Die DeichBlick-Kolumnisten von links nach rechts: Rolf Fuhrmann, Sebastian Prödl, Thomas Schaaf, Nils Petersen und Klaus Allofs.

DeichBlick-Kolumne: Sebastian Prödl schreibt für die DeichStube

„Bayern ist derzeit eine Wundertüte“

Von Sebastian Prödl. Es ist also wieder mal soweit – die Bayern kommen nach Bremen. Als ich kürzlich gefragt worden bin, was denn am 20. September 2008 passiert ist, wusste ich nicht sofort eine Antwort. Dann ist es mir gedämmert: Das war der Tag, an dem wir damals in München mit 5:2 gewonnen haben, bis heute der letzte Sieg gegen den Rekordmeister.

Ganz schlimm liest sich ein anderes Detail aus der Statistik: Werder hat die letzten 15 Spiele gegen den FC Bayern allesamt verloren. Aber genug der Grausamkeiten. Fakt ist, dass die Bayern derzeit trotz des überzeugenden 5:1 gegen Benfica schwer einzuschätzen sind. Sie sind wie eine Wundertüte, es kann jederzeit in die eine oder andere Richtung gehen. 

Irgendwie habe ich den Eindruck, dass sie in der Champions League mehr Selbstvertrauen haben, als in der Bundesliga. Letzte Woche habe ich sie gegen Düsseldorf gesehen. Ich hatte zuvor eingefädelt, dass Dodi Lukebakio, unser Leihspieler vom Watford FC, drei Tore in der Allianz Arena schießt. 

Bayern räumt nicht mehr alles gnadenlos weg

Nein, im Ernst: Die Bayern haben schwer verunsichert gewirkt und am Dienstag gegen Benfica ein ganz anderes Gesicht gezeigt. Ich konnte nichts mehr von den ganzen Problemen in der Mannschaft und im Umfeld bemerken. Also Vorsicht! Die Bayern sind immer noch die Bayern. Aber sie lassen sich derzeit von Kleinigkeiten aus der Ruhe und aus dem Konzept bringen. 

Das sind nicht mehr die Bayern, die gnadenlos alles wegräumen. Daher hat Werder eine realistische Chance, ihnen ein Haxerl zu stellen, wie wir in Österreich sagen. Bayern ist immer noch sehr auf Robben und Ribery angewiesen, auch viele Experten die beiden schon in Pension schicken wollten. Was sie können, hat man gegen Benfica gesehen. Und Lewandowski trifft derzeit anscheinend nur noch in der Champions League. Irgendetwas ist in München falsch gelaufen, dennoch muss Werder mit viel Demut an diese Herausforderung herangehen. 

Das gallische Dorf kann es nach Europa schaffen

Den Vergleich von Frank Baumann mit Bremen als dem gallischem Dorf, dass sich gegen die römischen Truppen wehren muss, finde ich witzig. Aber es war schon immer so, dass Werder besonders im Weserstadion schwer einzunehmen war. Auch ohne Zaubertrank, wie ihn Asterix immer geschluckt hat. Der Meister wird genauso wie Werder mit Respekt in dieses Spiel gehen. 

Den kleinen Negativlauf von Werder mit nur einem Punkt aus vier Partien würde ich nicht zu hoch hängen. Im Laufe der Meisterschaft gerät fast jede Mannschaft einmal in eine solche Spirale. Und bei einem Erfolg gegen die Bayern würde sowieso niemand mehr davon reden. Das Ziel Europa, das vor der Saison von Werder ausgerufen wurde, halte ich nach wie vor für realistisch. Auch wenn es kleine Rückschläge gibt, muss die Mannschaft positiv bleiben und daran glauben.

Sebastian Prödl.

Zur Person: Sebastian Prödl hat von 2008 bis 2015 insgesamt 149 Bundesligaspiele für Werder bestritten und dabei zehn Tore erzielt. 2009 gewann der Abwehrspieler mit Werder den DFB-Pokal. Seit 2015 verteidigt der 31-jährige Österreicher für den FC Watford in der englischen Premier League – und wurde von den Fans seines Londoner Clubs zum besten Spieler der Saison 2016/17 gewählt. Prödl ist natürlich Nationalspieler – und immer mal wieder zu Besuch in Bremen.

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