Die DeichBlick-Kolumnisten (v. l. n. r.): Torsten Frings, Sebastian Prödl, Jurica Vranjes, Rollo Fuhrmann, Nils Petersen und Felix Kroos schreiben über den SV Werder Bremen.
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Die DeichBlick-Kolumnisten (v. l. n. r.): Torsten Frings, Sebastian Prödl, Jurica Vranjes, Rollo Fuhrmann, Nils Petersen und Felix Kroos schreiben über den SV Werder Bremen.

DeichBlick-Kolumne von Sebastian Prödl

Sebastian Prödl über Werder gegen den HSV: „So ein Derby dauert eigentlich zwei Wochen“

Eine bessere Konstellation gibt es nicht, wenn Tabellenführer Werder Bremen am Sonntag im großen Nordderby gegen den Hamburger SV gleichzeitig auf den schärfsten Verfolger trifft. Meine persönliche Bilanz gegen den HSV ist ganz okay: acht Siege, ein Remis und nur drei Niederlagen. Das Derby dauert ja eigentlich nicht nur 90 Minuten, sondern zwei Wochen: Eine Woche bereitest du dich ganz intensiv auf dieses große Spiel vor, bist angespannt – und nachher dauert es noch einige Tage, bis sich die Emotionen bei den Spielern und auch bei den Fans halbwegs gelegt haben.

Ewig in Erinnerung bleiben werden mir sicher die Derbys im April und Mai 2009, als wir innerhalb von 19 Tagen viermal gegen den HSV gespielt haben. Ich bekomme heute noch Gänsehaut, wenn ich daran denke, wie wir den HSV damals aus dem DFB-Pokal und dem Uefa-Cup rausgeworfen haben. Die Atmosphäre war einzigartig! Ich kann mich noch gut erinnern, dass damals der Hamburger Trainer Martin Jol in einem Interview meinte: „Ich kann Werder Bremen nicht mehr sehen!“ Man konnte ihn irgendwie verstehen.

Werder Bremen-Ex-Profi Sebastian Prödl über Spiel gegen HSV: „So ein Derby dauert eigentlich zwei Wochen“

Der HSV war nach diesen vier Matches gebrochen und demoralisiert. Ich war damals noch ein ganz junger Profi und mein Bartwuchs war noch nicht so ausgeprägt wie heute... Diese vier Derbys haben mich jedenfalls geprägt und waren ganz wichtig für meine Karriere. Ich habe damals auch eine Art Liebe zu Hamburg entdeckt. Nicht zum Club, sondern zur Stadt, die viele Möglichkeiten bietet und wo ich öfters meine freien Stunden verbracht habe.

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Ganz besonders war für mich auch das 100. Nordderby im Jahr 2014, als wir enorm unter Druck standen und mit dem 1:0 im Weserstadion einen Befreiungsschlag landen konnten. Was man bei aller Euphorie nicht vergessen darf: Werder Bremen und der HSV waren damals zwei Mannschaften auf Top-Niveau, die mit dem FC Bayern zur Spitze der Bundesliga zählten. Heute findet dieses Derby in der 2. Liga statt, was die Bedeutung aber nicht schmälert. Ein Derby ist und bleibt ein Derby. Beide Teams haben sich jetzt auf den Aufstiegsplätzen festgesetzt und das Duell könnte eine Art von mentaler Vorentscheidung bringen.

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Sebastian Prödl vor Derby gegen HSV: „Für mich gibt zwei Gründe, warum es für Werder Bremen derzeit so gut läuft“

Für mich gibt es zwei Gründe, warum es für Werder Bremen derzeit so gut läuft: 1. Es war eine gute Entscheidung, auf Ole Werner als Trainer zu setzen. Er hat Ruhe und Harmonie in die Mannschaft gebracht und demonstriert nach außen eine Einstellung, die den ganzen Verein mitnimmt. Im Skiurlaub habe ich Clemens Fritz getroffen, der vom Trainer richtig geschwärmt hat. 2. Ich habe meiner Tochter einen Werder-Schnuller besorgt, der zum Talisman geworden ist. Seit sie daran nuckelt, hat Werder noch kein Spiel verloren! Wer weiß, vielleicht wird auch dieser Schnuller wie berühmte Papierkugel irgendwann im Werder-Museum landen...

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