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Fans von Werder Bremen zündeten beim DFB-Pokalspiel gegen die Würzburger Kickers in Offenbach Pyrotechnik.

Neue Gespräche zwischen Fans und Verbänden?

Fanprojekt Bremen: „Ein gutes Zeichen, sich zu bewegen“

Bremen - Manfred Rutkowski vom Fanprojekt Bremen spricht über die neue Gesprächsbereitschaft des DFB und die öffentliche Diskussion über die Legalisierung von Pyrotechnik.

Es liest sich etwas merkwürdig, vielleicht ein wenig zu gut, um wahr zu sein? Ausgerechnet zwei Tage nach den Krawallen beim DFB-Pokalspiel zwischen Hertha BSC und Hansa Rostock reagiert der Deutsche Fußball-Bund (DFB) nicht mit noch härteren Sanktionen gegen Vereine und Fans – sondern mit einem Schritt zu auf die Fanszenen. DFB-Präsident Reinhard Grindel hat sich für die Abschaffung von Kollektivstrafen ausgesprochen. Auf „Sanktionen wie die Verhängung von Blocksperren, Teilausschlüssen oder Geistespielen“ wolle man künftig verzichten.

„Anstoß, Gesprächsfaden wieder aufzunehmen“

Ein echter Fortschritt im völlig unterkühlten Verhältnis zwischen Verband und Fans – oder schlicht politisches Kalkül, so kurz vor dem Start in die Bundesliga-Saison? Beim Fanprojekt Bremen nimmt man den Vorstoß Grindels verhalten optimistisch auf. „Es ist ein gutes Zeichen, sich zu bewegen“, sagt Manfred Rutkowski, Mitarbeiter beim gemeinnützigen Verein, der sich vor allem um Jugendliche kümmert. „Wir finden den Schritt des DFB erstmal ganz sinnvoll, den Anstoß zu geben, um den Gesprächsfaden wieder aufzunehmen.“

Dieser Faden sei bereits vor einigen Jahren gerissen. Laut Rutkowski vor allem deshalb, weil DFB und Deutsche Fußball-Liga (DFL) sich kein Stück auf die Fans zu bewegt hätten. Erst danach sei das Thema Pyrotechnik zum Politikum geworden, geradezu zur Machtfrage: Wer bestimmt im Fußball? Sind es die Fans, Verbände oder Vermarkter?

„Ich glaube, dass die Fanszenen jetzt sehr aufmerksam sind“, sagt Rutkowski. „Jetzt wird man sehen, ob man dem Vorschlag in der Realität nachkommt.“ Für viele Fan-Gruppierungen heißt es: abwarten. Die Meinungen über Grindels Vorstoß gehen allerdings genauso auseinander wie die in der öffentlichen Debatte über Pyrotechnik im Stadion.

Pyro – das ist das zweite heiße Thema, das die Gemüter in diesen Tagen wieder erhitzt. Nicht nur wegen der Eskalation in Rostock, als sogar Raketen in den gegnerischen Fanblock geschossen wurden. Am Mittwoch brachte Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius überraschend die Diskussion über die mögliche Legalisierung von Pyro ins Rollen. „Wenn einige Ultras-Gruppen ganz viel Wert darauf legen, Pyrotechnik zu zünden“, hatte Pistorius gesagt, „kann man sich darüber unterhalten, dafür bestimmte Bereiche im Stadion zu schaffen.“

Legalisierung von Pyrotechnik in der Diskussion

Für Rutkowski ist jetzt schon klar: „Es wird schwer, bundeseinheitlich zu einer Lösung zu kommen.“ Die wäre bei einer großen Entscheidung wie der Legalisierung von Pyro nötig, scheint aber völlig utopisch. Pistorius‘ Vorschlag stieß direkt auf heftigen Gegenwind aus Bremen. Innensenator Ulrich Mäurer (SPD): „Mit mir wird es keine legale Pyrotechnik im Weserstadion geben.“ Seine Argumente: Pyrotechnik wird zu heiß und ist zu giftig – ist also schlicht zu gefährlich.

Rutkowski plädiert für den Dialog. Für ihn sind auch Absprachen mit dem Verein schon viel wert: „Werder Bremen hat immer den Dialog auch zu den problematischen Fans aufrechterhalten.“ Diese Beziehung gilt es auch jetzt zu pflegen. Und das nicht nur beim Thema Pyrotechnik.

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