Die DeichBlick-Kolumnisten von links nach rechts: Rolf Fuhrmann, Sebastian Prödl, Thomas Schaaf, Nils Petersen und Klaus Allofs schreiben für die DeichStube über Werder Bremen.

DeichBlick-Kolumne: Sebastian Prödl schreibt für die DeichStube

„Kohfeldt hat wieder an Glaubwürdigkeit gewonnen“

Von Sebastian Prödl - Am Dienstag habe ich nach dem Punkt gegen Gladbach noch geglaubt, dass Werder Bremen näher an Düsseldorf heranrücken könnte – am Mittwoch war die Hoffnung leider schon wieder vorbei. Im Gegenteil: Die Lage hat sich durch den Erfolg der Düsseldorfer gegen Schalke noch zugespitzt, der Abstand ist sogar größer geworden.

Dabei hat Werder Bremen in den beiden Spielen nach dem Desaster gegen Leverkusen Mut bewiesen, der Glaube an ein Wunder war zu spüren. Die Qualität des Kaders und des Trainerteams ist ersichtlich. Irgendwie habe ich den Eindruck, dass die Spieler erst jetzt richtig den Abstiegskampf angenommen haben und Gas geben. Der Start nach der Coronapause ist Bremen eigentlich dann doch ganz ordentlich gelungen und die vier Punkte zuletzt fühlen sich richtig gut an. Aber man muss eben auch damit rechnen, dass die Konkurrenz punktet – und so bleibt Werder in einer sehr prekären Lage.

Wenn ich vorhin von einem Wunder geschrieben habe, dann meine ich das auch so. Man muss so ehrlich sein: Der direkte Klassenerhalt ist nur dann möglich, wenn einer der Konkurrenten kapituliert. Mainz weiß, wie Abstiegskampf geht, aber vielleicht zeigt Union Berlin Nerven, weil ihnen die Erfahrung in der Bundesliga fehlt. 

Abstiegskampf: Werder Bremen muss in sieben Spielen sechs Punkte auf Mainz 05 aufholen

Werder Bremen muss in sieben Spielen sechs Punkte auf die Mainzer aufholen – in Wahrheit sind es nur sechs Matches, weil in drei Wochen der FC Bayern ins Weserstadion kommt. Ich kann mich noch gut an den letzten Punkt gegen die Münchner erinnern: am 11. September 2010 haben wir in der Allianz Arena ein torloses Remis geschafft, seither gab es 18 Pleiten en suite!

Zurück in die Gegenwart: Trainer Florian Kohfeldt hat durch die vier Punkte sicher an Glaubwürdigkeit in der Öffentlichkeit gewonnen. Der Zeitpunkt für Diskussionen um die Personalie Kohfeldt war falsch und unnötig. Ich traue mich zu behaupten, dass der Trainer sogar im Abstiegsfall bei Werder bleibt und man gemeinsam – so wie die Freiburger mit Christian Streich – den Wiederaufstieg anpeilen würde.

Werder Bremen zu Gast bei Schalke 04: „Eine Must-Win-Situation für beide Vereine“

Aber jetzt muss Werder Bremen am Samstag nach Gelsenkirchen, wo sich Schalke 04 im freien Fall befindet. Auf Schalke ticken die Uhren anders, dort ist die Trainerdiskussion in vollem Gange. Man kann es drehen und wenden, wie man will: Es ist eine Must-Win-Situation für beide Vereine. Dass die Schalker schwer verunsichert sind, kann Werder Bremen helfen, aber es kann auch ein Befreiungsschlag der Gastgeber drohen.

In Sachen Geisterspiele hat sich meine Meinung übrigens bestätigt: Fußball ohne Fans hat leider sehr wenig Charme. Der Heimvorteil ist wie weggeblasen, die Auswärtssiege sind eklatant gestiegen. Gerade Werder mit seinen emotionalen Fans hat dadurch einen echten Wettbewerbsnachteil und ich bin überzeugt, dass mit Publikum gegen Gladbach drei Punkte in Bremen geblieben wären. Und ich will mir gar nicht vorstellen, was im Norden von Deutschland los wäre, wenn Werder in der Relegation auf den HSV trifft – und kein einziger Fan ins Stadion darf.

Sebastian Prödl

Zur Person: Sebastian Prödl hat von 2008 bis 2015 insgesamt 149 Bundesligaspiele für Werder bestritten und dabei zehn Tore erzielt. 2009 gewann der Abwehrspieler mit Werder den DFB-Pokal. 2015 wechselte der 32-jährige Österreicher zum FC Watford in die englische Premier League, 2020 ging er nach Italien zu Udinese Calcio. Prödl ist Nationalspieler – und immer mal wieder zu Besuch in Bremen.

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