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Lust aufs Derby: Anja Brink (r.) und Tochter Katharina vor dem Anpfiff. Was dann kam, fanden die beiden Stadion-Besucherinnen überhaupt nicht spaßig.

Pyro-Randale beim Nordderby

Oben wird gezündelt, unten wird gezittert: „Ich hatte richtig Angst“

Bremen - Anja Brink ist 55 Jahre alt, seit 30 Jahren ist sie Fan von Werder Bremen, regelmäßig besucht die Frau aus Bremen-Woltmershausen Spiele im Weserstadion. Stammplatz: Westkurve.

Auch am Samstag war sie beim Nordderby dabei. Mit ihrer Tochter Katharina (30) im Block 106, direkt unter den HSV-Fans. Und nachdem, was Anja Brink dort erlebt hat, steht für sie fest: „Nie mehr Block 106. Ich hatte richtig Angst.“

Der massive Einsatz von Pyro-Technik im HSV-Block über ihren Köpfen sorgte für drei Spielunterbrechungen, in der Halbzeitpause wurde diskutiert, wann ein Spielabbruch unumgänglich wäre. So weit kam es nicht. Auch, weil Schiedsrichter Felix Zwayer keine Gefahr für die Spieler sah. Doch wie war es für die Fans unterhalb des HSV-Blocks aus? „Ich fand es bedrohlich und hätte nicht geglaubt, dass die HSV-Fans so aggressiv sind“, berichtet Anja Brink.

Stadion-Besucherin: „Man fühlte sich verlassen“

„Die Hamburger haben die Bengalos waagerecht nach vorne gehalten, Funken fielen herunter. Wir haben uns Kapuzen aufgesetzt, weil wir Angst hatten, dass die Haare Feuer fangen.“ Und vor allem: Es war keine Hilfe in Sicht. „Man fühlte sich verlassen“, beklagt die Stadion-Besucherin: „Ich hätte mir gewünscht, dass uns jemand schützt.“ Manche entschieden sich sogar zur Flucht: „Ich habe Familien mit Kindern gesehen, die vorzeitig gegangen sind.“

Sie ist geblieben, trotz der Angst, trotz des Chaos' im Oberrang. Als schließlich das Siegtor für Werder fiel, flogen von oben Gegenstände auf die mit normalen Werder- und Hamburg-Fans besetzten Tribünen. Anja Brink: „Nicht weit von mir wurde ein HSV-Fan von einer Hartplastik-Stange am Kopf getroffen.“ Augenscheinlich wurde der Mann dabei nicht verletzt, aber für Anja Brink bleibt die Frage, warum im Weserstadion aggressive Gäste-Fans im Block über den Köpfen von friedlichen, ganz normalen Stadionbesuchern platziert werden. 

Erklärung Geschäftsführer Hubertus Hess-Grunewald: „Diese Situation haben wir seit 2010. Architektonisch ist das so vorgegeben. Wir brauchen separate Zugänge. Wenn der Gästeblock im Unterrang untergebracht wäre, hätten wir eine ganz andere Gefährdungssituation.“ Stichwort Platzsturm.

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