Der SV Werder Bremen denkt über verschiedene Finanzierungsmodelle nach, um sich wirtschaftlich auf Kurs zu halten – darunter im absoluten Notfall auch eine Fan-Anleihe, die bislang als Tabu galt.
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Der SV Werder Bremen denkt über verschiedene Finanzierungsmodelle nach, um sich wirtschaftlich auf Kurs zu halten – darunter im absoluten Notfall auch eine Fan-Anleihe, die bislang als Tabu galt.

Fan-Voting

Umfrage: Was haltet ihr vom Thema Fan-Anleihen bei Werder?

Bremen - Der SV Werder Bremen denkt angesichts seiner großen wirtschaftlichen Probleme während der Corona-Pandemie auch über mögliche Anleihen bei seinen Anhängern nach.

Gerade eine Fan-Anleihe sei aber „die allerletzte Option, die wir eigentlich nicht ziehen wollen“, sagte Geschäftsführer Klaus Filbry gegenüber der DeichStube. „Aktuell sieht es finanziell gut aus, wir sind bis zum Saisonende durchfinanziert. Aber für den Fall, dass wir auch in der nächsten Saison ohne Zuschauer-Einnahmen auskommen müssen, ist es unsere Sorgfaltspflicht, unterschiedliche Finanzierungsmöglichkeiten zu prüfen“, so Filbry weiter. In diesem Fall müsste der SV Werder Bremen für ein Anleihemodell mit großer Wahrscheinlichkeit weniger Zinsen zahlen als für einen weiteren Bankkredit.

Finanzsorgen bei Werder Bremen: Fan-Anleihen im absoluten Notfall eine Option

Wie denkt ihr über das Thema? Sind Fan-Anleihen eine sinnvolle Option, oder kommt ein solches Investment für euch bei Werder Bremen nicht in Frage? Jetzt abstimmen!

(Mehr zum Thema: „Dann geht der Schuss nach hinten los“ - Werder-Anhänger zum Gedankenspiel des Vereins, sich im Notfall über Fan-Anleihen zu retten)

Werder Notfallplan Fan-Anleihen: So funktioniert‘s - das sind die Besonderheiten

Von Fan-Anleihen haben im deutschen Profi-Fußball schon mehrere Clubs Gebrauch gemacht. Zum Beispiel der Hamburger SV, der 1. FC Köln und Schalke 04.

So funktioniert‘s: Der einzelne Fan kann zwischen wenigen hundert bis mehreren tausend Euro einlegen. Jährlich werden die festgelegten Zinsen fällig, nach Ablauf der Anleihe erfolgt die Rückzahlung des eingelegten Betrages. Oder aber eine neue Anleihe löst die alte ab. Schalke schwenkte später um auf börsennotierte Unternehmensanleihen.

Hamburger SV: Von 2012 bis 2019 hat es bereits eine Anleihe gegeben. 12,5 Millionen Euro wollte der HSV damals für den Bau des „HSV-Campus“ einnehmen, was auch binnen zwei Wochen funktioniert hat. Verzinst wurde die erste Anleihe mit sechs Prozent. Um Rückzahlungen zu minimieren und erneut frisches Geld zu besorgen, wurde 2019 eine zweite Anleihe gestartet. Laufzeit bis 2026, Volumen 17,5 Millionen Euro.

1. FC Köln: Die 2005 gestarteten Fan-Anleihen sind nun schon in der dritten Generation angekommen. Die aktuelle Anleihe startete 2016 und läuft bis 2024. Der Zins ist mit 3,5 Prozent nur etwas für echte Fans, nicht aber für renditebewusste Fremdanleger. Das Gesamtvolumen: 15,5 Millionen Euro. Fans können von 100 bis 5 000 Euro anlegen.

Schalke 04: Die Schalker sind 2010 mit einer Fan-Anleihe (Volumen: 11 Millionen Euro) gestartet, seit 2012 setzt der Club aber auf Unternehmensanleihen (bei Werder Mittelstandsanleihe genannt). Auf die Einnahme von bis zu 50 Millionen Euro ist das Modell ausgelegt. Die Verzinsung liegt bei 4,25 bis 5 Prozent.

Besonderheiten: Zu Fan-Anleihen gehören häufig Schmuckanleihen, auch Schmuckaktien genannt. Heißt: Die Anleihe wird als ein dekoratives Dokument ausgegeben, ist aber nicht Teil eines Wertpapierdepots. Zins- und Rückzahlungen müssen beantragt werden, mitunter verzichtet der Fan darauf, um das Papier nicht abgeben zu müssen und weiter als Wandschmuck nutzen zu können. Er schenkt dem Verein damit sein Geld.

Negatives Beispiel: Alemannia Aachen gab 2008 zur Finanzierung des Stadionbaus die „Tivoli-Anleihe“ heraus. 2013 meldete der Club dann Insolvenz an, die Fans verloren ihr Geld. (csa)

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