Die DeichBlick-Kolumnisten von links nach rechts: Sebastian Prödl, Thomas Schaaf, Nils Petersen, Klaus Allofs und Rolf „Rollo“ Fuhrmann.

DeichBlick-Kolumne: Thomas Schaaf schreibt für die DeichStube

„Diese Mannschaft hat vor keinem Gegner Angst“

Von Thomas Schaaf. Fünf Unentschieden in Folge – ich habe gelesen, dass die aktuelle Werder-Mannschaft unseren Vereinsrekord eingestellt hat.

Ganz ehrlich: Ich kann mich nicht mehr daran erinnern, wie das damals in der Saison 1990/91 war. Meine Zeit als Spieler ist dann doch schon etwas länger her. Als Trainer war das mit den Unentschieden immer so eine Sache. Eigentlich willst du jedes Mal die drei Punkte, da nerven Unentschieden eigentlich nur. Aber manchmal sind sie eben auch besser als nichts. Deswegen ist es ein Balanceakt zwischen Risiko und Vorsicht.

Das gilt auch für den Moment, wenn man kurz vor Schluss in Führung liegt. Das Wichtigste ist, generell immer seine Spielweise zu behalten. Das gelingt freilich nicht immer. Und wenn man dann noch den Ausgleich bekommt, wird gerne an dieser Stelle und an der Aktion, die zum Tor geführt hat, der Fehler gesucht. Den gibt es sicherlich und das muss auch aufgearbeitet werden, aber genauso war es ein Fehler, nicht schon vorher für Klarheit gesorgt zu haben. Man muss das Ganze sehen.

Werder Bremen und das Standard-Problem: Nicht verrückt machen lassen

Wie auch bei der Personalie Jiri Pavlenka. Warum wird öffentlich plötzlich so viel über den Torwart diskutiert? Weil er vorher so gut war! Deswegen fallen solche Momente wie gegen Freiburg viel mehr auf. Jiri war immer ein guter Rückhalt und wird es auch bleiben.

Ähnlich verhält es sich beim Thema Standards. Sicherlich gab es da zuletzt zu viele Gegentore. Trotzdem glaube ich nicht, dass die Mannschaft nun Angst vor solchen Momenten hat. Doch je größer man das Thema macht, umso gefährlicher kann es werden. Dieser öffentliche Reflex, dass Problemen mit ganz viel Training begegnet werden muss, ist zwar nachvollziehbar, bringt aber meistens nichts. Nur, weil ich die ganze Woche aufs Tor geschossen habe, treffe ich doch am Wochenende nicht automatisch besser. Die Gefahr, zu verkrampfen, sollte nicht unterschätzt werden. Man darf sich nicht verrückt machen lassen, sondern muss stets seinen Plan fortführen. Natürlich kann ich hier und da etwas mehr machen und auf Probleme gezielt eingehen – aber alles in einem gesunden Maß.

Werder Bremen und Milot Rashica haben vor keinem Gegner Angst

Florian Kohfeldt weiß das alles und wird entsprechend handeln. Am Ende geht es vor allem darum, sich für die guten Leistungen zu belohnen – und dazu gehören nun einmal Siege. Durch die vielen Ausfälle war es nicht einfach. Nun ist es wichtig, das Rad weiter ins Positive zu drehen. Beim Tabellenführer in Mönchengladbach wird das am Sonntag sicherlich nicht einfach, aber es ist auch nicht unmöglich. Denn diese Werder-Mannschaft zeichnet einfach aus, vor keinem Gegner Angst zu haben und immer mutig genug zu sein.

Auf Milot Rashica trifft das gerade ganz besonders zu. Seine Schnelligkeit und seine Schussstärke sind schon lange bekannt. Umso mehr freut es mich, dass es Milot inzwischen versteht, seine Qualitäten gewinnbringend einzusetzen – für sich und die Mannschaft. Wer sich nun Sorgen macht, dass Milot zu sehr in den Fokus anderer Clubs rückt, dem sei gesagt: Heutzutage kannst du doch niemanden mehr verstecken. Freuen wir uns doch einfach, dass es bei Milot so gut läuft, und hoffen wir, dass es für die Mannschaft bald wieder mehr gibt als Unentschieden.

Thomas Schaaf

Zur Person: Erst Spieler, dann Trainer, jetzt Technischer Direktor – mehr Werder geht nicht. Dabei war Thomas Schaaf extrem erfolgreich. Als Spieler (1978 bis 1995) holte er zwei Meisterschaften, zweimal den DFB-Pokal und einmal den Europapokal der Pokalsieger, als Trainer (1999 bis 2013) das Double und dreimal den Pokal. In der Saison 2014/15 trainierte Schaaf die Frankfurter Eintracht sowie in der Rückrunde der Spielzeit 15/16 für elf Partien Hannover 96. Im Juli 2018 ist der 58-Jährige als Technischer Direktor zu Werder zurückgekehrt, arbeitet zudem für die Uefa.

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