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Die DeichBlick-Kolumnisten von links nach rechts: Thomas Schaaf, Nils Petersen, Klaus Allofs, Rolf Fuhrmann und Sebastian Prödl schreiben über den SV Werder Bremen.

Ex-Bremer schreibt in seiner DeichBlick-Kolumne über Werder

Nils Petersen: „Keine Rücksicht auf Werder“

Von Nils Petersen. Und dann ging es los: Mein erstes Geisterspiel in der Corona-Krise. Merkwürdig hat es sich zunächst angefühlt, ungewohnt und irgendwie unwirklich – aber nach wenigen Minuten war ich im Tunnel und auf den Fußball fokussiert. Corona spielte in meinem Kopf fast keine Rolle. Bis zur 34. Minute – 1:0 für uns bei RB Leipzig! Jubeln, Emotionen – achja, da war ja was.

Es gibt Momente im Spiel, in denen wir Profi-Fußballer das Coronavirus dann eben doch nicht ganz ausblenden können. Wir beim SC Freiburg sind uns der Verantwortung bewusst und wollen uns penibel an die Vorgaben des Gesundheits-Konzepts halten, sodass die Abläufe schon vor dem Match andere sind: Das fängt bei der Anfahrt zum Stadion an und endet mit einer Ansprache des Trainers, der wir zwei Meter auseinander sitzend mit Mundschutz lauschen, während es in der Kabine – und eigentlich auch sonst überall – nach Desinfektions-Spray riecht.

Während des Spiels fehlen die Fans – ganz klar. Wobei ich ehrlich sagen muss, dass ich mich in Leipzig relativ schnell daran gewöhnt hatte. Anders war es aber allemal: Die Kommandos des Trainers waren deutlich besser zu verstehen. Vielleicht spielt man unbewusst auch eher mal einen Rückpass, weil die Fans einen nicht nach vorne schreien können. Auf der anderen Seite traut sich der eine oder andere Spieler vielleicht mehr zu, geht mutiger ins Eins-gegen-eins. Denn das direkte Feedback der Fans bleibt aus. Normalerweise merkst du nämlich sehr schnell, ob eine Aktion unglücklich aussah. Dieses Raunen auf den Tribünen bekommst du auf dem Platz mit.

Nils Petersen kann mit dem SC Freiburg „keine Rücksicht auf Werder Bremen nehmen“

Und dann ist da die Sache mit dem Jubeln. Da können die Emotionen schon mal mit einem durchgehen. Sich in der Euphorie des Moments an die neuen Vorschriften zu halten, ist nicht einfach. Bei uns hatte sich jeder im Griff und ich glaube, auch bei anderen Vereinen fällt sich keiner vorsätzlich rücksichtslos in die Arme. Aber bis die neuen Regeln in den Köpfen der Spieler Automatismen sind, braucht es womöglich noch etwas Zeit. Ich bin jetzt gespannt, wie sich unser erstes Heim-Geisterspiel gegen Werder Bremen anfühlt. Tore ohne unsere Fans zu feiern, ist sicher nicht dasselbe.

Und wie tritt Werder Bremen bei uns in Freiburg auf? Der Heimvorteil ist bei Geisterspielen weniger wert, angeschlagene Boxer sind immer gefährlich und ich möchte nicht, dass wir für die Bremer zum Aufbaugegner werden. Sorry, liebe Werder-Fans: Die Begegnungen mit meinen Ex-Club sind immer noch etwas Besonderes für mich, und beim Spiel gegen Leverkusen habe ich mit meinen Werder-Freunden Clemens Fritz, Theo Gebre Selassie und Co. gelitten. Aber am Samstag kann ich keine Rücksicht auf Werder nehmen. Nach der Partie schlägt mein Herz aber wieder zur Hälfte Grün-Weiß – und ich habe Werder im Abstiegskampf noch lange nicht abgehakt.

Nils Petersen

Zur Person: Der 31-jährige Stürmer kam 2012 vom FC Bayern München zum SV Werder Bremen. Für die Grün-Weißen erzielte er in 72 Pflichtspielen 18 Tore und bereitete neun weitere vor, ehe er im Januar 2015 zum Bundesliga-Konkurrenten SC Freiburg transferiert wurde. Im Breisgau ist Petersen – wie auch schon im Bremen – Publikumsliebling. Seine Bilanz: 93 Pflichtspiele, 49 Treffer, 12 Assists. Bemerkenswert: Mit 20 Toren als Einwechselspieler ist Petersen der erfolgreichste Joker der Bundesliga-Geschichte.

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