade so das Bein dazwischen bekommt und der Ball abgefälscht knapp das Bremer Tor verfehlt. Friedl ballte die Faust, schrie seinen Jubel in den Dortmunder Abendhimmel – und ich dachte mir: Oha, der ist jetzt richtig heißgelaufen, der hat Bock! Ich kenne das auch: Du spielst dich dann in einen Rausch, traust dir mehr zu, wirst selbstsicherer – und dann geht ein Ball auch rein, den du in neun von zehn Versuchen so nicht versenken würdest, oder wie im Fall von Friedl daneben. Jetzt geht alles!

Gewinnst du so ein Spiel oder holst als Underdog einen Punkt in Dortmund, heißt es schnell, die Mentalität sei saustark gewesen. Verlierst du aber mit exakt derselben Einstellung, weil du unglücklich einen Gegentreffer in der Nachspielzeit bekommst, wird oft geschrieben, der Wille habe gefehlt. Verrückt. Am Ende entscheiden im Fußball die Tore über Sieg oder Niederlage – und machst du eines mehr als der Gegner, fragt keiner mehr nach der Mentalität.

Nils Petersen

Zur Person: Nils Petersen kam 2012 vom FC Bayern München zum SV Werder. Für die Grün-Weißen erzielte er in 72 Pflichtspielen 18 Tore und bereitete neun weitere vor, ehe er im Januar 2015 zum Bundesliga-Konkurrenten SC Freiburg transferiert wurde. Im Breisgau ist Petersen – wie auch schon in Bremen – Publikumsliebling. Kurz vor der WM 2018 feierte er mit 29 Jahren sein Debüt im deutschen Nationalteam.

Mehr News zu Werder Bremen

Wie lange bleibt die „Rakete“ noch? Altin Lala, Berater von Milot Rashica, sagt zum Thema Vertragsverlängerung: „Es kommt die Zeit, dass Milot den nächsten großen Schritt machen muss.“ Ein klares Signal für eine Vertragsverlängerung bei Werder Bremen gibt es derweil bei Theodor Gebre Selassie. Außerdem gibt es durch ein Zwischen-Update neue Marktwerte für Werder Bremen: Josh Sargent und Marco Friedl legen zu.

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