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Mitgereiste Werder-Anhänger am Sonntag im Berliner Olympiastadion.

Nach Auseinandersetzungen in Berlin

Fanprojekt kritisiert Polizeieinsatz

Nach den Auseinandersetzungen zwischen Anhängern des SV Werder und der Polizei in Berlin („DeichStube“ berichtete) äußert sich nun das Fan-Projekt Bremen in Form eines Erlebnisberichts zu den Vorkommnissen und erhebt darin Vorwürfe gegen das Vorgehen der Ordnungskräfte.

Der auf Facebook veröffentlichte Bericht des Fan-Projektes Bremen endet mit der Forderung nach Aufklärung der Geschehnisse. Zudem hofft der gemeinnützige Verein, der sich laut eigenem Leitbild für eine gewaltfreie und vielfältige Fan-Kultur einsetzt, dass „Fans nicht pauschal als Gewalttäter verurteilt“ werden. Die „eskalative Rolle“ der Berliner Polizei müsse unter die Lupe genommen werden.

Die Geschichte in Berlin begann der Schilderung des Fan-Projekts folgend bereits mit Ankunft der Fan-Busse am Olympiastadion. „Keinen Kindergarten" hätten die Fans in Berlin zu erwarten, wurde ihnen demnach von Berliner Polizisten mitgeteilt. Aus der Rubrik „Kindergarten“ müssen dann aber auch nicht jene Personen gewesen sein, auf die auch die Vertreter des Fan-Projekts im Stadion aufmerksam wurden. Circa zehn Minuten vor dem Anpfiff hätten sich etwa zehn Fans „mit Sturmhauben bereit“ gemacht, um Pyrotechnik zu zünden. Eine Polizeieinheit bezog daraufhin Stellung im Innenraum sowie im Umlauf des Stadions, um das Abbrennen von Pyrotechnik zu dokumentieren, wie die Berliner Polizei gegenüber der DeichStube bestätigt hatte.

„Null-Toleranz-Schiene" in Bezug auf Pyrotechnik

Kurz vor Abpfiff der ersten Halbzeit beobachteten Mitglieder des Bremer Fanprojekts, dass es in dem Bereich, in dem zuvor Pyrotechnik gezündet wurde, zu einer Rangelei zwischen Fans und Ordnern kam. Die Situation soll sich allerdings schnell wieder aufgelöst und beruhigt haben. Das Fan-Projekt Bremen nahm dann zu Beginn der zweiten Halbzeit gemeinsam mit dem Fan-Beauftragten des SV Werder Bremen Kontakt mit dem zuständigen Einsatzleiter auf. In diesem Gespräch wurde ihnen nach eigener Schilderung deutlich gemacht, dass die Berliner Polizei in Bezug auf Pyrotechnik eine „Null-Toleranz-Schiene" verfolge und sich bereit machen würde, mutmaßlich identifizierte Personen in Gewahrsam zu nehmen. Laut Fan-Projekt wurde die andernorts häufig praktizierte Vorgehensweise, über szenekundige Bremer Beamte eine Identifikation der verdächtigten Pyrozünder vorzunehmen, vom Einsatzleiter abgelehnt. Stattdessen soll der Einsatzleiter von einem „kurzen invasiven Eingriff" gesprochen haben, welcher aus seiner Perspektive unumgänglich schien. Zu dieser Zeit soll es bereits zu einzelnen Festnahmen vermeintlich identifizierter Personen gekommen sein.

Die Berliner Polizei hatte gegenüber der DeichStube bestätigt, dass sie Personen auf dem Weg zum Getränkeeinkauf oder dem Toilettengang aufgegriffen und in Gewahrsam genommen habe.

„Dit ist Berlin Du linke Fotze!“

Nach Schlusspfiff versuchte die Polizei weitere Fans beim Verlassen des Stadions festzunehmen. Dabei soll sie laut Fan-Projekt-Bericht „mit aller Härte“ vorgegangen sein. Folge: eine „weitläufige Eskalation über den Kassenvorplatz des Olympiastadions“. Die gemachten Beobachtungen schildert das Fan-Projekt Bremen in seiner Stellungnahme wie folgt: „Aus der Bremer Fanszene konnten wir kaum Gegenwehr wahrnehmen, eher abwehrende Haltung bis hin zu Passivität beobachten. Allerdings wurden wir mehrfach Zeugen von unangebrachten Provokationen und Aussagen einzelner Berliner Polizeibeamter. So wurde unter anderem von einem Polizisten ,Dit ist Berlin Du linke Fotze!‘, ,Komm doch her, wenn du dich traust‘ und ,Rauf jetzt, Männer!‘ gerufen.

Anhänger von Werder Bremen zünden Pyrotechnik im Gäste-Block des Berliner Olympiastadion.

Als der zweite Teil der Bremer Fan-Szene dann das Stadion verlassen wollte, wurde laut Fan-Projekt-Bericht klar, dass auch hier der Fokus der Polizei darauf lag, Personen aus der Gruppe heraus zu ziehen. Gegen vereinzelte Zugriffsversuche wurde sich dann „etwas vehementer“ gewehrt. Zitat aus dem Erlebnisbericht: „Wir waren Zeuge davon, wie Berliner Polizisten immer wieder in die äußeren Reihen der Gruppe hineinboxten, traten und Kopfnüsse mit ihren Helmen austeilten. Die Gruppe wurde von allen Seiten bedrängt, so dass sich eine unübersichtliche und aufgeladene Situation entwickelte.“

Insgesamt wurden am Sonntag 26 Mitglieder der Bremer Fans-Szene in Gewahrsam genommen.

Zur Stellungsnahme der Fanhilfe Hertha B.S.C.

Zur Stellungsnahme des Fan-Projekt Werder Bremen

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