Die DeichBlick-Kolumnisten von links nach rechts: Sebastian Prödl, Thomas Schaaf, Nils Petersen, Klaus Allofs und Rolf „Rollo“ Fuhrmann.
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Die DeichBlick-Kolumnisten von links nach rechts: Sebastian Prödl, Thomas Schaaf, Nils Petersen, Klaus Allofs und Rolf „Rollo“ Fuhrmann.

DeichBlick-Kolumne: Thomas Schaaf schreibt für die DeichStube

„Wir müssen der Regierung vertrauen“

Von Thomas Schaaf. Natürlich wäre es schön, wenn bald wieder Fußball gespielt werden könnte. Dabei ist es aber ganz wichtig, dass der Fußball keine Sonderrolle einnimmt, sondern wie alle anderen Branchen behandelt wird. Davon gehe ich auch aus.

Wenn die Regierung der Meinung ist, dass unter bestimmten Voraussetzungen die Bundesliga-Saison fortgesetzt werden darf, dann ist das absolut in Ordnung. Wir müssen der Regierung vertrauen – gerade in dieser Zeit! Denn ich gehe fest davon aus, dass die Entscheidungsträger die besten Informationen besitzen. Wer in einer so verantwortungsvollen Position ist, wird sich um den größtmöglichen Kenntnisstand bemühen. Danach wird dann entschieden.

Den Vergleich zwischen Fußball und Schulen halte ich übrigens für nicht passend. Sicherlich ist es nicht schön, dass in den nächsten Wochen noch nicht alle Kinder wieder zur Schule gehen können. Mir fehlen auch die tobenden Kinder auf den Schulhöfen, Spielplätzen und Sportanlagen. Es ist aber ein großer Unterschied, ob ich diese in der Coronavirus-Krise nötige Disziplin von Erwachsenen oder von Kindern einfordern muss. Bei verantwortungsbewussten Erwachsenen ist das wesentlich leichter. Wir wissen doch alle, wie emotional Kinder gerade in der Gruppe handeln und wie schnell sie dann die aufgestellten Regeln vergessen. Das gehört zu ihrer Entwicklung dazu, damit müssen wir sensibel umgehen.

Werder Bremen - Thomas Schaaf: „Gesundheit steht über allem“

Im Fußball gibt es inzwischen Konzepte, wie Geisterspiele unter größtmöglichem Schutz aller Beteiligten und der Öffentlichkeit durchgeführt werden können. Die Gesundheit steht immer über allem. Aber wenn die Experten sagen, dass diese Spiele zu verantworten sind, dann sollte man das auch akzeptieren.

Wann es wieder losgeht, das mag ich nicht vorhersagen. Aus Sicht eines Trainers kann ich nur sagen, dass nach einer so langen Pause schon ein gewisser Vorlauf nötig sein wird. Sechs Wochen wurde nur individuell und zuletzt in Kleingruppen trainiert. Das erinnert ein bisschen an die Sommerpause, wenn die Profis Urlaub haben. Da halten sie sich zwar auch fit, aber ihnen fehlt natürlich das Training mit den Kollegen. Jetzt befinden sich die Spieler durch das gezieltere Training zwar auf einem anderen Niveau, trotzdem wären mindestens zwei Wochen Mannschaftstraining vor dem ersten Spiel schon mehr als sinnvoll. Du musst als Spieler wieder das Gefühl für den Wettkampf bekommen, um dich richtig zu bewegen und einzusetzen. Da spielt auch die Verletzungsgefahr keine unwichtige Rolle.

Werder Bremen - Thomas Schaaf: „Niemand weiß, was noch alles passiert“

Ohnehin wird das stramme Programm mit fast nur englischen Wochen eine enorme Herausforderung für alle Mannschaften. Dazu kommen die vielen notwendigen neuen Verhaltensregeln in der Coronavirus-Krise. Das wird gewiss nicht leicht für alle Beteiligten. Niemand weiß, was noch alles passiert. Aber natürlich freuen wir uns, wenn auch der Fußball zu den Lockerungen gehören sollte, die nun behutsam vorgenommen werden.

Thomas Schaaf

Zur Person: Erst Spieler, dann Trainer, jetzt Technischer Direktor – mehr Werder geht nicht. Dabei war Thomas Schaaf extrem erfolgreich. Als Spieler (1978 bis 1995) holte er zwei Meisterschaften, zweimal den DFB-Pokal und einmal den Europapokal der Pokalsieger, als Trainer (1999 bis 2013) das Double und dreimal den Pokal. In der Saison 2014/15 trainierte Schaaf die Frankfurter Eintracht sowie in der Rückrunde der Spielzeit 15/16 für elf Partien Hannover 96. Im Juli 2018 ist der 58-Jährige als Technischer Direktor zu Werder zurückgekehrt, arbeitet zudem für die Uefa.

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