Die DeichBlick-Kolumnisten von links nach rechts: Sebastian Prödl, Thomas Schaaf, Nils Petersen, Andreas Herzog und Rolf Fuhrmann.

DeichBlick-Kolumne: Thomas Schaaf schreibt für die DeichStube

„Bitte Florian nicht mit Otto oder mir vergleichen“

Von Thomas Schaaf. Glückwunsch, Werder, Glückwunsch, Florian Kohfeldt zur Vertragsverlängerung. Es war in den vergangenen Monaten deutlich zu sehen, wie gut das miteinander passt.

Und ich kann sehr gut verstehen, dass nun die Hoffnung da ist, endlich Kontinuität auf der Position des Trainers zu bekommen. Gerade Bremen sehnt sich ja danach, weil der Club von langen erfolgreichen Phasen mit einem Trainer geprägt wurde. Dazwischen gab es viele Wechsel, das will natürlich niemand.

Aber man sollte Florian Kohfeldt und die Situation nun bitte nicht mit Otto Rehhagel oder mir vergleichen. Das waren andere Zeiten. Heute ist alles schnelllebiger geworden. Wenn ein Trainer drei, vier, fünf Jahre bei einem Club ist, dann ist das schon bemerkenswert. Es fehlt oft die Geduld – und zwar auf beiden Seiten. Clubs werden bei schlechten Ergebnissen nervös, Trainer rücken bei guten Ergebnissen in den Fokus.

Für Florian Kohfeldt freue ich mich natürlich. Er hat das wirklich sehr gut gemacht, seine Ideen umgesetzt und die nötigen Ergebnisse geliefert. Florian hat sich dabei auch nicht verbiegen lassen. Das gefällt mir. Und er weiß, dass er sich in Bremen nachhaltig beweisen und auch reifen kann. Ihm nun dieses langfristige Vertrauen zu schenken, macht absolut Sinn. Ich hoffe, dass dieses Vertrauen auch bleibt, wenn es mal nicht so gut läuft. Beim Verein mache ich mir da weniger Sorgen. Werder Bremen steht dafür, sich eigentlich nicht von Launen und Stimmungen leiten zu lassen. Aber die Öffentlichkeit denkt da oft emotionaler und deshalb auch extremer.

Florian Kohfeldt hat seinen Weg bei Werder gerade erst begonnen, er hat noch eine Menge vor sich. Aktuell schaut es für Werder richtig gut aus. Aber ich kann nur davor warnen, den Abstiegskampf schon als beendet zu erklären. Das wäre falsch. Du musst die Spannung hochhalten und nicht auf den Puffer nach unten vertrauen. Da geht es mir weniger um die Sorge, dass Werder doch noch in Gefahr gerät, sondern mehr um die Zukunft. Wir brauchen diese Siegermentalität, dieses Streben nach dem bestmöglichen Erfolg. Da darfst du nie nachlassen.

Hannover gegen Werder - „das wird ein heißes Spiel“

Jeder Platz, den man in der Tabelle nach oben kommt, bringt mehr Selbstvertrauen und natürlich auch mehr TV-Einnahmen, verbessert die wirtschaftliche Situation. Das ist wichtig. Natürlich werden jetzt alle Beteiligten von den Medien gelockt, von Europa zu träumen. Und wenn man es dann sagt, wird es einem irgendwann um die Ohren gehauen, wenn es nicht geklappt hat. Aber das gehört dazu. Den Umgang damit muss jeder für sich entscheiden. Ich würde einfach mal die nächsten drei Spiele abwarten – also in Hannover, gegen Leipzig und in Stuttgart. Dann können wir auf die Tabelle schauen und gucken, was noch möglich ist.

Bei meinem anderen Ex-Club Hannover sieht es leider gerade nicht so gut aus. Dabei hat 96 eine wirklich gute Saison gespielt. Ich weiß auch nicht, wie sehr da momentan die Unruhe im Umfeld des Vereins eine Rolle spielt. Gerade jetzt braucht die Mannschaft die volle Unterstützung. Das wird schon ein heißes Heimspiel am Freitag gegen Werder. Hannover muss aufpassen, nicht noch mehr in den Strudel zu geraten. Aber ich denke: Beide Clubs bleiben in der Bundesliga – und das würde mich freuen.

Thomas Schaaf

Zur Person: Erst Spieler, dann Trainer – mehr Werder geht eigentlich nicht. Und dabei war Thomas Schaaf extrem erfolgreich. Als Spieler (1978 bis 1995) holte er zwei Meisterschaften, zweimal den DFB-Pokal und den Europapokal der Pokalsieger, als Trainer (1999 bis 2013) das Double und dreimal den Pokal. Aktuell arbeitet der 56-Jährige als technischer Beobachter für die Uefa.

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