Thomas Schaaf schreibt für die DeichStube

„Nutzt den Fokus, traut euch was!“

Von Thomas Schaaf. Die Sommerpause ist endlich vorbei – und was haben wir bekommen? Ganz viel Wasser! Das Wetter hat zum Auftakt schon eine besondere Rolle gespielt. Wir können froh sein, dass unsere Stadien und Plätze mittlerweile so viel Wasser schlucken. Früher wäre da nichts mehr gegangen.

Zu Werder fällt mir sofort ein: Die Balance im Spiel zu finden, das war und ist die große Herausforderung. Defensiv hat es Werder gegen Hoffenheim gut gemacht. Aber das ist nur die eine Seite des Spiels. Nach vorne war es mehr als zaghaft. Es hätte sicherlich noch mehr Selbstvertrauen gegeben, wenn Florian Kainz das 1:0 gemacht hätte. Dass Werder vielleicht am Ende versucht hat, den Punkt zu sichern, war riskant, aber nachvollziehbar gegen so einen starken Gegner. Es ist schon bitter, wenn dann ein abgefälschter Schuss reingeht.

Ich denke, man sollte auf dieser guten Defensivarbeit aufbauen, aber bei Ballbesitz mutiger werden. Das war auch schon durch die Selbstkritik der Mannschaft zu hören. Ein Spieler läuft nun mal lieber nach vorne, als zu mauern.

Man merkt den Spielern an, wenn es gegen Bayern geht

Jetzt kommen die Bayern! Ich weiß, nun werden wieder diese ganzen Statistiken mit den vielen Niederlagen rausgeholt. Na und? Jede Woche gibt es Ergebnisse, die nicht den Wahrscheinlichkeiten entsprechen. Und bei Spielen gegen die Bayern kannst du sowieso nur gewinnen, weil jeder mit einer Niederlage rechnet. Natürlich merkt man den Spielern an, wenn es gegen die Bayern geht.

Da gibt jeder in der Trainingswoche noch mehr Gas, weil er unbedingt dabei sein will. Ich habe meinen Spielern immer gesagt: ,Nutzt den großen Fokus, der auf diesem Spiel liegt, um auf euch aufmerksam zu machen. Traut euch was!“ Taktisch habe ich meistens nichts großartig verändert. Man sollte sich auf die eigenen Stärken verlassen. Dann kann man immer noch die eine oder andere kleine Variante passend zum Gegner einbauen.

Kein Verständnis für schnelle Trainer-Entlassungen

Angst muss vor diesem Spiel niemand haben. Denn unabhängig vom Ergebnis kannst du eine Menge mitnehmen. So wie im Winter: Da hat Werder aus der knappen Niederlage gegen die Bayern auch Mut geschöpft. Den braucht es auch bei dem schwierigen Auftaktprogramm. Danach in Berlin und dann gegen Schalke wird es bestimmt nicht leichter. Da ist Geduld gefragt.

Aber gibt es heutzutage überhaupt noch Geduld? Das Tempo in unserer Gesellschaft ist unheimlich hoch geworden. In der zweiten und dritten Liga wurden bereits die ersten Trainer entlassen. Ich verstehe das nicht. Wie will man nach so kurzer Zeit die Arbeit eines Trainers seriös beurteilen? Ich kann nur empfehlen, den Weg mit einem Trainer konsequent zu gehen. Das wünsche ich auch den vielen jungen Trainern, auf die in der Bundesliga gesetzt wird. Das ist gerade ziemlich angesagt und hat sicherlich mit Julian Nagelsmann zu tun, der mit Hoffenheim sehr erfolgreich ist. Diesen Weg wünschen sich viele andere Clubs. Ich bin gespannt, wie sich das entwickelt. Das gilt auch für Werder und Alexander Nouri.

Nouri der neue Schaaf? Das ist doch Quatsch!

Ich muss immer lachen, wenn ich irgendwo lese, Nouri sei der neue Schaaf. Das ist doch Quatsch! Es gibt nur einen Schaaf und nur einen Nouri. Jeder geht seinen Weg. Natürlich freut es mich, wenn unsere Zeit immer noch so positiv gesehen wird. Aber es ist schwer, so etwas noch einmal zu wiederholen.

Es hat sich viel verändert im Fußball. Das Geld spielt eine immer größere Rolle. Diese 222 Millionen Euro Ablöse für Neymar sind nicht zu begreifen. Das tut dem Fußball nicht gut. Aber ich weiß auch nicht, wie man diesen Wahnsinn stoppen kann. Etwas anderes lässt sich dagegen ganz leicht ändern: die Transferperiode. Beim Saisonstart muss Klarheit herrschen, wer wo spielt, basta! Dann würde jetzt endlich nur noch über Fußball gesprochen.

Thomas Schaaf

Thomas Schaaf: Erst Spieler, dann Trainer – mehr Werder geht eigentlich nicht. Und dabei war Thomas Schaaf extrem erfolgreich. Als Spieler (1978 bis 1995) holte er zwei Meisterschaften, zweimal den DFB-Pokal und den Europapokal der Pokalsieger, als Trainer (1999 bis 2013) das Double und dreimal den Pokal. Aktuell arbeitet der 56-Jährige als technischer Beobachter für die Uefa.

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