Der „FED Syke Werder Bremen-Fanclub“ wurde während der Corona-Pandemie gegründet und ist kein gewöhnlicher Fanclub, denn hier wird Inklusion in Grün-Weiß gelebt!
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Der „FED Syke Werder Bremen-Fanclub“ wurde während der Corona-Pandemie gegründet und ist kein gewöhnlicher Fanclub, denn hier wird Inklusion in Grün-Weiß gelebt!

DeichStube-Serie: „Corona-Fanclubs“

„FED Syke Werder Bremen Fanclub“: Gelebte Inklusion in Grün und Weiß

Syke - Von Annika Hinke. Der „FED Syke Werder Bremen-Fanclub“ wurde während der Corona-Pandemie gegründet und ist kein gewöhnlicher Fanclub, denn hier wird Inklusion in Grün-Weiß gelebt!

Vor einigen Wochen hatte die DeichStube einen Aufruf gestartet: Welche Fanclubs des SV Werder Bremen haben sich während der Corona-Pandemie gegründet - und warum ausgerechnet jetzt? Es hat zahlreiche Rückmeldungen gegeben. Einige dieser Fanclubs stellen wir nun in loser Folge vor. Diese Episode dreht sich um den „FED Syke Werder Bremen-Fanclub“.

Gerade junge Menschen mit Beeinträchtigungen waren und sind in der Corona-Zeit besonders von den Einschränkungen getroffen. Um hier für Ablenkung und soziale Kontakte zu sorgen, haben Uwe Meyer und Timotheus Pache einen Werder Bremen-Fanclub der besonderen Art gegründet. „Der Familienentlastende Dienst soll, wie der Name schon sagt, Familien und Angehörige von Menschen mit Behinderung entlasten. Das kann auf die unterschiedlichsten Weisen passieren: Ambulant, aber auch im Kurzzeitwohnen“, erzählt Silke Imgram, Leiterin des FED in Syke. Genau über diesen Dienst ist im September 2021 der „FED Syke Werder Bremen Fanclub“ entstanden. „Irgendwie muss das ja auch finanziert werden. Es ist ja kein gewöhnlicher Fanclub“, beschreibt sie.

„FED Syke Werder Bremen-Fanclub“ als Zusammenschluss von Werder-Fans mit Beeinträchtigung im Familienentlastenden Dienst in Syke

Bei einem Fanclub-Treffen, welches einmal im Monat zustande kommt, wird nicht einfach nur zusammengesessen und Werder Bremen geguckt. Es wird auch Pizza gegessen. „Wir verpacken das Ganze schon ein bisschen als Event. Für mich gehören Pizza essen und Bier trinken zum Fußball gucken“, erzählt Uwe Meyer, einer der beiden Initiatoren des Fanclubs. „Auf das Bier müssen wir hier ja verzichten, aber Pizza muss sein“. Für Uwe Meyer und seinen Mitgründer Timotheus Pache ist das Fanclub-Treffen aber auch immer noch Arbeit. „Die Menschen, die hier herkommen, brauchen ganz viel Hilfe und Pflege, damit sie überhaupt an einem Fanclub-Treffen teilnehmen können“, schildert Silke Imgram. Diese Hilfe stellen Uwe und Timo. „Es müssen Pizzen kleingeschnitten oder Toilettengänge begleitet werden. Es passiert schon mal, dass wir das ganze Spiel nicht wirklich mitbekommen“, erklärt Meyer den Unterschied zu einem gewöhnlichen Fanclub. „Werder ist zwar Hobby, aber für mich und Timo ist so ein Treffen eben auch Arbeit“.

„FED Syke Werder Bremen-Fanclub“: Zwischen Arbeit und Hobby

Die Arbeit der zwei scheint aber bei den Mitgliedern des FED Syke Werder Bremen-Fanclubs gut anzukommen. Mittlerweile zählt die Gruppe 15 Mitglieder. „Das sind auch nicht nur Leute, die wir betreuen, sondern auch teilweise Leute, die mit in den inklusiven Wohnprojekten leben“, berichtet der Betreuer eben jenes inklusiven Wohnprojektes an der Schlossweide in Syke. „Ich bin seit eineinhalb Jahren hier beim FED und mir ist direkt aufgefallen, dass im Wohnprojekt viele Werder-Fans leben.“

Begonnen hat die Idee vom eigenen Fanclub mit einer Tipprunde. „Schnell kam der Wunsch auf, eben auch Spiele zusammen zu gucken. Daraus haben wir dann den Fanclub gegründet“, erzählt Uwe Meyer. Nachdem die Leitung des Familienentlastenden Dienstes begeistert war und ihre Unterstützung zusicherte, wendeten sich Meyer und Pache an Werder Bremen. „Werder war da wirklich locker. Auf unserer Mitgliederliste konnte ja nicht jeder unterschreiben, weil eben nicht jeder in der Lage ist, überhaupt zu schreiben. Werder hat dann gesagt ‚Schickt das einfach erstmal her‘“, erinnern sich die Initiatoren.

„FED Syke Werder Bremen-Fanclub“-Initiatoren sind sicher: „Werder und St. Pauli gehen direkt hoch“

Nachdem dann im September 2021, mitten in der Corona-Pandemie, der Fanclub gegründet wurde, ging es mit der Planung weiter. „Zwei bis drei Wochen vor einem Spiel suchen Uwe und ich zusammen aus, welches Spiel denn zusammen geguckt wird“, gibt Pache einen Einblick. „In der Regel sind das Auswärtsspiele, weil Timo selber gerne bei Heimspielen ins Stadion geht“, ergänzt Meyer. Bald soll es aber auch mal mit einem gemeinsamen Fanclub-Ausflug ins Weserstadion klappen. „Eigentlich wollten wir das schon im Frühjahr in Angriff nehmen“, erzählt er, „nun ist aber plötzlich ein Mitglied unseres Fanclubs verstorben. Das hat uns erstmal aus der Bahn geworfen.“ Runterziehen lassen möchte sich der Fanclub davon aber nicht: „Wir machen trotzdem weiter“, sagt der Betreuer des inklusiven Wohnprojektes an der Schlossweide.

Weiter gehen soll es dann erstmal mit einer Stadionführung. „Für uns ist das ja auch ein gewisser Aufwand, so ein Ausflug ins Stadion zu organisieren. Wir haben auch Rollstuhlfahrer dabei“, schildert der Syker. „Man kann daraus dann aber gleich eine Tagesfreizeit machen, sodass auch die Mitarbeiter des FED mitgehen können“, zeigt sich die Leiterin Silke Imgram begeistert von dieser Idee. Auf jeden Fall werden die letzten zwei Spiele in der laufenden Saison gemeinsam geguckt, „dann auch gerne mit anschließender Aufstiegsparty“, freut sich Meyer auf den Saisonendspurt. „Bisher hatten wir ja nicht so Glück, wenn wir zusammen Spiele geguckt haben“, berichtet er. Gemeinsam wurden sowohl die Hinrunden-Niederlage gegen Darmstadt verfolgt als auch die letzte Werder-Niederlage gegen Heidenheim. Trotzdem sind sich die beiden Initiatoren des FED Syke Fanclubs sicher, was den Aufstieg von Werder Bremen betrifft: „Wir und St. Pauli gehen direkt hoch“, prophezeit Pache. Schon gelesen? „Grün-Weiß Neuarenvrees“: Werder-Fanclub noch kein Glücksbringer, aber mit Clemens und Fritz!

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