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DeichBlick-Kolumne: Andreas Herzog schreibt für die DeichStube

„Für Junuzovic ist es jetzt schwierig“

Von Andreas Herzog. Schon komisch: Wenn Werder Bremen am Montag den 1. FC Köln empfängt, dann stehen drei Spieler im Fokus, deren Wege sich an völlig unterschiedlichen Punkten zu völlig unterschiedlichen Zeiten mit meinem Weg gekreuzt haben.

Claudio Pizarro war von 1999 bis 2001 mein Teamkollege bei Werder, den ganz jungen Zlatko Junuzovic habe ich als Co-Trainer der österreichischen Nationalmannschaft kennengelernt und zu Aron Johannsson hatte ich als Co-Trainer der US-Auswahl jahrelang engen Kontakt. Am Montag gucken alle auf sie. Ich mache es schon jetzt. Der Blick richtet sich auf...

... Zlatko Junuzovic:

Ich fand es überraschend, dass er beim 2:2 in Mönchengladbach nur auf der Bank saß und der Trainer in einer so wichtigen Phase der Saison nicht auf seinen Kapitän vertraut. Das ist mutig vom Trainer, aber auch alles andere als ein Vertrauensbeweis für den Spieler. Auf der einen Seite will Werder den Vertrag mit Junuzovic verlängern, auf der anderen Seite setzt der Trainer nicht auf ihn – das sieht seltsam aus und ist für Junuzovic eine wirklich schwierige Situation.

Ich würde sagen, dass es unter diesen Umständen kompliziert wird, in Sachen Vertrag zu einer Einigung zu finden. Allerdings muss man auch ein bisschen abwarten, was in den nächsten Spielen passiert. Denn ich bin mir sicher, dass Trainer Kohfeldt einen Spieler mit den Qualitäten eines Junuzovic früher oder später wieder brauchen wird.

... Aron Johannsson:

Dass er wieder da ist und trifft, ist eine absolut tolle Geschichte. Denn ich kann mich noch gut an Gespräche mit ihm erinnern, als er echt down war. Die Verletzungen, die Probleme bei Werder – das hat ihm zugesetzt. Dabei ist Aron ein Stürmer, der von seiner Unbeschwertheit lebt. Die hatte er verloren, die holt er sich aber gerade wieder zurück. Seine Stärke ist, dass er, wenn er Spielpraxis und Vertrauen bekommt, nicht viele Chancen braucht für ein Tor.

Ich finde, er ist ein echtes Schlitzohr im Sechzehner, nicht der robusteste Spieler, aber abgezockt. Ich glaube, den echten Johannsson hat man bei Werder noch gar nicht sehen können, weil er eigentlich nie richtig fit war. Wenn er jetzt in einen Lauf kommt, dann ist er eine echte Verstärkung für das Team. Aber Achtung: Manchmal ist Aron zu unbeschwert, zu lustig. Dann braucht er auch mal den berühmten Tritt in den A... - na, Sie wissen schon.

... Claudio Pizarro:

Jetzt geht es weit zurück in die Vergangenheit. Bis in den Sommer 1999. Es war eine Zeit, in der Werder nicht gerade viele Glücksgriffe gelungen waren auf dem Transfermarkt. Doch dann kam Pizarro. Als Spieler aus Peru war er in Deutschland ungefähr so unbekannt wie wir Österreicher. Bei ihm war aber sofort zu sehen: Das ist eine absolute Granate. Mit 20 Jahren war er so cool vor dem Tor wie kaum ein anderer. Das war für unsere Mannschaft eine ganz neue Qualität. Er hat sich damals mit Ailton so gut verstanden, dass die beiden fast nur miteinander gespielt haben. Ich bin zwar immer mitgelaufen, habe aber kaum einen Ball von ihnen bekommen.

Dass Claudio jetzt, fast 20 Jahre später, immer noch in der Bundesliga spielt, ist überragend. Er hat in all den Jahren wirklich gut auf sich und seinen Körper aufgepasst, sonst wäre das nicht möglich. Ich finde es aber bitter, dass seine Karriere nun vermutlich mit dem Abstieg des 1. FC Köln endet. Das hätte man ihm anders gewünscht.

Andreas Herzog

Andreas Herzog (49) bestritt zwischen 1992 und 1995 sowie von 1996 bis 2001 236 Bundesliga-Partien für Werder Bremen. Für Österreich lief er in 103 Länderspielen auf Von 2005 bis 2009 war er Co-Trainer der österreichischen Nationalmannschaft, danach bis 2011 Chefcoach der U21-Auswahl. Von 2011 bis 2016 arbeitete Herzog als Co-Trainer von Jürgen Klinsmann bei der Nationalmannschaft der USA. 2015 bis 2016 betreute er zudem alleinverantwortlich die U23-Auswahl in der Olympia-Qualifikation.

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