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DeichBlick-Kolumne: Rolf „Rollo“ Fuhrmann schreibt für die DeichStube

„Werder mitten in Europa, doch noch lange nicht da“

Von Rolf Fuhrmann. Hallo hallo! Werder-Euphorie, neue Stadionballade, Per Mertesacker auf der Tribüne – und ich auch. Endlich wieder Bundesliga in Bremen, da wollte ich dabei sein.

Aber wie das Wetter, so der Saisonstart für Werder – Licht und Schatten. Klarer Sieg im Pokal, Remis-Dämpfer in der Liga. Für die Mannschaft noch ein langer und alles andere als ein leichter Weg zum ausgegebenen Saisonziel Europa. Mutig ja, realistisch mit Fragezeichen. Spielerisch sah es gut aus, aber auch nur phasenweise. Und die Effektivität ließ noch zu wünschen übrig.

Erst mit Pizarro kam der Druck

Gute Möglichkeiten wurden oft zu zaghaft und zögerlich vergeben. Erst die Einwechselung von Claudio Pizarro erhöhte den Druck auf die Hannoveraner letztlich entscheidend. Mit etwas mehr Glück hätte es sogar noch drei Punkte am Ende geben können. Aber klar, erster Spieltag – und im Grunde noch wenig aussagekräftig.

Gleiches gilt auch für die Spieler, ausgenommen Torwart Jiri Pavlenka, der wie gewohnt absoluter Rückhalt war. Die Defensive über weite Strecken sicher, aber nicht fehlerfrei, wie der Führungstreffer der Hannoveraner zeigte - Abstimmungsprobleme bei Niklas Moisander und Milos Veljkovic. Etwas enttäuscht haben mich die Werder-Stützen Philipp Bargfrede und Max Kruse, die nicht die erhoffte Wirkung erzielten, auch wenn Letzterer mit leichter Verletzung nicht durchspielen konnte. Zu wenig vielversprechende Impulse gingen von beiden aus.

Claudio Pizarro - auch mit 40 Jahren noch präsent auf dem Platz wie eh und je.

Auch Maximilian Eggestein und Florian Kainz konnten mich nicht überzeugen. Ihnen fehlte Tempo und Durchsetzungsvermögen. Am Neuzugang Yuya Osako lief das Spiel weitestgehend vorbei. Aber okay, er wie auch Davy Klaassen brauchen einfach noch Zeit, denke ich. Klaassen lief zwar sehr viel, war bei diversen guten Strafraumaktionen dabei, aber oft eben auch zu zögerlich und glücklos, sieht man mal von der großen Chance für Ludwig Augustinsson ab, die er mit vorbereitete.

Was Mut macht – und nicht nur der Mannschaft, den Fans, auch mir, ist Pizarro. Fast 40 Jahre und präsent wie eh und je. Viel fehlte nicht und er hätte schon nach seiner Rückkehr ins Weserstadion alle in den Himmel der Glückseligkeit schießen können. Er sorgte für sehr viel Druck und Unruhe im Strafraum der 96er und war zumindest indirekt am Ausgleich beteiligt – ob mit oder ohne Haarspitzen.

Kohfeldt: ein realistischer Idealist?

Und was man natürlich nicht vergessen darf: Er brachte den Osterdeich wieder in Stimmung und den Anhängern den Optimismus zurück. Und der ist trotz aller Anfangsschwierigkeiten auch durchaus berechtigt. Trainer Florian Kohfeldt – immer noch zu Hause ungeschlagen – genießt das absolute Vertrauen aller und beeindruckt mich mehr und mehr mit seiner Klarheit und positiven Ausstrahlung. Mich habe ich immer als realistischen Idealisten bezeichnet. Könnte ja auch für den Coach gelten.

Optimistisch für die Saison bleibe ich sowieso, zumal ja Neuzugang Martin Harnik am Wochenende wieder dabei sein dürfte und auch Fin Bartels hoffentlich spätestens im Herbst wieder zurück sein wird. Im Übrigen ist Werders Bank auch nicht zu verachten, wie die Einwechslungen von Rashica und Johannes Eggestein zeigten. Meine Prognose: Werder wird am Saisonende zwischen Platz sieben und fünf einlaufen und dann in Europa nicht nur geographisch mittendrin, sondern auch dabei sein!

Rolf „Rollo“ Fuhrmann

Zur Person: Rolf „Rollo“ Fuhrmann (69) hat 25 Jahre lang für Sky (früher Premiere) über die Bundesliga berichtet. Seit einem Jahr ist Schluss, der Kult-Reporter ist in Rente gegangen. Für die DeichStube schreibt Fuhrmann nun regelmäßig über Werder und das aktuelle Bundesliga-Geschehen.

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