Die DeichBlick-Kolumnisten (v. l. n. r.): Torsten Frings, Felix Kroos, Jurica Vranjes, Rollo Fuhrmann, Nils Petersen und Sebastian Prödl schreiben über den SV Werder Bremen.
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Die DeichBlick-Kolumnisten (v. l. n. r.): Torsten Frings, Felix Kroos, Jurica Vranjes, Rollo Fuhrmann, Nils Petersen und Sebastian Prödl schreiben über den SV Werder Bremen.

DeichBlick-Kolumne von Felix Kroos

„Nicht nur Maxi hat beim SV Werder Charakter gezeigt“

Von Felix Kroos. Was für ein Krimi in Düsseldorf – und dann noch dieser Elfmeter kurz vor Schluss. Als Schütze weißt du in dem Moment ganz genau: Das kann eine gute Nacht oder eine ziemlich schlaflose werden. Bei Maxi Eggestein ging es sogar noch um mehr. Mit diesem einen Schuss konnte er vieles wieder gutmachen, was in der Vergangenheit nicht so gelaufen ist. Aber er hatte persönlich auch viel zu verlieren. Dass er dieses Risiko gegangen ist und sich nicht versteckt hat, zeigt seinen Charakter: Werder Bremen bedeutet ihm sehr viel – unabhängig davon, dass er wegwill. Das sollte man ihm übrigens nicht übel nehmen. Es ist schließlich seine Karriere, über die er selbst entscheiden darf.

Aber nicht nur Maxi hat Charakter gezeigt, die ganze Mannschaft. So eine vertrackte Situation wie aktuell bei Werder hat es selten gegeben. Die Voraussetzungen für einen Saisonstart konnten schlechter kaum sein. Spieler wollen, sollen, müssen weg. Keiner kann planen, schon gar nicht der Trainer. Wenn dann trotzdem alle Vollgas geben und dieses Thema für 90 Minuten vergessen, ist das gut. Auch die vier Punkte aus zwei Spielen sind okay. Aber der August bleibt trotzdem schwierig, weil der Transfermarkt einfach nicht anspringt. Die Vereine sind in der Corona-Pandemie nachvollziehbar sehr vorsichtig geworden. Genauso wie die Spieler, die bei neuen Verträgen oftmals Abstriche machen müssten. Das verkompliziert die Verhandlungen zwischen allen Parteien.

Felix Kroos: Beim SV Werder Bremen wurden viele Fehler gemacht - Abstieg kein Zufall

Gerade für Werder Bremen ist das bei den großen finanziellen Zwängen besonders schlimm. Ich mache mir schon Sorgen um den Verein. Der Abstieg war kein Zufall, es wurden viele Fehler gemacht. Es wird dann gerne auf einzelne Personen gezeigt. Ich glaube aber, dass sich der gesamte Verein hinterfragen sollte, was sich strukturell ändern muss, um wieder erfolgreich zu sein. Kurzfristig geht es darum, die richtige Mannschaft für die 2. Liga zu bekommen. Mit Union Berlin habe ich erlebt, dass es weniger auf die große individuelle Klasse, sondern mehr auf den Teamgeist, eine gute Organisation und Wucht ankommt. Große Vereine unterschätzen das gerne – wie das Beispiel Hamburger SV zeigt. Auch der VfB Stuttgart ist vor zwei Jahren mit seiner Star-Truppe nicht einfach so durchmarschiert.

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Natürlich wünscht man sich als Fan super Neuzugänge – bei Werder Bremen vor allem einen super Sechser. Seit ich weg bin, gibt es da ja große Probleme. . . Nein, Spaß beiseite. Das ist die vielleicht wichtigste Position. Ein Sechser soll zweikampfstark, spielstark und am besten noch torgefährlich sein. Bringt er all das tatsächlich mit, spielt er aber in der Bundesliga oder in der Champions League. In der 2. Liga müssen alle Abstriche machen. Wer das versteht, kann dort viel Spaß haben und auch erfolgreich sein. Den richtigen Trainer dafür hat Werder mit Markus Anfang schon mal, der Rest wird sich in den nächsten Wochen zeigen.

DeichBlick-Kolumne: Felix Kroos schreibt über den SV Werder Bremen

Zur Person Felix Kroos: Der 30-Jährige hat in diesem Sommer seine Profi-Karriere beendet. 2010 war er von Hansa Rostock zum SV Werder Bremen gewechselt, absolvierte dort 65 Bundesligaspiele. 2016 zog der Mittelfeldspieler zum 1. FC Union Berlin weiter, 2020 folgte der Wechsel zu Eintracht Braunschweig. Mit seinem Bruder Toni Kroos produziert er den Podcast „Einfach mal Luppen“.

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