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Protest in der Ostkurve in einem Montagsspiel 2016

Studie: Situationsanalyse Profifußball 2017

Der Profifußball sollte gewarnt sein!

Nach der „Situationsanalyse Profifußball 2017“ sollten bei der DFL, dem DFB und den Bundesligavereinen alle Alarmglocken läuten. 

Im Kern der jetzt veröffentlichten Studie geht es um die Frage: Steht der Profifußball trotz immer neuer Umsatzrekorde vor einer Zeitenwende, in der sich immer mehr Zuschauer abwenden?

Laut den Ergebnissen des neugegründeten Vereins „FC PlayFair!" und dem Deutschen Institut für Sportmarketing, wollen die Hälfte der Fans von Bundesligaclubs dem Profifußball den Rücken kehren. 

Fans warnen den Profifußball

Die Fans fordern neben klaren finanziellen Regeln für den deutschen Profifußball vor allem eine Rückbesinnung auf fanfreundliche Anstoßzeiten und mindestens einen Fanvertreter im obersten Kontrollgremium der Fußballclubs.

„Die größten Probleme des deutschen Profifußballs basieren der Studie zufolge vor allem auf dem primären Streben (der Profifußballvereine, der Funktionäre, der Spieler und ihrer Berater) nach noch mehr Geld, der ungleichen Verteilung dieser Gelder und den sich daraus ergebenden negativen Folgen für den Profifußball (Entfremdung, Realitätsverlust, Wettbewerbsverzerrung, Langeweile). Im Endergebnis bleiben bei dieser Entwicklung die Fans auf der Strecke. Entsprechend gab mehr als jeder zweite befragte Fußballfan (51,4%) an, sich früher oder später vom Profifußball abzuwenden, sollte sich die Fußballkommerzialisierung weiterhin so entwickeln. Und über 83% aller Befragten warnen den Profifußball davor, sich noch weiter vom Fan zu entfernen“, heißt es im Fazit der veröffentlichten Ergebnissen.

Fan als Melkkuh ohne Mitspracherecht

Bei Diskussionen in der Kleingruppe zu aktuellen Problemen im (deutschen) Profifußball sieht man den Fan als Melkkuh ohne Mitspracherecht, „er ist der Depp, liefert und hat nichts zu sagen“, außerdem seien Fans nur noch nettes Beiwerk im Fußballbusiness.

In einer Übung zu diesem Thema wurden verschiedene Begriffe aus dem Fußballbusiness an die Wand geworfen. Die Probanden hatten für jeden Begriff 20 Sekunden Zeit zu notieren, was ihnen dabei als erstes spontan in den Sinn kommt.

Mit dem Stichwort „Bundesliga“ verbinden die Fokus-Gruppenteilnehmer folgende spontane Gedanken: 

Positiv: Volle Stadien / perfekt organisiert / Kulturgut / Begeisterung / attraktive Stadien 

Negativ: wenig Wettbewerb in der Spitze / arm vs. reich / zu hohe Gehälter / Geld, Kommerz, Profitsucht / zu hohe Eintrittspreise / Dreiklassen-System / langweilig, keine Spannung mehr

Sieben von zehn befragten Fußballfans (69,3%) sehen die Grenze der Fußballkommerzialisierung erreicht. 

55,3 Prozent – und damit mehr als die Hälfte aller befragten Fußballfans – sehen die Bundesliga mittlerweile als langweilig an.

Mit dem Stichwort „Ultras“ verbinden die Fokus-Gruppenteilnehmer folgende spontane Gedanken: 

Positiv: überragend / schöne Choreos / tolle Stimmung / geben alles für den Verein

Negativ: nehmen sich zu wichtig / viele Chaoten / Pyrotechnik / Gewaltbereitschaft / zu politisch / gegen Neues / feiern sich selbst und nicht den Verein / eine Plage für den Fußball

Mehr als die Hälfte der Befragten (53,9 Prozent) ist der Meinung, dass sich Ultras zu wichtig nehmen. Keine eindeutige Tendenz gibt es allerdings zu dem Statement: „Ultras werden zunehmend zum Problem für den deutschen Profifußball.“ In dieser speziellen Abfrage sind die Fans so gespalten wie bei keiner anderen in der Studie.

Mit dem Stichwort „Deutsche Fußball Liga“ verbinden die Fokusgruppenteilnehmer folgende spontane Gedanken: 

Positiv: um Solidarität bemüht / Verteilschlüssel / gute Geschäftsführung 

Negativ: Macht / vertritt die Vereine, nicht die Fans / „verwaltet“ den Fußball / Lobbyclub / „Wolf im Schafspelz“

Zwei Drittel (66,5 Prozent) erkennen, dass die Vermarktung von Klubs notwendig ist. Sieben von zehn Befragten (69,3 Prozent) sehen allerdings "die Grenze der Fußballkommerzialisierung erreicht".

Mit dem Stichwort „Deutscher Fußball Bund“ verbinden die Fokus-Gruppenteilnehmer folgende spontane Gedanken: 

Positiv: DFB-Pokalwettbewerb / Nationalmannschaft / Vertreter der Amateure 

Negativ: korrupt / scheinheilig / Grindel / keine Transparenz / Postengeschachere / keine Rücksicht auf Faninteressen / Vetternwirtschaft

Mehr als die Hälfte aller befragten Fußballfans (51,4%) geben an, sich früher oder später vom Profifußball abzuwenden, sollte sich die Fußballkommerzialisierung weiterhin so entwickeln. Nur 28 Prozent würden dem Profifußball weiterhin treu bleiben.

Mit dem Stichwort „RasenBallsport Leipzig“ verbinden die Fokus-Gruppenteilnehmer folgende spontane Gedanken: 

Positiv: gute Jugendarbeit / starkes Know-How, gute Strukturen / attraktiver Fußball

Negativ: Eine Marke baut sich seinen eigenen Verein / Retortenclub / Beginn des Untergangs / reines Marketing-Instrument / fehlende Tradition

Sieben von zehn befragten Fußballfans (69,3%) sehen die Grenze der Fußballkommerzialisierung erreicht.

72,4 Prozent der befragten Fußballfans sind der Meinung, dass bei der derzeitigen Entwicklung des Profifußballs die Interessen der Fans auf der Strecke bleiben.

Auszug aus der Studie

Durchgeführt wurde diese Studie über „Aktuelle Probleme, Herausforderungen und Lösungsansätze“ im März diesen Jahres.

Die Studie basiert auf Fragebögen, die von 17.330 Teilnehmern ausgefüllt wurden. Unter anderem fanden qualitative Fokus-Gruppeninterviews in Form von 90-minütigen Gruppendiskussionen mit insgesamt 25 Fußballfans unterschiedlicher Vereine statt.

Hier gibt es die kompletten Ergebnisse der Studie zum Nachlesen als PDF

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