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Volle Hütte bei Werder-Spielen – und dann wird im Taubenschlag eng zusammengerückt.

Fußball-Kneipen vor großen Problemen

Neuer Bundesliga-TV-Vertrag: „Dann muss man die Reißleine ziehen“

Bremen - Eigentlich kann Kim Döhling nicht klagen. Wenn der SV Werder Bremen spielt, ist im „Taubenschlag“ die Hütte rappelvoll.

Bei Auswärtsspielen kommen bis zu 50 Gäste in die Bremer Kult-Kneipe, bei Heimspielen doppelt so viele, um die Bundesliga-Spiele via TV zu verfolgen. Dafür quetschen sich die Leute schon mal in die Ecken oder bleiben mit einem Bier in der Hand gleich draußen vor der Tür stehen.

„Die Kapazitätsgrenze ist erreicht“, sagt Döhling. Als Inhaber einer Kneipe kann ihn das eigentlich nur freuen. Doch Fußball zu zeigen, lohnt sich trotzdem nicht wirklich. Und die finanzielle Situation wird sich für Kneipiers zur neuen Saison noch verschärfen. Das Problem: Die Einnahmen von den Spieltagen decken kaum die Kosten für die Lizenzen, die der Bezahlsender Sky von den Gastronomen fordert und in schöner Regelmäßigkeit erhöht. Die meisten Kneipen zahlen für die Sky-Lizenz mehrere Hundert Euro pro Monat – je nach Ort, Größe und ein paar anderen Variablen. Aber dabei allein wird es nicht bleiben.

Kneipen brauchen zusätzliche Lizenz

„Alle Spiele, alle Tore“ – damit ist es bei Sky jetzt vorbei. Mit Eurosport (Mutterkonzern Discovery) stößt ein zweiter Anbieter auf den Markt, der die Rechte an 45 Live-Spielen der Bundesliga hält – darunter sämtliche Freitagsspiele, sowie über die Saison verteilt je fünf Spiele sonntags (13.30 Uhr) und montags (20.30 Uhr). Grund dafür ist der neue TV-Vertrag, den die Deutsche Fußball-Liga (DFL) ausgehandelt hat. Das verspricht auch den Vereinen Mehreinnahmen in Millionenhöhe.

Für die Fußball-Kneipen bedeutet das Veränderungen. Alleine schon technisch. Eurosport will seine Spiele im Internet via „Eurosport-Player“ zeigen und via Satellitenplattform HD+ auf Eurosport 2 HD Xtra. Der Fußball-Fan muss also ein (weiteres) Abo abschließen. Kim Döhling hat im „Taubenschlag“ bereits technisch nachgerüstet: neue Leitungen verlegt, neue Router installiert. Jetzt kann er den „Eurosport-Player“ und andere Livestreams im Internet problemlos zeigen. „Ich habe es mir komplizierter vorgestellt.“

Wenn Werder spielt, wird im Taubenschlag immer kräftig mitgefiebert.

Was das Technische angeht, hat er Recht. Kompliziert wird es trotzdem noch. Denn wie bei Sky brauchen Kneipen auch für die Ausstrahlung des „Eurosport-Players“ beziehungsweise von Eurosport 2 HD Xtra eine Lizenz - und die gibt es noch nicht. Doch immerhin: Die Wirte zahlen für die Übertragung der Eurosport-Spiele zunächst nicht mehr Gebühren, als es der normale Kunde tun muss. 30 Euro kostet das Abo im Jahr.

„Bis Ende Dezember können Gaststätten den Eurosport-Player ohne Aufpreis nutzen. Danach werden wir eine weitergehende Lösung präsentieren“, wird eine Sprecherin in der „Rheinischen Post“ zitiert. Wie es ab 2018 weitergeht, ist also noch unklar. Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) verhandelt noch weiter mit dem Sender. Zumindest den Bremer Fußball-Kneipen kann es aber ohnehin noch egal sein: Bisher sind die ersten sechs Bundesliga-Spieltage durchterminiert, und Werder muss zu keinem Termin ran, den Eurosport überträgt.

Süchtig nach Werder Bremen

„Wenn die Gebühren weiter steigen, muss man irgendwann die Reißleine ziehen“, ärgert sich Kim Döhling. Aber „Taubenschlag“ ohne Fußball ist so unvorstellbar wie Werder ohne Weserstadion. Daniel Bresche dürfte die Situation bekannt vorkommen. In Berlin ist er Inhaber des Lokals „Eure Kneipe“. Für ihn ist Fußball wie eine Droge, süchtig ist er nach Werder Bremen – genau wie viele seiner Stammgäste. Deswegen will er unbedingt weiter Bundesliga zeigen.

Bresche hofft noch auf eine einfache Lösung. Darauf, dass sich die Fernsehsender einigen und Eurosport seine Exklusiv-Spiele über die Sky-Technik ausstrahlt. Und dass die Preise nicht zu stark steigen. „Ich bin nicht bereit, nochmal 200 oder 300 Euro mehr zu bezahlen.“ Zahlt er doch, „ist am Ende der Endverbraucher der Dumme“, sagt Bresche. Dann müsste er von seinen Kunden wohl Eintritt nehmen oder zumindest einen Euro mehr für die Getränke. Bresche: „Ich versuche, die Bierpreise so tief wie möglich zu halten. Aber bevor ich pleitegehe...“

Aktualisierte Version: 12.00 Uhr

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