Die DeichBlick-Kolumnisten von links nach rechts: Sebastian Prödl, Thomas Schaaf, Nils Petersen, Klaus Allofs und Rolf Fuhrmann.

DeichBlick-Kolumne: Thomas Schaaf schreibt für die DeichStube

„Diese Mannschaft macht neugierig“

Von Thomas Schaaf. Die erste Runde im DFB-Pokal ist wirklich nicht so einfach. Umso mehr freut man sich als Trainer, wenn die Mannschaft dann so konzentriert auftritt, wie es Werder in Worms gemacht hat.

Zudem wurde das umgesetzt, wofür man fußballerisch steht. Es wurde sehr geschlossen agiert, man war gut in den Bewegungen, hat sich vorne sehr variabel gezeigt, man wirkte insgesamt schon sehr sicher – das war eine runde Sache.

Diese Mannschaft macht neugierig. Man will wissen, wie es weitergeht, wie sie sich entwickelt. Ich glaube, dass auch deshalb die Euphorie in Bremen so groß ist. Dazu passt, dass sich Spieler und Verein hohe Ziele gesetzt haben, zum Teil auch ein bisschen nach Europa schielen. Dadurch fühlen sich die Fans in ihrer guten Stimmung vom Verein mitgenommen. Es ist gut, wenn man optimistisch und mutig nach vorne blickt. Es entwickelt dabei ja niemand im Verein Phantasien, die nicht zu erfüllen sind. Europa wird nicht als Muss, sondern eher als Wunsch bezeichnet. Werder ist da auf einem guten Weg.

Kruse wird sich noch mehr einbringen

Die Geschlossenheit ist natürlich das Wichtigste. Aber es wird auch auf individuelle Qualität ankommen. Ich halte zum Beispiel Davy Klaassen für eine tolle Verpflichtung. Ich kenne ihn schon aus seiner Zeit bei Ajax Amsterdam. Er ist ein klasse Fußballer, der ein Spiel entscheidend bereichern kann. Er ist ein absoluter Führungsspieler, aber genauso hat er neulich gefordert, dass man elf Führungsspieler auf dem Platz braucht. Das finde ich gut. Es geht - wie gesagt - nur gemeinsam.

Auch ein Max Kruse wird sich als Kapitän noch mehr für die Mannschaft einsetzen, als er es ohnehin schon getan hat. Ich denke, deshalb hat ihn Florian Kohfeldt auch zum Kapitän gemacht. Das Trainerteam lebt vor, wie zielgerichtet und konzentriert gearbeitet werden muss, um Erfolg zu haben. Man hat wirklich das Gefühl, dass alles versucht wird, um sich weiterzuentwickeln.

Werder hat einen sehr sicheren Abwehrverbund

Bei Spielern wie Milos Veljkovic und Ludwig Augustinsson hat zudem die WM geholfen. Dort haben sie wichtige Erfahrungen sammeln können. Zusammen mit den schon erfahrenen Niklas Moisander und Theodor Gebre Selassie hat Werder einen sehr sicheren Abwehrverbund. Das ist immer die Basis für ein gutes Offensivspiel. Und vorne ist Werder ohnehin sehr gut besetzt, hat viele Möglichkeiten.

Schade nur, dass es Ole Käuper nun erwischt hat. Gerade für einen jungen Spieler ist das ganz bitter. Leider gehört das zum Fußball dazu. Es gibt selten den ganz geraden Weg. Das gilt auch für Werder. In der Bundesliga sind die Anforderungen natürlich ganz andere als im Pokal. Und Hannover 96 hat mit dem 6:0 in Karlsruhe ebenfalls bewiesen, schon voll da zu sein. Das war nach den vielen Veränderungen sehr wichtig. Genauso wichtig ist es für 96, dass Niclas Füllkrug geblieben ist. Und besonders gespannt bin ich, ob Walace vom Hamburger SV nun in Hannover sein Potenzial abrufen kann.

Die Bundesliga-Saison wird spannend - auch ganz oben

Es wird am Samstag auf jeden Fall ein interessantes Derby. Natürlich ist das nicht mit dem Nordderby gegen den Hamburger SV zu vergleichen, aber mir haben auch diese Spiele immer Spaß gemacht. In Nienburg ist ja so etwas wie die Grenze zwischen den Clubs, da will man sich gegen den Nachbarn schon beweisen.

Grundsätzlich rechne ich mit einer spannenden Bundesliga-Saison – auch ganz oben. Natürlich sind die Bayern der Topfavorit. Aber ich bin sehr gespannt, was Lucien Favre mit Borussia Dortmund macht. Auch Schalke, Hoffenheim, Leverkusen und Leipzig könnten näher an die Bayern heranrücken. Und dann stellt sich wie immer die Frage: Wer ist in diesem Jahr die Überraschungsmannschaft? Ich bin mir sicher, dass die Antwort in Bremen fast immer Werder lauten wird. Es ist schön, wenn die Fans so positiv denken. Ich persönlich wünsche der Mannschaft erst mal einen guten Start mit möglichst vielen Punkten.

Thomas Schaaf

Zur Person: Erst Spieler, dann Trainer und jetzt Technischer Direktor – mehr Werder, als Thomas Schaaf es zu bieten hat, geht nicht. Als Profi (1978 bis 1995) gewann er zwei Meisterschaften sowie zweimal den DFB-Pokal und einmal den Europapokal der Pokalsieger. Als Trainer (1999 bis 2013) holte er das Double und insgesamt dreimal den Pokal. Seit dem 1. Juli bekleidet er beim SV Werder den Posten des Technischen Direktors.

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