+
Danny Breuker alias „shadiego“ bearbeitet in seiner Freizeit Videos über Werder Bremen.

Werder-Fan und Filmemacher vorgestellt

„shadiego“: Werder-Regisseur abseits des Rasens

Bremen - Danny Breuker ist ein ganz besonderer Fan des SV Werder Bremen. Unter dem Namen „shadiego“ produziert er mitreißende Videos über seinen Lieblingsverein. Die DeichStube hat ihn besucht.

Wenn Danny Breuker selbst ein Teil der Videos wäre, die er schneidet, hätte er sich wahrscheinlich in Schwarz-Weiß gezeigt. Mit den Händen über dem Kopf, pustend, mit leerem Blick auf einen der drei Bildschirme auf seinem schwarzen Schreibtisch. Vielleicht hätte eine Kameraeinstellung noch das weiße Schild eingefangen, das über der Ecke eines Monitors hängt. Darauf zu sehen ist eine halbvolle – eher halbleere – Batterie, neben der der Satz „Creativity is loading“ steht. Dann wäre Danny wahrscheinlich um 2.53 Uhr ergebnislos schlafen gegangen, und die Szene wäre schwarz ausgefadet.

Danny Breuker, das ist kein Name, der einem direkt etwas sagen müsste. Denn Danny Breuker tritt in seinen eigenen Videos eben nicht selbst auf, seinen Namen nennt er nicht. An den Videos steht eine andere Kennung: „shadiego“. Den Namen wiederum kann man kennen, zumindest wenn man Fan von Werder Bremen und gelegentlich im Internet unterwegs ist.

Videos zweieinhalb Millionen mal geklickt

„shadiego“ ist Videomacher, hat mehr als 15.000 Follower auf Facebook, seine Filme auf Youtube und anderen Plattformen wurden fast zweieinhalb Millionen Mal aufgerufen, und weil er Werder-Fan ist, lässt er derzeit ersatzweise Zlatko Junuzovic prusten und Thomas Delaney Löcher in die Luft starren. Bilder einer schwarz-weißen Herbst-Depression, in der sich die Bremer derzeit in der Fußball-Bundesliga befinden.

Aber mit seinem aktuellen Projekt tut sich Danny schwer. Eigentlich schneidet der 31-Jährige eher zwei- bis zweieinhalbminütige Mutmacher zusammen, beliebt war seine „Wenn du gewinnst“-Reihe in der Rückrunde der vergangenen Saison, als Werder von Sieg zu Sieg geeilt ist und Danny jedem Sieg ein Video spendiert hat. Doch die Erfolge in der laufenden Saison sind rar gesät. Das bedeutet auch wenig Material für Danny. Und so sitzt er an einem Freitagabend im November, kurz nach der Entlassung von Trainer Alexander Nouri, in seiner Bremer Wohnung im dritten Stock eines Reihenhauses, etwa einen Kilometer vom Weserstadion entfernt, und kommt nicht weiter.

Die Videospuren in seinem Schnittprogramm sind ungefähr so löchrig wie die Werder-Abwehr bei der 0:3-Pleite gegen den FC Augsburg. Was gut passt, denn die Stimmung dieser herben Niederlage will Danny aufgreifen. „Diese Stille im Stadion, aber auch die Schmähgesänge, diese Häme der eigenen Fans“, sagt der regelmäßige Stadiongänger, „das habe ich so noch nie erlebt.“

Der apokalyptische Rap-Song „Lang lebe der Tod“ von Casper soll das Video begleiten. Eine hochanspruchsvolle Aufgabe, Ton mit Bild zu komponieren, Rückblenden auf erfolgreiche Zeiten mit den bitteren Niederschlägen der aktuellen Saison zusammenzufügen. Für Projekte wie diese schlägt sich Danny in seiner Freizeit die Abende und manchmal auch Nächte um die Ohren. „Andere gehen feiern, ich schneide halt was“, sagt er.

„Für mich ist das Entspannung. Natürlich ist es Arbeit, aber ich mache es halt gerne. Weil es mir Spaß macht, und weil ich weiß, dass ich auch anderen damit eine Freude mache.“ Aus urheberrechtlicher Sicht sind seine Uploads problematisch, geduldet werden die Videos meistens trotzdem. Geld hat Danny damit noch nie verdient. Schwierige Projekte sieht er als Herausforderung, schließlich ist er Profi.

Werder-Fan und Zocker-Nerd wird Videoproduzent

Tagsüber arbeitet Danny als Mediengestalter bei der Sendefähig GmbH unter anderem für das öffentlich-rechtliche Jugendangebot „funk“. Als Teil des Projekts „Y-Kollektiv“ räumte er vor Kurzem den Webvideopreis in der Kategorie „Newcomer“ ab. Gelegentlich arbeitet er auch offiziell für Werder Bremen, schustert zum Beispiel Saisonrückblicke zusammen.

Zum Videoschnitt war er vor ungefähr 15 Jahren gekommen. „Ich war so’n Zocker-Nerd, ich habe mit einem Team viel Counter-Strike gespielt“, erzählt er. „Und irgendwann habe ich mir gedacht: Ey, die coolsten Szenen, die unser Team so hatte, könnte man ja mal in einem Video festhalten.“ Die Grundlagen brachte er sich selbst bei. „Die ersten Sachen, die ich gemacht habe, waren richtig grausam, aber es hat voll Bock gemacht.“ Danny blieb dran, entwickelte sich weiter, schloss ein Studium „Digitale Medienproduktion“ in Bremerhaven mit dem Bachelor ab.

Danny Breuker bearbeitet seine Werder-Filme mit dem Programm „Adobe Premiere Pro“.

Counter-Strike spielt er heute nicht mehr, seine Leidenschaft Werder Bremen löste den Ego-Shooter auch bei den Videos ab. Fan des Bundesligisten ist Danny schon seit früher Kindheit. „Ich habe in einem Panini-Album von meinem Kumpel geblättert, da war ich vielleicht fünf, und mir haben zwei Vereine mit W gefallen. Das waren Wattenscheid 09 und Werder Bremen“, berichtet Danny. Verliebt hat er sich dann in Werder. „Zum Glück! Sonst gäbe es vielleicht ganz coole Wattenscheid-Videos. Aber die hätte dann wahrscheinlich niemand auf dem Schirm.“

Danny kennt alle Höhen und Tiefen der vergangenen Werder-Jahre, und wer Dannys Videos kennt, weiß: Die enden nicht einfach in der Krise. „Das ist die Kunst“, sagt der Macher, „einerseits nichts zu glorifizieren, aber dann auf der anderen Seite die Leute dennoch dazu zu bewegen, dass sie sagen: Jetzt hab ich wieder Bock auf Werder.“

„Alles so leicht. So leicht, als ging es von selbst“

Vielleicht musste es daher einfach so kommen, dass Danny selbst an seinem Krisen-Video nach der Augsburg-Blamage scheiterte. Er wurde schlicht nicht fertig bis zum Hannover-Spiel. Und nun hat sich die Stimmung völlig gedreht. Mit 4:0 fegten Max Kruse, Fin Bartels und Co. die 96er wie in den besten Spielen der vergangenen Rückrunde aus dem Stadion.

Für Danny eine Steilvorlage, sein Projekt stellte er wieder auf Null. Statt „Lang lebe der Tod“ rappt Casper nun: „Erst flackern, dann flimmern, Blitz und Gewitter.“ Das gilt im Song, das gilt bei Werder, und das gilt bei „shadiego“. Am Donnerstag hat Danny sein neues Video veröffentlicht, es steht unter dem Motto „Wenn du gewinnst reloaded“. Darin schnaubt Junuzovic, und Delaney schüttelt den Kopf, darin vergibt Werder beste Chancen und kassiert blöde Gegentore. Aber dann kommen Kruse und Bartels und erwecken Werder zum Leben.

Wenn Danny Breuker selbst Teil dieses Videos wäre, dann würde er zwar um 2.53 Uhr ergebnislos ins Bett gehen. Aber am nächsten Morgen geht die Sonne auf, und Casper rappt: „Alles so leicht. So leicht, als ging es von selbst.“

Auch interessant

Neu und nur in der DeichStube!

DIE DEICHSTUBE ALS KOSTENLOSE APP

Die DeichStube gibt es jetzt auch als kostenlose App. Einfach downloaden!

Was denkst Du über den Artikel?

Nichts mehr verpassen

Kommentare