Der DeichBlick-Kolumnistenkreis von links nach rechts: Nils Petersen, Klaus Allofs, Rolf Fuhrmann, Sebastian Prödl und Thomas Schaaf schreiben für die DeichStube über den SV Werder Bremen.

DeichBlick-Kolumne mit Klaus Allofs 

Klaus Allofs über den Bentaleb-Poker: „Jeder will der Cleverste sein“

Von Klaus Allofs. Dieses Ringen um Nabil Bentaleb erinnert mich doch sehr an eine Geschichte mit Kevin De Bruyne. Als wir ihn 2012 zu Werder Bremen holen wollten, zögerte der FC Chelsea. Sie hätten Kevin eigentlich gerne behalten, wussten aber, dass er wegen nicht eingehaltener Versprechen sehr unzufrieden war. Also ließen sie ihn ziehen. Aber wohin sollte er gehen dürfen?

Einerseits wollte der FC Chelsea Kevin de Bruyne gerne innerhalb der Premier League ausleihen, damit er sich dort durchsetzt, andererseits wollten sie auch nicht mitansehen müssen, wie er quasi vor der Haustür besser funktioniert als bei ihnen. Das könnte nun auch das Problem des FC Schalke 04 sein, warum der Transfer von Nabil Bentaleb etwas hakt. Sie haben viel Geld in diesen Spieler investiert. Geben sie ihn nun zu günstig ab und er schlägt dann bei Werder Bremen voll ein, wirft das kein gutes Licht auf den Club. Solche Dinge sind bei Transfers nicht unwichtig, alle Beteiligten müssen ihr Gesicht wahren.

Dass Schalke 04 plötzlich den Eindruck vermittelt, Nabil Bentaleb vielleicht doch behalten zu wollen, gehört zum Pokerspiel dazu. Unsere Berufsgruppe lebt doch täglich damit, dass jeder der Cleverste sein will. Am Ende geht es nur noch darum, eine Lösung zu finden. Der Zeitdruck mit dem nahenden Transferschluss ist da oft hilfreich.

Nabil Bentaleb-Wechsel ist für Werder Bremen ein Spiel mit dem Feuer

Für Werder Bremen ist dieser Transfer schon so etwas wie ein Spiel mit dem Feuer. Natürlich hat Nabil Bentaleb eine sehr hohe Qualität, aber es gibt da eben auch diese negativen Geschichten. Werder will in dieser Saison vor allem über die mannschaftliche Geschlossenheit zum Erfolg kommen. Aber schon ein Spieler kann dir den Laden ganz schön durcheinander bringen. Außerdem müsste Bentaleb noch leistungsmäßig zulegen, um für Werder dauerhaft die ganz große Verstärkung zu sein, die sich alle erhoffen, die er aber auch wirklich sein kann. Deswegen ist es nachvollziehbar, dass Werder Bremen ein Leihgeschäft mit Kaufoption anstrebt.

Ohne ein gewisses Risiko geht es fast nie: Wenn wir seinerzeit bei Werder immer alles bedacht hätten, was bei einem Transfer hätte schief gehen können, wäre so manche tolle Geschichte nicht entstanden. Ich sage nur Diego. Den hatte der Präsident vom FC Porto 2006 auf die Tribüne verbannt und wollte ihn dort die ganze Saison schmoren lassen. Er war schließlich von Diegos Vater beschimpft worden. Diego und sein Vater haben das immer ganz geschickt gemacht. Diego war der Gute, der Papa der Böse. In Porto hat das nicht ganz so gut geklappt. Aber wir konnten das regeln. Genauso wie bei Johan Micoud und Parma. Micoud ist damals in Italien auch kein Heiliger gewesen. In Bremen hatten wir dann viel Spaß mit den beiden.

SV Werder Bremen: Schulterschluss von Florian Kohfeldt mit den Fans ist früh, aber richtig

Aktuell ist Werder Bremen der Spaß ja leider etwas verloren gegangen. Jetzt aber schon von einer Krise zu sprechen, wäre falsch. Zwei Niederlagen zum Start sind eine missliche Situation, die durch die vielen Verletzten nicht angenehmer wird. Dass Florian Kohfeldt schon jetzt den Schulterschluss mit den Fans probt, ist zwar sehr früh in der Saison, aber richtig: Der kurzfristige Erfolg ist extrem wichtig für die langfristige Entwicklung – und die wäre mit weiteren Niederlagen irgendwann gefährdet. Deshalb müssen alle Kräfte mobilisiert werden. Gerade jetzt, wo so viel gegen Werder läuft.

Der FC Augsburg ist dabei ein schlagbarer Gegner, umso schlimmer wäre allerdings auch eine Niederlage. Aber ich bin Optimist: Wer Widerstände überwindet und Probleme löst, der kann daraus gestärkt hervorgehen. Darauf hoffe ich für Werder.

Klaus Allofs

Zur Person: Erst Profi, dann Manager – Klaus Allofs (62) hat im Fußball fast alles erlebt. Bei Werder war er auf beiden Seiten tätig, beim VfL Wolfsburg arbeitete er bis 2016 als Manager.

Mehr News zum SV Werder Bremen

Derweil bahnt sich ein Wechsel bei den Grün Weißen an: Der Transfer von Michael Lang zu Werder Bremen ist fast perfekt. „Der Kopf braucht länger als der Körper“ - Sebastian Prödl schreibt in seiner Deichblick-Kolumne über Werder Bremen, die Verletztenmisere und den Wechsel von Martin Harnik.

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