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Fünf Menschen sind bei einer Auseinandersetzung am Samstagabend in Bremen verletzt worden.

Neue Gewalt in der Fan-Szene

„Fascho-Kneipe? Wir sind genau das Gegenteil“

Bremen - Susanne Krieg macht sich ernsthafte Sorgen. „Viele Gäste werden den Laden jetzt meiden, weil sie uns für eine Fascho-Kneipe halten“, sagt sie und betont: „Wir sind genau das Gegenteil!“

Am Samstag ist ihr Lokal „Die Schänke“ am Bremer Steintor allerdings Schauplatz einer wüsten Massenschlägerei geworden, die womöglich eine neue Eskalation der Gewalt zwischen der linken und rechten Bremer Fan-Szene ist. In diese Richtung gehen zumindest die Ermittlungen der Polizei.

Keine Provokationen der Kneipengäste

Was war passiert? Am Samstag gegen 18.30 Uhr war ein Tross von 100 bis 120 Werder-Ultras, die der politischen Linken zugerechnet werden, nach dem Spiel gegen Mainz 05 unter Polizeibegleitung durch die Straße Vor dem Steintor in Richtung Sielwall gezogen, als einige von ihnen Besucher der „Schänke“ angriffen.

„Etliche Meter vor dem Lokal begannen sie plötzlich zu laufen und sich zu vermummen“, heißt es im Polizeibericht. „In Höhe der Gaststätte bewarf die Gruppe deren Scheiben mit Flaschen, Dosen und Steinen. Die Scheiben gingen daraufhin zu Bruch.“ Die Kneipengäste, von denen zuvor keine Provokationen ausgegangen seien sollen, griffen daraufhin ihrerseits an.

„Die Schänke“ im Bremer Viertel wurde bei einer Massenschlägerei demoliert.

Bei der folgenden Massenschlägerei wurden Tischbeine, Stühle und andere Schlagwerkzeuge eingesetzt, fünf Menschen wurden verletzt. Die Polizei schritt ein und brachte die Situation unter Kontrolle. Die Beamten vermuten, dass sich unter den Kneipengästen Personen aus der Neonazi- oder Hooligan-Szene befanden. „Das lässt sich zurzeit nicht ausschließen“, heißt es.

Susanne Krieg kann sich das nicht vorstellen. Es habe schon öfters mal Streitigkeiten gegeben, weil Alt-Punks, die auch zu ihren Gästen gehören, wegen Glatze und Stiefeln fälschlicherweise der Neonazi-Szene zugeordnet würden. „Aber sonst kamen wir mit der Situation gut klar und konnten das aufklären“, sagt sie.

Polizei nimmt elf Personen fest

Bereits im Weserstadion soll es während des Spiels zu Auseinandersetzungen zwischen Linken und Rechten gekommen sein – aber nur verbal. Die mutmaßlichen Hooligans sollen sich laut „Spiegel Online“ in der Westkurve aufgehalten haben. Aus der Ostkurve wurde „Nazischweine, Nazischweine“ gerufen, im Gegenzug seien die die Ultras mit Gewalt bedroht worden.

Im Vorfeld der Krawalle hatte die Polizei den Ultra-Zug durchs Viertel nur beobachtend begleitet, weil das Spiel gegen Mainz als „Grünspiel“, also als Spiel ohne große Gefährdungslage, eingestuft worden war. „Eine Maßnahme, die sich in der Vergangenheit bei Grünspielen wie die gegen Mainz 05 bewährte und von allen Seiten akzeptiert war“, teilt die Polizei mit.

Kann es mit Bremen-internen Problemen noch „Grünspiele“ geben?

Es habe keine Erkenntnisse gegeben, dass ein Angriff geplant gewesen sei. Tatsächlich hatten die Mainzer mit den Ausschreitungen im Viertel nichts zu tun, waren zu dem Zeitpunkt bereits abgereist. Bleibt die Frage: Kann es noch „Grünspiele“ geben, wenn ein Bremen-internes Problem vorliegt?

Nach den Krawallen im Viertel nahm die Polizei elf Menschen fest, setzte sie später aber wieder auf freien Fuß. Gegen sie wird nun wegen schweren Landfriedensbruchs ermittelt, die Polizei richtet eine Ermittlungsgruppe ein. Wer Hinweise geben oder Fotos und Videos zur Verfügung stellen kann, setzt sich mit der Polizei unter Telefon 0421/ 362 3888 in Verbindung.

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