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Der DeichBlick-Kolumnistenkreis von links nach rechts: Nils Petersen, Klaus Allofs, Rolf Fuhrmann, Sebastian Prödl und Thomas Schaaf schreiben für die DeichStube über den SV Werder Bremen.

DeichBlick-Kolumne mit Klaus Allofs

„Nur mit Harmonie holst du nicht alles aus den Spielern heraus“

Von Klaus Allofs. Wenn ich mir Werder Bremen so anschaue, dann denke ich erst mal wie viele Beobachter: Die Mannschaft ist eigentlich viel zu gut, um tatsächlich in den Abstiegskampf zu geraten. Doch auf der sicheren Seite ist Werder ganz gewiss nicht. Es geht so schnell, dass man in diese Spirale gerät.

Wenn die Ergebnisse nicht stimmen, verlieren die Spieler irgendwann den Glauben und dann endgültig ihre Form. Und plötzlich ist ein Qualitätsproblem da. Der Vorteil bei Werder Bremen: Dort wird Ruhe bewahrt und nicht gegeneinander geschossen. Das ist wichtig und richtig. 

Allerdings kann auch ein gewisses Reizklima nicht schaden. Nur mit Harmonie holst du nicht alles aus den Spielern heraus. Es gibt da verschiedene Möglichkeiten, die Spieler mal zu provozieren. Das sollte möglichst immer erst intern passieren. Das ist für alle Beteiligten angenehmer. Aber es kann irgendwann auch hilfreich sein, öffentlich die Alarmglocken läuten zu lassen. Es gibt dafür gewiss kein Handbuch für Trainer und Sportchefs. Aber man sollte schon die verschiedenen Möglichkeiten kennen. 

Werder Bremen: In der Ergebniskrise müssen alle Tricks ausgepackt werden - aber: Wiederholung verboten

Ich habe mich in solchen Fällen immer gut mit meinen Trainern abgesprochen. Ich denke da speziell an Thomas Schaaf und Dieter Hecking. Ein bisschen war die Rollenverteilung dann auch mal „good cop“ und „bad cop“. Manchmal hat es aber allein schon geholfen, wenn die Spieler einen anderen Impuls bekommen, eine andere Stimme in einer besonderen Tonlage gehört haben. Nur eines muss dir als Verantwortlicher bewusst sein: Jeden Trick kannst du eigentlich nur einmal anwenden. Haust du auf den Tisch, dann wirkt diese Maßnahme beim zweiten Mal schon nicht mehr so stark.

Zurück zu Werder Bremen: Ich traue Frank Baumann und Florian Kohfeldt absolut zu, das wieder hinzubekommen. Ich hatte eigentlich gedacht, dass ihre Herausforderung für diese Saison eine andere ist, also Werder oben zu etablieren. Jetzt müssen sie Werder stabilisieren. Es geht um Ergebnisfußball. Dafür muss man nicht gleich alle Prinzipien über Bord werfen und den eingeschlagenen Weg verlassen, aber man muss sich anpassen. Ganz wichtig ist, hinten gut zu stehen und die Zahl der Gegentore zu minimieren. Das bringt wieder Sicherheit. Mir war das als Stürmer immer lieber, auch wenn ich vorne darunter gelitten habe. Aber es ist notwendig, um wieder voranzukommen.

Werder Bremen: Gegen Wolfsburg und Wout Weghorst müssen die Bremer besser verteidigen als zuletzt

Natürlich muss auch das Personal überprüft werden. Nehmen wir den Torwart. Jiri Pavlenka war in der vergangenen Saison eine Bank. Die Frage ist, warum es nun bei ihm nicht so läuft: Liegt es nur an ihm oder vielleicht auch an der Abwehr? Die Nummer zwei und drei haben es immer verdient, dass über sie nachgedacht wird. Aber ein Torwartwechsel in der Saison ist sehr riskant. Funktioniert der Ersatzmann nicht, habe ich zwei verunsicherte Torhüter und noch größere Probleme.

Ich finde es gut, dass Florian Kohfeldt gesagt hat, bis Weihnachten mindestens noch neun Punkte holen zu wollen. Das ist schwierig, aber möglich. Das gilt auch schon für die Partie am Sonntag in Wolfsburg. Mein Ex-Club hat einen tollen Start hingelegt, dann kurz geschwächelt und sich nun wieder durch den überraschenden 2:0-Sieg in Frankfurt gefangen. Wout Weghorst ist ein Stürmer, der immer treffen kann. Da muss Werder aufpassen und besser verteidigen als zuletzt. Gelingt das, ist die Wende auch gegen so einen starken Gegner nicht ausgeschlossen.

Klaus Allofs

Zur Person: Erst Profi, dann Manager – Klaus Allofs (62) hat im Fußball fast alles erlebt. Bei Werder war er auf beiden Seiten tätig, beim VfL Wolfsburg arbeitete er bis 2016 als Manager.

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Der SV Werder Bremen hofft in der Krise auf die Wende gegen den VfL Wolfsburg, Florian Kohfeldts Personalwechsel-Drohung verpufft aber. Sebastian Langkamp darf wohl bleiben – Nuri Sahin auch? Hier gibt‘s die voraussichtliche Aufstellung von Werder Bremen gegen den VfL Wolfsburg am Sonntag. Trainer-Legende Thomas Schaaf schreibt in seiner DeichBlick-Kolumne: „Man spürt Philipp Bargfrede regelrecht auf dem Platz“.

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