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Der Kolumnisten-Kreis der DeichStube: Klaus Allofs, Rolf Fuhrmann, Sebastian Prödl, Thomas Schaaf und Nils Petersen schreiben über den SV Werder Bremen.

Kult-Reporter Rolf „Rollo“ Fuhrmann schreibt für die DeichStube

„Was ist das eigentlich für eine Liga?“

Von Rolf „Rollo“ Fuhrmann. Um es gleich vorwegzusagen: Ich war aus diversen Gründen gegen eine Fortsetzung der Fußball-Bundesliga. Geisterspiele sind nur was für Geister, aber nicht für quicklebendige Fans. Und gerade die vom Osterdeich waren immer noch etwas mehr als dieser ominöse 12. Mann des SV Werder Bremen.

Im Endspurt dieser in jeder Beziehung verkorksten Saison wären sie für den Verein wichtiger denn je gewesen. Spiele ohne Fans sind wie Eier ohne Salz oder einfach nur wie eingeschlafene Füße. Das lautlose Geplänkel zwischen Mönchengladbach und Köln ist bei vielen sicher in schlechtester Erinnerung geblieben. Nun gut. Die Liga und die Politik haben sich aus rein finanziellen Gründen für ein Weitermachen entschieden, was eigentlich keinem so recht gefällt, gesundheitlich riskant und sportlich zumindest fragwürdig ist.

Was ist das eigentlich für eine Liga, die nichts anderes im Sinn hat als auf Gedeih und Verderb im Grunde so weiterzumachen, wie bisher? Die die Verteilung der Fernsehgelder seit 1988 zugunsten der „da oben“ immer weiter ausbaut und somit die Schere zwischen Arm und Reich weiter auseinander treibt, statt sie zu schließen? Es ist eine Liga, in der Top-Vereine schon wieder an Millionen-Deals arbeiten, einige Clubs die Gelder schon verpfändet haben, die sie noch gar nicht besitzen und in der dreizehn Vereinen nach nur zwei Monaten ohne Spielbetrieb angeblich die Insolvenz droht. Was ist mit der Solidarität einer doch angesehenen Gesellschaft, die etwa fünf Milliarden Euro in dieser Saison umsetzt?

Werder Bremen: Es gibt viele unbeantwortete Fragen

Und die Gesundheit? Machen wirklich alle Akteure in vollem Bewusstsein des Risikos einer Infektion die restlichen Spieltage ohne mulmige Gefühle mit? Oder werden sie mehr oder weniger deutlich mit gewissem Druck höflichst aufgefordert? Der Kölner Sportmediziner Wilhelm Bloch hat ja gerade erst auf die drohenden Gefahren hingewiesen. Und haben die Vereine kein schlechtes Gewissen, jede Menge Tests durchführen zu lassen, während andere womöglich nur unzureichend versorgt werden? Ganz abgesehen davon hat der „Fall Kalou“ in Berlin den Verdacht entstehen lassen, dass auch andernorts durchaus schlampig getestet werden könnte. Und warum testen eigentlich nicht ausgebildete Mediziner? Und wie verlässlich sind die zuständigen Gesundheitsämter? Sie merken, es gibt viele unbeantwortete Fragen.

Bei Werder Bremen könnte es eine unerwartete Wende geben

Was Werder Bremen angeht, so ist es sicherlich ein Nachteil, nur neun Tage für das Mannschaftstraining Zeit zu haben, ehe es wieder losgeht. Aber andererseits könnte es ja auch eine gänzlich unerwartete Wende geben. Platz 17 ist alles andere als optimal – und jetzt kommt das Aber: Zwei Monate Pause sind eine lange Zeit, und genau wie nach der Sommerpause weiß keiner so recht, wo er steht. Möglich, dass Werder wie Phönix aus der Asche plötzlich von Erfolg zu Erfolg eilt. Der Neustart ist – trotz aller Querelen drumherum – zumindest eine Chance für die Bremer, dem Abstieg doch noch zu entrinnen. Zumal sie auch noch das Nachholspiel gegen Frankfurt haben. Sollte nach dieser in allen Belangen missglückten Saison tatsächlich der Klassenerhalt des SV Werder Bremen stehen, bliebe folgender Schluss: Welch Ironie des Schicksals!

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