Die DeichBlick-Kolumnisten von links nach rechts: Nils Petersen, Klaus Allofs, Rolf Fuhrmann, Sebastian Prödl und Thomas Schaaf.

DeichBlick-Kolumne: Klaus Allofs schreibt für die DeichStube

Auf der Suche nach Orientierung

Von Klaus Allofs. 2:6 gegen Leverkusen, 1:2 gegen Mainz, 1:3 gegen Gladbach – der Niederlagen-Hattrick des SV Werder ist nicht das, was man sich wünscht.

Es ist ein negativer Zwischenspurt, der natürlich die Frage aufwirft, ob die Europa League tatsächlich mit Berechtigung als Saisonziel ausgegeben wurde oder ob es von der Sportlichen Leitung doch zu hoch ins Regal gegriffen war. Aber: Erwarten Sie jetzt bitte keine klar definierte Antwort von mir, denn es ist nicht mit einem Ja oder Nein getan. Ich gehe das Thema auch etwas anders an und frage nicht, wieso Werder verloren hat, sondern warum Werder auf einmal nicht mehr gewinnt. Kein Unterschied, meinen jetzt vielleicht manche. Doch, es gibt einen Unterschied. Und der hat mit dem Selbstverständnis einer Mannschaft zu tun.

Werder Bremen ist ein Team, das – wir wissen es alle – in den vergangenen Jahren stets gegen den Abstieg gekämpft hat. Plötzlich steht die Mannschaft aber weit oben und hat im Spiel gegen Bayer Leverkusen die Chance, auf Platz zwei der Tabelle vorzurücken. Doch in eben diesen Momenten und Spielen kann das Team noch gar nicht das nötige Selbstverständnis haben, um einfach mal locker zu gewinnen und die Chance auch zu nutzen. Das ist eine Eigenschaft, die oft nur Mannschaften haben, die es über Jahre gewohnt sind, oben mitzuspielen. Werder gehört nicht in diese Kategorie – noch nicht.

Am Glauben an die eigene Stärke gerüttelt

Ich will es mal so formulieren: Werder befindet sich in einer Phase, in der Team, Club und Umfeld überhaupt nicht wissen, wo man hingehört. Nach oben? Nach unten? Ins Mittelfeld? Es ist doch nur verständlich, wenn sich auch Spieler, die zuletzt vor allem Abstiegskampf erlebt haben, fragen: Sind wir wirklich schon so weit, oben mitzumischen? Der Glaube daran kann noch gar nicht so tief verankert sein, als das Aufgaben wie gegen Leverkusen und Gladbach, aber auch gegen Mainz nicht zu Stolpersteinen werden können.

Dazu kommt, dass das 2:6 gegen Leverkusen in einer eigentlich verheißungsvollen Situation eine empfindliche Niederlage war. Das hat am Glauben in die eigene Stärke gerüttelt. Es folgten zwei weitere Pleiten, eine Art Kettenreaktion.

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Freiburg ist eine richtungsweisende Partie

Es ist ohne Frage eine schwierige Lage, in der sich Werder Bremen nun befindet. Drei Dinge braucht die Mannschaft nun, um sich daraus wieder zu befreien: Harte Arbeit, Prinzipientreue bei Trainer und Sportdirektor sowie einen Sieg beim SC Freiburg. Dieser Partie die oft strapazierte Bezeichnung „richtungsweisend“ zu verpassen, ist gewiss nicht übertrieben. Eine Niederlage wäre so etwas wie die vorläufige Rückversetzung ins Mittelfeld.

Mit einem Sieg würden sich die Bremer dagegen verlorenes Selbstvertrauen zurückholen, würden zeigen, dass sie bei einem Gegner aus dem gesicherten Mittelfeld gewinnen können. Und sie würden der Liga-Spitze auf den Fersen bleiben. Was wiederum den Effekt hätte, in der Woche darauf im Heimspiel gegen Bayern München vor dem nächsten richtungweisenden Spiel zu stehen. Mit anderen Worten: Mittelmaß oder oben mitmischen – in Freiburg gilt’s für den SV Werder!

Klaus Allofs

Zur Person: Die Fußball-Vita des Klaus Allofs (61) ist lang und bunt. Er wurde Meister in Frankreich (1989 mit Olympique Marseille) und Deutschland (1993 mit Werder), gewann mit dem SV Werder den Europapokal der Pokalsieger (1992) und mit der deutschen Nationalmannschaft den EM-Titel (1980). Ähnlich erfolgreich war der Weltklasse-Torjäger später auch als Manager. Allofs war der Architekt des Bremer Doubles 2004, feierte den DFB-Pokalsieg 2009. 2012 wechselte Allofs nach 13 Jahren in der Bremer Clubführung zum VfL Wolfsburg, wo er Ende 2016 entlassen wurde.

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