Der DeichBlick-Kolumnistenkreis von links nach rechts: Nils Petersen, Klaus Allofs, Rolf Fuhrmann, Sebastian Prödl und Thomas Schaaf schreiben für die DeichStube über den SV Werder Bremen.

DeichBlick-Kolumne: Klaus Allofs schreibt für die DeichStube

„Der Fußball lebt nicht auf seinem eigenen Planeten“

Von Klaus Allofs. Vor gut zwei Wochen sollte ich Gast bei der Fußball-Talkshow Sky90 sein, wurde aber ausgeladen, weil ich kurz davor in Norditalien gewesen bin. So seien die neuen Richtlinien, hieß es. Ich gebe zu, dass ich das damals für etwas übertrieben gehalten habe. Jetzt weiß ich: Es war absolut richtig!

Was ich damit sagen will: Wir mussten uns alle erst daran gewöhnen, was gerade passiert. Inzwischen wissen wir: Die Eindämmung des Virus besitzt oberste Priorität, steht über allem – und natürlich auch über dem Fußball. Vielleicht ist zuletzt etwas der Eindruck entstanden, der Fußball würde für sich eine Sonderrolle reklamieren. Das liegt gewiss auch an der einen oder anderen nicht ganz glücklichen Aussage. Aber ich kann versichern: Der Fußball lebt nicht auf seinem eigenen Planeten und denkt auch nicht nur an sein Geschäft! Die Verantwortlichen sind sich der besonderen Herausforderung unserer Gesellschaft absolut bewusst.

Sie müssen aber einen ganz schwierigen Spagat hinbekommen – also an die Aktualität denken, aber auch an den Moment, wenn es irgendwann hoffentlich weitergeht. Sie sind für viele, viele Mitarbeiter verantwortlich – und dabei geht es nicht nur um die Profi-Fußballer. Wir tun uns einfach immer noch sehr schwer damit, zu akzeptieren, dass Fußball-Clubs Wirtschaftsunternehmen sind. Sie sollen gleichzeitig auch Vereine und Traditionsclubs sein, also die Fußball-Romantik bedienen. Das harmoniert oft gut, jetzt allerdings etwas weniger.

Coronavirus und der Fußball: Klaus Allofs findet Krisenmanagement gut

Die Fußball-Verantwortlichen stehen zudem medial sehr im Fokus, werden wesentlich häufiger von Journalisten mit Fragen gelöchert als die Bosse anderer großer Unternehmen. Das soll keine Ausrede sein, sondern nur manche Aussage nachvollziehbarer machen.

Was wir im Moment auf keinen Fall brauchen, ist Populismus, der vermeintlich einfache Lösungen verbreitet oder alles und jedes grundsätzlich kritisiert. Wir müssen uns Schritt für Schritt an das richtige Maß in den Entscheidungen herantasten. Die Politik hat das gemacht, der Fußball hat inzwischen davon gelernt und die Kurve noch bekommen. Ich finde das Krisenmanagement gut.

Corona-Krise: Noch zu früh für Gehaltsverzicht der Spieler

Natürlich zeigt sich jetzt, auf welch‘ dünnem Eis sich der Fußball finanziell bewegt. Doch auf so eine Ausnahmesituation konnte kein Club vorbereitet sein. Ich kann verstehen, dass nun auch über die Millionengehälter der Profis diskutiert wird. Mein Argument für diese hohen Zahlungen war immer: Wenn so viel Geld durch diese Protagonisten erwirtschaftet wird, dann sollen sie auch davon profitieren. Nun ändert sich aber gerade die Geschäftsgrundlage, weil keine Spiele mehr stattfinden können. Wenn dann tatsächlich Lösungen gefunden werden müssen, um die Clubs zu retten, wird es auch eine Reaktion der Spieler geben. Da bin ich mir sehr sicher. Dann geht es nämlich um den Profi-Fußball an sich.

Für einen freiwilligen Gehaltsverzicht ist es aber noch zu früh. Dieses Schwarze-Peter-Spiel bringt uns jetzt nicht weiter. Viel wichtiger ist es, dass wir mit unserem Verhalten dieses Virus eindämmen. Wir müssen uns dabei gegenseitig unterstützen und den Verantwortlichen vertrauen. Die haben es wahrlich nicht leicht. Entscheidungen, die heute richtig erscheinen, können morgen schon wieder falsch sein. Aber sie müssen entscheiden, damit wir diese Krise überstehen können. Bleiben Sie gesund!

Klaus Allofs

Zur Person: Erst Profi, dann Manager – Klaus Allofs (63) hat im Fußball fast alles erlebt. Bei Werder Bremen war er auf beiden Seiten tätig, beim VfL Wolfsburg arbeitete er bis 2016 als Manager.

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