Die DeichBlick-Kolumnisten von links nach rechts: Rolf Fuhrmann, Sebastian Prödl, Thomas Schaaf, Nils Petersen und Klaus Allofs.

DeichBlick-Kolumne: Sebastian Prödl schreibt für die DeichStube

„Papa Pizarro ist wie ein guter Whiskey!“

Von Sebastian Prödl. Vor dem Ankick des Testspiels Österreich gegen Schweden gab es in der Generali-Arena in Wien eine auch für mich persönlich sehr emotionale Ehrung: Zlatko Junuzovic und Martin Harnik wurden vor den Fans der österreichischen Nationalmannschaft offiziell verabschiedet und für ihre Verdienste ausgezeichnet.

Sie hatten beide großen Anteil an den Erfolgen unserer Nationalmannschaft in den letzten Jahren und es schmerzt schon ein wenig, dass ich mit ihnen nicht mehr Seite an Seite einlaufen werde. Aber es tut auch gut, dass verdienten Nationalspielern Respekt gezollt wird – und wir müssen ihre Entscheidung akzeptieren. Die Freude bei Zladdi und Martin war jedenfalls sehr groß und sie haben über beide Ohren gestrahlt, als sie von den rot-weiß-roten Fans gefeiert wurden.

Jetzt aber ganz zu Werder: Die Kaderplaner meines ehemaligen Vereins haben im Sommer exzellente Arbeit geleistet. Frank Baumann und Florian Kohlfeldt sind nicht nur nach großen Namen vorgegangen, sondern haben echte Qualität nach Bremen geholt. Martin Harnik ist ein Garant für Tore, das hat er bei all seinen Vereinen bewiesen.

Pizarro ist eine riesige Bereicherung für Werder

Nuri Sahin bringt mehr Routine und Erfahrung in die Mannschaft, auch wenn er sich vielleicht zu Beginn noch mit einer Rolle als Back-up anfreunden muss. Doch bei der geplanten Rotation und den obligaten Verletzungen wird es nicht lange dauern, bis Sahin ein wichtiger Faktor wird und in die Startelf rutscht. Über seine Klasse müssen wir bei einem ehemaligen Spieler von Real Madrid und Borussia Dortmund ohnehin nicht diskutieren.

Besonders freut es mich, dass Claudio Pizarro wieder in sein Wohnzimmer heimgekehrt ist. Ob als Aushilfs-Stürmer, Aushilfs-Co-Trainer, Stürmer-Trainer oder Papa der Mannschaft – Pizza ist eine riesige Bereicherung für Werder, der zudem für eine noch bessere Stimmung sorgen wird. Und dass er das Toreschießen nicht verlernt hat, hat er im Test gegen Meppen wieder mal eindrucksvoll demonstriert. Papa Pizarro ist wie ein guter Whiskey, der erst ab 40 Jahren seinen ganzen Geschmack entfaltet.

Werder ist für die Saison vernünftig und gut aufgestellt und ich denke, dass der Wunsch der Fans nach spektakulären Transfers diesmal zur vollsten Zufriedenheit erfüllt worden ist. Da wurde ein guter Job gemacht.

Das Ziel Europa ist keineswegs unrealistisch

Dazu passt, dass Frank Baumann und Trainer Florian Kohfeldt ganz offen über das Ziel Europa League sprechen. Ich bin ein großer Freund davon, Ziele positiv zu verfolgen und nicht negativ auszuweichen. Klar ist ein internationaler Startplatz optimistisch und euphorisch – aber keineswegs unrealistisch. Dieses Potential schlummert in Werder, aber man muss es ständig wach halten und die Herausforderungen mit Demut angehen. Sonst kann es schnell in die andere Richtung gehen – das haben wir in den vergangenen Jahren oft genug erlebt.

Jetzt kommt am Sonntag aber erst mal Nürnberg. Eine Aufgabe, die schwerer ist, als sie auf dem Papier aussieht. Jeder Aufsteiger nimmt viel Euphorie und Emotionen mit in die Bundesliga und spielt gerade im Herbst oft über seine tatsächlichen Verhältnisse. Aufpassen, Werder!

Sebastian Prödl

Zur Person: Sebastian Prödl hat von 2008 bis 2015 insgesamt 149 Bundesligaspiele für Werder bestritten und dabei zehn Tore erzielt. 2009 gewann der Abwehrspieler mit Werder den DFB-Pokal. Seit 2015 verteidigt der 31-jährige Österreicher für den FC Watford in der englischen Premier League – und wurde von den Fans seines Londoner Clubs zum besten Spieler der Saison 2016/17 gewählt. Der FC Watford liegt aktuell auf Rang drei. Prödl ist natürlich Nationalspieler (69 Einsätze) – und immer mal wieder zu Besuch in Bremen.

- Dieser Artikel wird unterstützt von Josef Prödl Tischlerei GmbH

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