Die DeichBlick-Kolumnisten von links nach rechts: Sebastian Prödl, Thomas Schaaf, Nils Petersen, Andreas Herzog und Rolf Fuhrmann.

Kolumne: Thomas Schaaf schreibt für die DeichStube

„Das nagt an einem, das weiß ich“

Von Thomas Schaaf. Die Bayern marschieren mal wieder vorneweg: 16 Punkte Vorsprung im Januar – was für eine Hausnummer. Für die Liga ist das natürlich nicht so spannend.

Aber die Bayern haben nun mal diesen außergewöhnlich guten Kader, den sie auch für ihre internationalen Ziele brauchen. Ich bin wirklich gespannt, wie weit sie in der Champions League kommen werden. Absolut unverwundbar sind die Bayern aber nicht. Das hat auch Werder mit dem engagierten Auftritt gezeigt. Mir hat gefallen, wie mutig die Bremer waren, wie sie die Angriffe gesucht haben, wie Torchancen kreiert wurden. Umso ärgerlicher, dass es nicht zu einem Punkt gereicht hat.

Das nagt an einem, das weiß ich. Deshalb ist es ganz wichtig, das Positive mitzunehmen und gleichzeitig das Negative zu verändern. Es passieren halt immer wieder Fehler – wie vor den Toren. Natürlich wäre es am einfachsten, diese Fehler abzustellen. Aber so einfach geht das nicht. Also müssen sich die Spieler noch mehr helfen, müssen immer darauf gefasst sein, dass ihr Nebenmann nicht hundertprozentig aufpasst. Sie müssen sich gegenseitig noch mehr wachrütteln, um in jeder Sekunde voll da zu sein.

Alle Spiele sind Schlüsselspiele

Das ist vor allem wichtig, wenn du wie Werder spielerische Lösungen anstrebst. Ich finde diesen Ansatz gut, aber das andere muss dazukommen – und das sind die Ergebnisse. Man muss gute Leistungen auch zu Ende bringen und sich dann belohnen. Nur so bleibt das Vertrauen in den eingeschlagenen Weg da.

Da bringt es jetzt auch gar nichts, zu weit nach vorne zu schauen und auszurechen, wie Werders Chancen im Abstiegskampf sind. Im Moment zählt nur die Aktualität, das nächste Spiel. Da weiß ich, was auf mich zukommt, darauf muss ich mich fokussieren. Also die Hertha! Natürlich ist das ein Schlüsselspiel, denn alle Spiele sind doch Schlüsselspiele. Du darfst nie nachlassen, nie denken, heute ist es ja nicht ganz so wichtig.

Hollerbach kennt den HSV

Ein Wort zum Hamburger SV: Natürlich kenne ich den neuen Trainer Bernd Hollerbach. Als Spieler hatte er ein großes Herz, eine große Leidenschaft, eine große Identifikation. Dafür steht er auch als Trainer. Aber man sollte nicht den Fehler machen, ihn auf die Tugenden Rennen, Kämpfen, Reinknien zu reduzieren. Bernd wird sich auch um die fußballerische Qualität kümmern. Natürlich war er lange Jahre der Assistent von Felix Magath, aber er hat längst eine eigene Marke gesetzt – und er kennt den HSV sehr gut.

Der Abstiegskampf wird in jedem Fall sehr spannend. Die Kölner sind ja auch wieder da. Wer hätte das gedacht? Es sind noch 15 Spiele, da darf sich keiner sicher fühlen – außer natürlich der FC Bayern. Und selbst die Münchner müssen sich bei aller Dominanz jeden Sieg hart erarbeiten – wie das Spiel gegen Werder gezeigt hat.

Thomas Schaaf

Zur Person: Erst Spieler, dann Trainer – mehr Werder geht eigentlich nicht. Und dabei war Thomas Schaaf extrem erfolgreich. Als Spieler (1978 bis 1995) holte er zwei Meisterschaften, zweimal den DFB-Pokal und den Europapokal der Pokalsieger, als Trainer (1999 bis 2013) das Double und dreimal den Pokal. Aktuell arbeitet der 56-Jährige als technischer Beobachter für die Uefa.

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