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Die DeichBlick-Kolumnisten von links nach rechts: Sebastian Prödl, Thomas Schaaf, Nils Petersen, Klaus Allofs und Rolf Fuhrmann.

DeichBlick-Kolumne: Thomas Schaaf schreibt für die DeichStube

„Muss denn immer so negativ gedacht werden?“

Von Thomas Schaaf. Auch am Wochenende werden einige Trainer in der Bundesliga ganz besonders im Fokus stehen. Der Druck auf die Trainer ist immens. Ich werde oft gefragt, wie man diesen Druck aushält und was man in diesen Momenten am besten macht.

Ein Patentrezept gibt es natürlich nicht – und jeder muss seinen eigenen Weg finden. Es macht auch einen Unterschied, ob du schon länger dabei oder ein junger Trainer bist. Letzteren empfehle ich, sich durchaus Hilfe zu holen bei Menschen, die diese Momente schon erlebt haben. Es ist ganz wichtig, nicht verrückt zu spielen. Man sollte nichts tun, nur um den Erwartungen anderer zu entsprechen, sondern weiter nach seinen Überzeugungen handeln.

Der Trainer ist nicht schuldlos

Das heißt nicht, nicht auch mal neue Dinge einzustreuen. Wir sind mal mit Werder auf die Rödelbahn der Bundeswehr in Delmenhorst. Ich wollte die Jungs dort nicht schleifen. Sondern sie sollten sehen, dass so ein Parcours nur gemeinsam bewältigt werden kann. Du kommst diese riesige Wand dort nämlich definitiv nicht allein hoch. Das geht nur im Team. Und beim Wir-Gefühl hatte ich bei uns kleine Defizite ausgemacht.

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Wichtig ist, dass du dich als Trainer hinterfragst. Denn natürlich bist du nicht schuldlos an dieser Situation. Du musst dich der Kritik stellen und dann weiter arbeiten. Das ist eine große Herausforderung. Aber das gehört zum Job. Und wer diesen Beruf gewählt hat, sollte wissen, was auf ihn zukommt. In einer Statistik habe ich neulich gelesen, dass die Bundesliga-Clubs im Durchschnitt alle 1,2 Jahre ihre Trainer tauschen. Schön ist das nicht, aber die Realität. Die Ergebnisse stehen fast an jedem Standort über allem. Die Verantwortlichen geraten unter Druck, geben ihn dann weiter – und das natürlich an die Trainer. Man kann leider viel besser eine Einzelperson ersetzen und auf Besserung hoffen, als die ganze Mannschaft auszutauschen.

Thomas Schaaf: Seine Karriere in Bildern

Thomas Schaaf
Schon mit elf Jahren spielt Thomas Schaaf in der Jugend des SV Werder Bremen, sein Bundesliga-Debüt gibt er in der Saison 1978/79 kurz vor seinem 18. Geburtstag. In der Saison 79/80 steigt er mit Werder ab. © imago
Thomas Schaaf
In der Zweiten Liga wird Schaaf zum Stammspieler, steigt nach nur einer Saison wieder auf und wird zur festen Größe in der Bundesliga. 1988 feiert er erstmals die Deutsche Meisterschaft. © imago
Thomas Schaaf
Drei Jahre später folgt mit dem DFB-Pokal der nächste Titel. Schaaf hat in der Saison nur wenige Einsätze, fiebert im Elfermeterschießen von der Bank aus mit. © imago
Thomas Schaaf
Der Pokalsieg läutet die goldene Ära ein, die mit dem Europapokal 1992 ihren Höhepunkt findet. Schaaf kommt im Finale für den verletzten Thomas Wolter ins Spiel. © imago
Thomas Schaaf
In den folgenden Jahren geht es wieder auf den Rathausbalkon: Werder holt 1993 die Schale erneut an die Weser... © imago
Thomas Schaaf
...und im Jahr darauf gibt es eine weitere Gravur auf dem DFB-Pokal. Thomas Schaaf (ganz rechts) ist da schon seltener auf dem Platz zu finden. 1995 beendet er seine Karriere nach 262 Bundesligaspielen. © imago
Thomas Schaaf
Auch nach dem Karriereende bleibt er dem Verein treu, wird erst Jugendtrainer und übernimmt 1999 kurz vor Saisonende die Profis. Er rettet die Mannschaft vor dem Abstieg und gewinnt einen Monat später seinen dritten Pokal – sein erster Titel als Trainer. © imago
2004 schafft er dann, was zuvor noch keinem bei Werder gelang: Seine Mannschaft holt zuerst die Meisterschaft...
2004 schafft er dann, was zuvor noch keinem bei Werder gelang: Seine Mannschaft holt zuerst die Meisterschaft... © imago
...und dann noch den Pokal in die Hansestadt. Trainer Schaaf wird als Double-Coach zur Legende.
...und dann noch den Pokal in die Hansestadt. Trainer Schaaf wird als Double-Coach zur Legende. © imago
Zusammen mit Sportchef Klaus Allofs, seinem ehemaligen Teamkollegen, prägt er ein erfolgreiches Jahrzehnt der Grün-Weißen.
Zusammen mit Sportchef Klaus Allofs, seinem ehemaligen Teamkollegen, prägt er ein erfolgreiches Jahrzehnt der Grün-Weißen. © imago
In dieser Zeit ist Werder Bremen Dauergast im internationalen Wettbewerb. Trainer Schaaf kleidet sich dem Anlass entsprechend.
In dieser Zeit ist Werder Bremen Dauergast im internationalen Wettbewerb. Trainer Schaaf kleidet sich dem Anlass entsprechend. © imago
Seinen letzten Titel holt er 2009: Bremen verliert zwar das Finale des UEFA-Cups, geht aber zehn Tage später in Berlin als Sieger vom Platz.
Seinen letzten Titel holt er 2009: Bremen verliert zwar das Finale des UEFA-Cups, geht aber zehn Tage später in Berlin als Sieger vom Platz. © imago
Als 2013 die Erfolge nach zwei schwierigen Spielzeiten ganz ausbleiben, trennt sich der Verein schließlich nach 14 Jahren von Thomas Schaaf. Länger war nur Otto Rehhagel bei Werder im Amt.
Als 2013 die Erfolge nach zwei schwierigen Spielzeiten ganz ausbleiben, trennt sich der Verein schließlich nach 14 Jahren von Thomas Schaaf. Länger war nur Otto Rehhagel bei Werder im Amt. © imago
Nach nur einem Jahr kehrt Schaaf jedoch in die Bundesliga zurück. Es folgen kurze Anstellungen bei Eintracht Frankfurt (2014/15)..
Nach nur einem Jahr kehrt Schaaf jedoch in die Bundesliga zurück. Es folgen kurze Anstellungen bei Eintracht Frankfurt (2014/15).. © imago
 ...und Hannover 96 (2015/16). Nach knapp vier Monaten wird er von den Niedersachsen beurlaubt. Es ist seine bisher letzte Trainerstation.
...und Hannover 96 (2015/16). Nach knapp vier Monaten wird er von den Niedersachsen beurlaubt. Es ist seine bisher letzte Trainerstation. © imago
Thomas Schaaf
Bei der EM 2016 ist er dann als Beobachter für die UEFA tätig. Im Oktober 2017 ist Thomas Schaaf im Gespräch als Kandidat für den geplanten Posten des Technischen Direktors bei seinem Heimatklub Werder Bremen. © Gumz
Seit dem 30. April 2018 ist klar: Thomas Schaaf kehrt zum SV Werder zurück und besetzt ab dem 1. Juli die Position des Technischen Direktors.
Seit dem 30. April 2018 ist klar: Thomas Schaaf kehrt zum SV Werder zurück und besetzt ab dem 1. Juli die Position des Technischen Direktors. © gumzmedia

Bei Werder ist das im Moment zum Glück überhaupt kein Thema. Da wundert es mich doch sehr, wie die Stimmung im Umfeld gerade ist. Viele erfreuen sich nicht an der positiven Situation, sondern nörgeln herum. Das finden sie nicht gut, und das auch nicht. Natürlich wurden zuletzt nicht so viele Spiele gewonnen, aber in diesem Jahr auch noch keines verloren. Ausschließlich Siege sieht man nur beim künftigen Meister – und eigentlich nicht mal dort.

Werders Ziel Europa noch immer in Reichweite

Wir waren in Bremen so mutig und haben Europa als Ziel ausgegeben. Und das nach vielen nicht ganz leichten Jahren. Da darf doch jetzt nicht gemeckert werden, obwohl das Ziel immer noch in Reichweite ist. Muss denn immer so negativ gedacht werden? Lasst uns doch positiv nach vorne schauen!

Das Heimspiel am Freitag gegen Schalke ist für mich kein Endspiel im eigentlichen Sinne. Danach ist immer noch alles möglich. Als Trainer wirst du Woche für Woche an den Ergebnissen gemessen. Sofort wird interpretiert, was überhaupt noch möglich ist. Da musst du als Trainer bei dir bleiben und versuchen, deine Ideen weiter umzusetzen. Der Druck bleibt, damit musst du umgehen.

Thomas Schaaf

Zur Person: Erst Spieler, dann Trainer, jetzt Technischer Direktor – mehr Werder geht nicht. Dabei war Thomas Schaaf extrem erfolgreich. Als Spieler (1978 bis 1995) holte er zwei Meisterschaften, zweimal den DFB-Pokal und einmal den Europapokal der Pokalsieger, als Trainer (1999 bis 2013) das Double und dreimal den Pokal. Im Sommer ist der 57-Jährige als Technischer Direktor zu Werder zurückgekehrt, arbeitet zudem für die Uefa.

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