+
Hamburger Polizei nennt das Verhalten der Bremer Ultras „konspirativ“.

Vertreterin des Bremer Fan-Projekts kritisiert Hamburger Polizei

"Ich finde das skandalös"

Bremen. Die Bremer Fan-Szene ist aufgebracht. Die Großkontrolle der Hamburger Polizei vor dem Nordderby beim HSV ist das große Diskussionsthema.

Während die Polizei argumentiert, sie habe präventiv handeln müssen, um mögliche Zusammenstöße mit Problemfans des HSV zu verhindern, spricht eine Vertreterin des Fan-Projekts Bremen von überzogenen Maßnahmen.

Susanne Franzmayer, 51 Jahre alt und beim Fan-Projekt hauptberuflich beschäftigte Soziologin, war dabei, als 171 in Privat-PKWs angereiste Fans auf einem Supermarktparkplatz kontrolliert wurden. Was sie und andere dabei sahen, bezeichnete Franzmayer gegenüber der DeichStube als „Schikane“, das Vorgehen der Polizei sei teilweise „massiv“ gewesen, die Annahme, es wäre zu Auseinandersetzungen mit HSV-Fans gekommen, beruhe auf „reiner Spekulation“.

„Ich finde das skandalös“, sagte Franzmayer. In der Bremer Gruppe seien „Bubis“ dabei gewesen, Jugendliche, die noch nie mit der Polizei in Konflikt geraten sind. Zudem Gruppen, die Gewalt ganz klar ablehnen.

Die vier Täter, die einen Polizeibeamten in einem Zivilfahrzeug verbal bedroht hatten, hätten zudem nicht zu denen gehört, die sich zur Fahrt nach Hamburg verabredet hätten. „Keine Ahnung, wie die das spitz bekommen hatten“, so Franzmayer. Die Vier seien keine Ultras, in ihrem Auto seien zudem der Großteil der von der Polizei sichergestellten Gegenstände gefunden worden.

„Das Vertrauen in die Polizei ist einfach nicht mehr da“

Die Frage, weshalb sich eine so große Gruppe an Fans, die angeblich nichts anderes im Sinn hatten, als Fußball zu gucken, nicht wie üblich mit Bus oder Zug anreisen wollte, ist der Knackpunkt der ganzen Geschichte. Die Annahme der Polizei, dass alles nur geschah, um sich der Kontrolle zu entziehen, bestätigte Franzmayer sogar. Sie erklärte das aber nicht mit bösen Absichten, sondern mit den Erfahrungen aus den vorangegangenen Nordderbys, als einmal 100 und einmal 200 Bremer Fans von der Polizei nach Hause geschickt worden waren. „Das Vertrauen in die Polizei ist einfach nicht mehr da“, so die Soziologin. Denn damals sei längst nicht bei jedem zur Umkehr gezwungenen Fan etwas Verbotenes gefunden worden. Und überhaupt: Dürfe man denn nicht mehr mit dem Auto zum Spiel fahren?

Im aktuellen Fall hatte die Polizei bei der Kontrolle ein Messer, einmal Pfefferspray, drei Sturmhauben, fünf Schlauchschals, zwei Mundschutze und Quarzhandschuhe, wie sie allgemein benutzt werden, um sich mit Fäusten zu unterhalten, sichergestellt. In der Anzahl ließen sich die Gegenstände aber auf keinen Fall auf 171 Personen verteilen, so Fan-Projekt-Sprecherin Franzmayer. Ihre Frage: Wieso also die generelle Maßnahme gegen alle? Sie vermutet eine gezielte "Schikane".

Statt Derby gab's Pizza

Die Stimmung in der Gruppe sei während der von 15.30 Uhr bis 21.15 dauernden Kontrolle friedlich gewesen: „Die waren alle ganz entspannt, haben sich früh damit abgefunden, dass sie das Derby nicht sehen würden und haben sich sogar Pizza bestellt.“

Ob das Fan-Projekt, das als gemeinnütziger Verein auch als Träger der freien Jugendhilfe auftritt, nun über rechtliche Schritte nachdenken wird, ließ Franzmayer noch offen. Am Mittwoch soll es ein Treffen des Fan-Projekts mit der Bremer Polizei und Werder-Vertretern geben.

Lest auch: Werder kritisiert die Hamburger Polizei

Fotostrecke: Werders Nullnummer beim Hamburger SV

Werders Philipp Bargfrede im Zweikampf mit Tatsuya Ito (li.). Ex-Bremer Aaron Hunt schaut zu. 
Werders Philipp Bargfrede im Zweikampf mit Tatsuya Ito (li.). Ex-Bremer Aaron Hunt schaut zu.  © nordphoto
HSV-Torhüter Christian Mathenia kann den Ball nicht festhalten, Ishak Belfodil setzt nach. 
HSV-Torhüter Christian Mathenia kann den Ball nicht festhalten, Ishak Belfodil setzt nach.  © nordphoto
Thomas Delaney mit dem Kopf - Werders beste Chance in der ersten Halbzeit.
Thomas Delaney mit dem Kopf - Werders beste Chance in der ersten Halbzeit. © nordphoto
Florian Kainz in der HSV-Zange.
Florian Kainz in der HSV-Zange. © nordphoto
Das Nordderby war mitunter hart umkämpft. Hier hängt sich Werder-Stürmer Ishak Belfodil voll rein. 
Das Nordderby war mitunter hart umkämpft. Hier hängt sich Werder-Stürmer Ishak Belfodil voll rein.  © nordphoto
Unterdessen auf der Werder-Ersatzbank...
Unterdessen auf der Werder-Ersatzbank... © nordphoto
Jiri Pavlenka entschärft einen Distanzschuss von Andre Hahn.
Jiri Pavlenka entschärft einen Distanzschuss von Andre Hahn. © nordphoto
Umkämpft, aber nicht schön - das Nordderby 17/18.
Umkämpft, aber nicht schön - das Nordderby 17/18. © nordphoto

Auch interessant

Neu und nur in der DeichStube!

DIE DEICHSTUBE ALS KOSTENLOSE APP

Die DeichStube gibt es jetzt auch als kostenlose App. Einfach downloaden!

Was denkst Du über den Artikel?

Nichts mehr verpassen

Kommentare