Die DeichBlick-Kolumnisten von links nach rechts: Rolf Fuhrmann, Sebastian Prödl, Thomas Schaaf, Nils Petersen und Klaus Allofs schreiben für die DeichStube über Werder Bremen.
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Die DeichBlick-Kolumnisten von links nach rechts: Rolf Fuhrmann, Sebastian Prödl, Naldo, Nils Petersen und Klaus Allofs schreiben für die DeichStube über Werder Bremen.

DeichBlick-Kolumne: Sebastian Prödl schreibt für die DeichStube

„Werder Bremen braucht mehr Feuer, sonst droht ein Abbild der letzten Saison“

Vor dem Spiel gegen Hertha war ich überzeugt, dass der Last-Minute-Klassenerhalt beim SV Werder Bremen auf alle befreiend gewirkt hat – jetzt ist Werder und jetzt bin ich aber ganz schnell wieder auf dem Boden der Tatsachen gelandet. 

Das 1:4 gegen die Berliner spricht eine deutliche Sprache, auch wenn nach außen hin natürlich versucht wird, zu beschwichtigen und Ruhe zu bewahren. Ich will gar nicht behaupten, dass Werder Bremen wieder ein Abstiegskandidat ist – aber die Mannschaft sollte die Situation gegen Schalke 04 am Samstag annehmen, sonst droht die neue Saison zu einem Abbild der letzten zu werden.

Dass die Mannschaft großteils zusammen geblieben ist, könnte die Sache einfacher machen. Jeder einzelne muss alles dafür tun, dass Werder Bremen nicht mehr in diese Stresssituationen kommt, in denen die Freude am Fußball verloren geht. Und ganz ehrlich: In der Vorbereitung war mehr Feuer in der Mannschaft als gegen die Berliner!

Sebastian Prödl: Vorsaison von Werder Bremen wird Trainer Florian Kohfeldt noch stärker machen

Die Spiele in der Vorbereitung hatten jedenfalls Mut gemacht. Der Druck schien abgefallen, die Mannschaft hatte wieder Lust und Laune versprüht und durch die Erfolge in den Tests Selbstvertrauen getankt. Auch Trainer Florian Kohfeldt wirkte auf mich wie ausgewechselt, machte einen fokussierten und frischen Eindruck. Es war eine gute und richtige Entscheidung, mit Kohfeldt weiter zu machen. Er hat sich dieses Vertrauen und diese Stellung in Bremen erarbeitet. Die Konstanz, die ein junger Trainer und auch junge Spieler noch nicht haben können, wird sich Jahr für Jahr steigern. Und es wird Kohfeldt noch stärker machen, dass er eine ganz brisante Situation gemeistert hat. Der aktuelle Rückschlag sollte da am Gesamtbild nichts ändern.

Eine wertvolle Investition in die Zukunft ist zudem die Personalie Clemens Fritz. Ich kenne Clemens seit vielen Jahren und ich traue ihm zu, dass er durch seine ruhige und besonnene Art ein wichtiges Bindeglied zwischen Mannschaft, Trainerteam und Vorstand wird. Er ist ein guter Kommunikator, hat ein enges Verhältnis zu Kohfeldt und Frank Baumann und kennt auch die Mannschaft in- und auswendig. Ich halte es für ein positives Signal, dass Werder Bremen einen verdienten Profi noch stärker im Verein integriert und ihm Verantwortung überträgt. In der Transferphase ist Clemens außerdem als Leiter Scouting gefragt. Kein einfacher Job!

Werder Bremen: Bei Tahith Chong erinnert Sebastian Prödl an Kevin de Bruyne

Die Never-Ending-Story um einen Transfer von Milot Rashica ist für Werder sehr bitter. Einerseits möchten die Bremer im Mittelfeld noch nachbessern, auf der anderen Seite ist man von den Einnahmen durch den Verkauf des Stürmers abhängig. Ich verstehe natürlich, dass man Rashica nicht weit unter Wert verkaufen will, aber die Mittel vieler Clubs sind wegen der Coronavirus-Pandemie beschränkt.

Unterdessen hat Werder mit dem Holländer Tahith Chong offensichtlich hochkarätigen Ersatz geholt. Wer bei Manchester United unter Vertrag steht, hat Qualität. Und Bremen ist ein perfektes Sprungbrett, um sich wieder für die Premier League zu empfehlen. Ich erinnere an den jungen Kevin de Bruyne, mit dem ich 2012 eine Saison zusammengespielt habe und der ebenfalls mit 21 nach Bremen verliehen wurde, weil er bei Chelsea zu wenig Spielpraxis bekommen hätte.

Sebastian Prödl: Werder Bremen gegen Schalke 04 ein reines Ergebnisspiel

Ich hoffe, dass Chong für Werder Bremen schon gegen Schalke 04 richtig durchstartet. Das kommende Match ist ein reines Ergebnisspiel, und ich glaube nicht, dass Schalke so auf dem Boden liegt, wie man nach dem 0:8 bei den Bayern annehmen könnte. Intern sind die Schalker ohnehin nicht davon ausgegangen, dass man gegen den Champions-League-Sieger irgendetwas holen kann. Über die Höhe des Ergebnisses kann man diskutieren, aber gegen Werder Bremen liegt der Druck eindeutig bei Schalke.

Der Trainer steht schon nach dem ersten Spieltag wieder am Pranger, die Medien fordern Konsequenzen, die Fans sind schon mehr verzweifelt als wütend – und das bei einem Club, der bei weitem nicht so stabil ist wie Werder Bremen. Trotzdem darf sich Werder nicht einlullen lassen! Denn: Nichts ist für das Selbstvertrauen so wichtig wie ein Sieg – sonst droht eine erneute Negativ-Spirale.

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