Die DeichBlick-Kolumnisten von links nach rechts: Rolf Fuhrmann, Sebastian Prödl, Thomas Schaaf, Nils Petersen und Klaus Allofs.

DeichBlick-Kolumne: Sebastian Prödl schreibt für die DeichStube

„Die Angst vor dem Verlieren ist endgültig weg“

Von Sebastian Prödl. Um die herausragende Steigerung von Werder richtig einzuordnen, muss man nur exakt ein Jahr zurückschauen.

Damals lag Bremen mit 14 Punkten auf einem Abstiegsplatz, sogar der Hamburger SV hatte einen Punkt mehr auf dem Konto. Heute steht Werder wieder für Spektakel und Entertainment auf dem Platz und mit 22 Punkten ganz anders da als in der vergangenen Saison.

Die zweite Halbzeit gegen Hoffenheim war typisch für die gesamte Hinrunde: Ich habe in jeder Sekunde gespürt, dass die Mannschaft Lust auf Angriff hat und unbedingt die letzten Jahre vergessen machen will. Natürlich ist man durch die offensive Einstellung noch fehleranfällig, aber die Angst vor dem Verlieren ist endgültig Vergangenheit. Die Spieler sind viel selbstbewusster, wissen, dass sie Fehler machen dürfen und gehen dadurch auch mehr Risiko ein.

Viel Freude an Spielen von Werder

Es war für mich ein durch und durch positiver Herbst – und die internationalen Plätze sind in realistischer Sichtweite. Die Mannschaft und der ganze Trainerstab haben einen tollen Job gemacht. Trainer Florian Kohfeldt rotiert im Angriff viel und schürt damit den Konkurrenzkampf. Kein Spieler darf nachlassen, sonst landet er auf der Bank. Das alles ergibt ein rundes Bild, mit dem ich viel Freude habe, wenn ich mir die Spiele von Werder anschaue. Und man darf sich im Frühling auf noch mehr freuen, wenn man bedenkt, dass Werder in der Rückrunde fast schon traditionell noch stärker ist.

Vor der kurzen Weihnachtspause geht es für Werder aber noch nach Leipzig. Ein schweres Auswärtsspiel, aber keines, vor dem man Angst haben muss. Die Spieler werden mit der festen Überzeugung nach Leipzig reisen, dass auch dort etwas für sie zu holen ist. RB hat zwar in München seine große Qualität bewiesen und ist dort kurz vor einem Punktgewinn gestanden, aber Werder kann eine kleine Überraschung schaffen. Wichtig ist, dass man noch einmal die Sinne schärft und die Müdigkeit überwindet, die ich im Spiel gegen Hoffenheim schon bei einigen gespürt habe. Das ist nach einer langen Hinrunde nur normal, der kurze Weihnachtsurlaub wird gut tun.

Der Spielplan der Premier League nimmt auf Weihnachten bekanntlich keine Rücksicht – am 22. Dezember und am 26. stehen die Stadtderbys gegen West Ham und Chelsea auf dem Programm. Trotzdem versuche ich, so gut wie möglich abzuschalten und den Geist etwas zu entspannen. Das ist eine reine Kopfsache und funktioniert auch, wenn der Körper schon müde ist.

Boxing Day ein magischer Tag für Fußballfans

Fußball ist gerade an den Feiertagen ein ganz großes Thema in England. Der Boxing Day hat Tradition und ist ein magischer Tag für alle Fußballfans auf der Insel. Tickets für die Spiele am Boxing Day sind oft die schönsten Weihnachtsgeschenke. Alle freuen sich darauf und die ganze Fußballwelt blickt auf die Premier League, die Spiele werden überall live übertragen.

Meine Familie ist zu Besuch bei mir in London, und wir werden ganz gemütlich im kleinen Kreise gemeinsam feiern. Dabei versuchen wir die österreichische Weihnachtstradition mit der englischen zu verbinden. Und am Abend des 25. geht es dann mit Watford ins Hotel zur Vorbereitung auf Chelsea.

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Sebastian Prödl

Zur Person: Sebastian Prödl hat von 2008 bis 2015 insgesamt 149 Bundesligaspiele für Werder bestritten und dabei zehn Tore erzielt. 2009 gewann der Abwehrspieler mit Werder den DFB-Pokal. Seit 2015 verteidigt der 31-jährige Österreicher für den FC Watford in der englischen Premier League. Prödl ist natürlich Nationalspieler – und immer mal wieder zu Besuch in Bremen.

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