Die DeichBlick-Kolumnisten (v. l. n. r.): Torsten Frings, Nils Petersen, Rollo Fuhrmann, Sebastian Prödl, Jurica Vranjes und Felix Kroos schreiben über den SV Werder Bremen.
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Die DeichBlick-Kolumnisten (v. l. n. r.): Torsten Frings, Nils Petersen, Rollo Fuhrmann, Sebastian Prödl, Jurica Vranjes und Felix Kroos schreiben über den SV Werder Bremen.

Die DeichBlick-Kolumne von Ex-Werderaner Petersen

Nils Petersen über Werder in Sandhausen: „Dann tritt dir einer auf den Fuß, lässt noch einen Spruch da und du merkst: Das ist hier echt unangenehm“

Von Nils Petersen. Beim SV Werder Bremen ist schon früh in der Saison Druck auf dem Kessel. Dass ausgerechnet das Spiel gegen den SV Sandhausen bereits eine wegweisende Bedeutung hat, passt zur Bremer Achterbahnfahrt in der 2. Bundesliga.

„Ausgerechnet“ Sandhausen! Seht es mir bitte nach, dass ich die Fußball-Redewendung schlechthin für Werders wegweisendes Auswärtsduell bemühe. Aber der SV Sandhausen gilt gemeinhin als das Sinnbild der 2. Bundesliga: Nicht pompös, unauffällig, mitunter trist – und unangenehm. Ein Bild, das zweifelsohne auch ein bisschen unfair, fast frech gegenüber dem SVS ist, denn die Sandhäuser haben sich über Jahre in der 2. Liga etabliert. Das verdient Respekt. Werder Bremen ist dagegen neu im Unterhaus und das merkt man auch: Die Erwartungshaltung im Werder-Umfeld passt nicht zum Auf und Ab der Bremer. Und auch wenn die Verantwortlichen der Grün-Weißen stets kommuniziert haben, dass es um einen Wiederaufbau geht – wer will den Fans eine Ungeduld verdenken, wenn ihre Mannschaft nach zehn Spieltagen auf Platz zehn steht? Und wie geht es erst weiter, sollte Werder in Sandhausen nicht punkten können? Werder gehört in die 1. Liga, aber ein Wiederaufstieg ist eben alles andere als ein Selbstläufer.

Nils Petersen: Schwierig einem Fan von Werder Bremen zu erklären, dass die 2. Liga jetzt sein neues zu Hause ist

Als ich 2015 mit dem SC Freiburg abgestiegen bin, ging es für uns in der folgenden Saison direkt wieder hoch. Wir sind gemeinsam mit Leipzig und Nürnberg vorneweg marschiert, haben dabei vermutlich aber auch viel weniger Druck verspürt als Werder Bremen in dieser Saison. Warum? Weil es für den SC Freiburg und die Fans unabhängig von der Lust auf Liga eins wohl auch okay gewesen wäre, wenn es nicht direkt mit dem Wiederaufstieg geklappt hätte. Einem Werder-Fan nach 40 Jahren Erstliga-Zugehörigkeit zu vermitteln, dass die 2. Liga jetzt sein neues Zuhause ist, stelle ich mir hingegen schwierig vor. Und in der Mannschaft hast Du ein paar Jungs dabei, die den Abstieg nicht einfach so abschütteln konnten. Ich weiß noch, wie ich weinend in der Kabine saß, ich mir selber Versagen vorwarf. Wären wir nicht in der folgenden Saison auf Anhieb in einen Lauf gekommen – auch mir hätte eine mentale Verkrampfung gedroht. Und wie soll sich eine solche Verkrampfung bei Werder lösen, wenn es derart auf und ab geht? Die Bremer brauchen nach der bisherigen Achterbahnfahrt eine längere Entspannungsphase, um sich selbst zu beweisen: Wir können das, jetzt flutscht es!

Freiburg-Stürmer Nils Petersen: Werder Bremen hat die Qualität oben mitzuspielen

Denn die Qualität, um oben mitzuspielen, hat Werder aus meiner Sicht. Aber die Bremer gehen in fast jedes Spiel als Favorit. Clubs wie Sandhausen brennen nur darauf, Werder zu zeigen, was in der 2. Liga Sache ist. Dann tritt dir einer auf den Fuß, lässt noch einen Spruch da und du merkst: Das ist hier echt unangenehm. Wenn du dann zwei, drei Chancen wie zuletzt Niclas Füllkrug liegen lässt, kommst du schnell in eine Negativspirale, die sich in der 2. Liga noch schlechter anfühlt als im Oberhaus. Du denkst vielleicht: Reicht es nicht mal für die 2. Liga?!

Ich habe natürlich mitbekommen, dass Lücke von Werder Bremen freigestellt worden ist. Ich kann und will die Situation aus der Ferne nicht beurteilen, aber dass sich in ihm Frust aufgestaut haben dürfte, ist bestimmt für viele nachvollziehbar. Ich wünsche Niclas Füllkrug und Werder Bremen, dass er diesen Frust schon bald in Positives umwandelt. Ich bin ein Fan seines Spielstils, er ist eine echte Neun und hat definitiv das Zeug dazu, einer der Top-Stürmer der 2. Liga zu sein – und vielleicht löst sich die Verkrampfung ja auch schon in Sandhausen.

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