Der Werder-Bremen-Fanclub „Groen-Wit EV e.o.“ um den Vorsitzenden Stefan Groene (l.) und Kassenwart Andreas Alsmeier (r.) hat sich während der Corona-Pandemie gegründet.
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Der Werder-Bremen-Fanclub „Groen-Wit EV e.o.“ um den Vorsitzenden Stefan Groene (l.) und Kassenwart Andreas Alsmeier (r.) hat sich während der Corona-Pandemie gegründet.

DeichStube-Serie: „Corona-Fanclubs“

„Groen-Wit EV e.o.“: Wenn aus ehemaligen Schulfreunden ein Werder-Fanclub entsteht

Bremen – Von Annika Hinke. „Gerade während Corona hatte man die Zeit, Ideen umzusetzen, weil andere Aktivitäten ausgefallen sind“, erklärt Stefan Groene. Und genau deshalb ist er mit einigen Gleichgesinnten ein besonderes Projekt angegangen: Die Gründung eines Fanclubs für den SV Werder Bremen.

Vor einigen Wochen hatte die DeichStube einen Aufruf gestartet: Welche Fanclubs des SV Werder Bremen haben sich während der Corona-Pandemie gegründet - und warum ausgerechnet jetzt? Es hat zahlreiche Rückmeldungen gegeben. Einige dieser Fanclubs stellen wir nun in loser Folge vor. Diese Episode dreht sich um „Groen-Wit EV e.o.“.

„Die Idee gab es schon seit der 1:3-Niederlage gegen den FSV Mainz 05 im Juni 2020“, verrät er. Damals, es war gerade der 33. Spieltag absolviert, sah es für die Bremer schwer nach Abstieg aus. Kurze Zeit später stand für Groene und Co. eine digitale Bierprobe an, doch gesprochen wurde auch viel über Fußball. Und über Werder Bremen. „Wir glaubten nicht mehr an den Klassenerhalt“, erinnert er sich. Und trotzdem sollte ein Zeichen gesetzt werden. Mit einem Fanclub. „Die Gründung kam mehr aus einer Jetzt-erst-recht-Stimmung“. Wenig später rettete sich Werder doch noch, die offizielle Registrierung des Fanclubs „Groen-Wit EV e.o.“ ging schließlich im September des Jahres über die Bühne.

Kern der Gruppierung ist eine alte Clique aus der Schulzeit, die ursprünglich aus der Grafschaft Bentheim stammt. Mittlerweile besteht die Gemeinschaft aus 20 Fans im Alter zwischen zehn und 75 Jahren. Doch es gibt besondere Regeln. „Mitglied wird man bei uns auf Empfehlung. Wenn jemand sagt ‚Ich hätte da noch jemanden‘, dann wird das erst besprochen und die Gruppe muss das abnicken“, erklärt der Vorsitzende. „Dann wird die Person gefragt, ob sie offiziell dabei sein möchte.“ Aber warum heißt der Fanclub eigentlich, wie er heißt? „Unser Name soll nochmal unsere Nähe zur holländischen Grenze zeigen“, erläutert Stefan Groene. „‚Groen-Wit‘ ist plattdeutsch und steht für die Farben von Werder Bremen, die Abkürzung ‚EV‘ steht für die Region Ems-Vechte und das niederländische Kürzel ‚e.o‘ steht für ‚en omstreken‘, was so viel wie ‚und Umgebung‘ bedeutet.“ Und das hat seinen Grund: Die Mitglieder des Fanclubs sind nämlich längst nicht mehr im Grenzgebiet ansässig, sondern verteilen sich mittlerweile quer durch Norddeutschland.

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Werder Bremen-Fanclub „Groen-Wit EV e.o.“ hat auch Sympathien für die niederländische Liga

Trotz der Distanz zwischen seiner Heimat und Bremen wurde Stefan Groene schon als Kind Werder-Fan. Warum? „Den Verein sucht man sich ja nicht aus, sondern der findet einen“, meint er frei nach Nick Hornby und dessen Roman „Fever Pitch“. Doch es gehört noch etwas mehr zur Wahrheit dazu. „Dadurch, dass wir im Nordwesten wohnen, gab es schon die geografische Nähe. Dazu hat Werder in meiner Kindheit Ende der Achtziger unter Otto Rehhagel attraktiven Offensivfußball gespielt. Die Leidenschaft hat dann einfach angesteckt“. Einen komplett anderen, durchaus kuriosen Werdegang hat Kassenwart Andreas Alsmeier zu bieten. „Ich war als Kind Bayern-Fan, das wurde dann aber irgendwann zu langweilig“, erzählt er. „Stefan hat mich dann immer mal wieder mit ins Weserstadion genommen, und da wurde aus der anfänglichen Sympathie dann mehr. Als 2004 unser ältester Sohn geboren wurde, habe ich Farbe bekannt und gesagt: Werder Bremen ist unser Verein“. Ein Einzelfall ist Alsmeier damit übrigens nicht. „Bei uns gibt es noch zwei oder drei Leute, die bewusst zu Werder konvertiert sind“, berichtet Stefan Groene.

Es gibt sie aber trotzdem noch, die zweite fußballerische Leidenschaft. Dank der geografischen Lage existiert eine große Sympathie für die erste und zweite niederländische Liga. „Wir haben einen kleinen familiären Hintergrund und interessieren uns immer schon auch für den holländischen Fußball. Der ist sehr nett und ein bisschen erdiger als die deutsche Bundesliga“, urteilt Groene. „Wir würden da gerne Fan-Freundschaften aufbauen und vielleicht mal zum FC Groningen oder FC Emmen fahren. Wir möchten Fußball gerne in Verbindung mit Völkerverständigung bringen. Diese Vereinbarkeit ist immer gut und in der heutigen Zeit sehr wichtig.“ Und Kassenwart Alsmeier mimt sogar den Scouting-Experten: „Wenn Werder mal eine Frage hat, ich wüsste da schon ein paar holländische Spieler, die in der 2. Liga helfen könnten“, sagt er lachend. „Der holländische Fußball ist einfach ein wenig offensiver und leidenschaftlicher. Ich schaue mir jeden Sonntagabend die holländische Liga an, auch wenn da auch nicht alles super ist“.

Werder Bremen-Fanclub „Groen-Wit EV e.o.“ während Corona gegründet - jetzt wird es endlich Zeit für ein Treffen

Zumal er diese Freude in Deutschland nicht mehr überall findet. Zumindest nicht in der 1. Bundesliga. „Wenn man Fan ist, möchte man natürlich den größtmöglichen Erfolg - und das wäre der Aufstieg. Wenn man aber ehrlich ist, dann ist die 2. Liga viel interessanter als die Bundesliga“, meint Andreas Alsmeier. „In der 1. Bundesliga ist es oben langweilig, und Spannung hat man nur unten.“ Auch deshalb haben die Grafschafter den Abstieg in die Zweitklassigkeit fast schon als Erlösung gesehen. „Eigentlich war es eine Erleichterung und vor allem die Chance für einen Neuaufbau. Wir sehen es ja jetzt in dieser Saison, dass die 2. Liga richtig Spaß macht und wir wieder erdigen Fußball mit richtigen Kampfspielen sehen“, erzählt Stefan Groene. „Wir genießen die Saison gerade wirklich. Wenn es für Werder Bremen wieder hoch gehen würde, wäre die erste Liga natürlich wieder spannender, aber dieses Jahr macht es einfach mehr Spaß als die Jahre zuvor“.

Noch mehr Lust hätte der Fanclub allerdings auf einen gemeinsamen Besuch in Bremen. Denn so schön die Gründung in Pandemie-Zeiten auch war, so sehr hat Corona Ausflüge in größeren Gruppen oder selbst einfache Fanclub-Treffen verhindert. „Bisher haben wir uns über die Videoplattformen Zoom oder Microsoft Teams zusammengeschaltet und über E-Mail Kontakt gehalten. Wir möchten aber unbedingt demnächst mal eine gemeinsame Fahrt ins Weserstadion wagen“, betont der Vorsitzende von „Groen-Wit EV e.o.“. „Wir standen schon mal kurz davor, ins Stadion zu fahren, da wurden wir dann aber im letzten Moment ausgebremst. Wir hatten die Zusage für Tickets, durch Corona hieß es dann aber, dass wir doch nicht dürfen. Jetzt wird es unbedingt Zeit, dass wir mit dem Fanclub nach draußen ins Stadion gehen.“ (ahi) Schon gelesen? Die „HB Nordhessen Crew“: Für Werder Bremen ist kein Weg zu weit!

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