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Hubertus Hess-Grunewald steht als Werder-Präsident zwischen Verbänden, Politikern und Fans.

Werder-Präsident über Fans und Pyro

Hess-Grunewald: Zwischen den Fronten

Bremen - In der hitzigen Diskussion über Fan-Proteste und Pyrotechnik scheinen viele Positionen festgefahren. Einer steht zwischen den Fronten, versucht, den kühlen Kopf zu bewahren: Werder-Präsident Hubertus Hess-Grunewald: Er verteidigt den DFB, sucht aber auch die Nähe zu den Fans.

Hubertus Hess-Grunewald sorgt sich um das Produkt Fußball-Bundesliga. „Wir müssen sehr aufpassen“, sagte der 56 Jahre alte Vorstandsvorsitzende des Bremer Stammvereins im Interview mit „Mein Werder“. Zum einen bestehe die Gefahr der sportlichen Langeweile, „wenn der FC Bayern zum 47. Mal in Folge Deutscher Meister wird“. Zum anderen werde die Sicherheit in und um die Stadien immer problematischer.

Hess-Grunewald: Kein Platz für Pyro im Weserstadion

Angesichts der Proteste vieler Fans nahezu aller Proficlubs am vergangenen Wochenende gegen den Deutschen Fußball-Bund nahm Hess-Grunewald den DFB in Schutz. Der Vorwurf, der DFB habe nur auf Druck der Ultras und wegen zunehmender Gewalt in den Stadien, zugestanden, künftig auf sogenannten Kollektivstrafen für ganze Fangruppen bei Vergehen einzelner zu verzichten, sei unfair. „Ich werte das Angebot des DFB als uneingeschränkt positives Zeichen“, sagte Hess-Grunewald: „Man sollte jetzt nicht sagen: Der DFB tut das ja nur, weil er kurz davor steht, dass alles explodiert.“

Den Vorschlag von Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD), künftig unter bestimmten Bedingungen Pyrotechnik zuzulassen, sieht Hess-Grunewald kritisch. „Ich sehe im Weserstadion keine Zone, in der ich Pyrotechnik zünden kann, ohne dass ich andere Zuschauer gefährde“, sagte Hess-Grunewald, begrüßte den Vorstoß aber unter dem Aspekt, auf die Ultras zuzugehen.

Werder-Präsident: Gesellschaft muss Protest aushalten

In dem Zusammenhang kritisierte der Werder-Präsident Bremens Innensenator Ulrich Mäurer (SPD), der den Vorschlag seines Parteifreundes Pistorius zurückgewiesen hatte. „Wenn ich jetzt schon sage, all das, was zur Diskussion gestellt wird, ist Blödsinn, dann gebe ich doch jedem Ultra ein Alibi, sich nicht konstruktiv einzubringen“, sagte Hess-Grunewald.

Der Werder-Präsident sucht gleichzeitig die Nähe zu den Fans, will ihnen möglichst viele Freiräume, sich auszudrücken und zu protestieren, einräumen. „Strafen für Schmähgesänge halte ich für absolut abwegig. Das ist mit rechtsstaatlichen Grundsätzen auch nicht in Einklang zu bringen“, sagte Hess-Grunewald. Das müsse man in einer freiheitlichen Gesellschaft aushalten.

Vor einigen Monate habe der DFB den 1. FC Köln für vermeintlich beleidigende Gesänge bestrafen wollen, erinnerte Hess-Grunewald: „Ich kann Ihnen sagen: Wenn Werder Bremen davon mal betroffen sein sollte, werden wir eine sehr intensive Diskussion mit dem DFB haben.“

dpa/han

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