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Frank Baumann (links) war am Freitagabend der Ehrengast der diesjährigen Jahreshauptversammlung des Werder Fanclubs 27801. Präsident Ingo Kläner ernannte ihn zum 15. Ehrenmitglied.

Jahreshauptversammlung bei „27801“

Fanclub-Treffen: Baumann plaudert über geheime Transfers und Pizarro-Verlängerung

Dötlingen - Von Holger Rinne. Mit drei Niederlagen in Folge im Gepäck musste der diesjährige Ehrengast auf der Jahreshauptversammlung des Werder-Fanclubs „27801“ antreten.

Frank Baumann, von 1999 bis 2009 Lizenzspieler des SV Werder Bremen und seit 2016 Geschäftsführer Sport des Fußball-Bundesligisten, ging in seiner Begrüßung gleich in die Charme-Offensive. „Mehr als 1.700 Mitglieder ist schon eine Marke. Ich habe gehört, wenn es gut läuft, treten mehr Mitglieder ein. In zwei Jahren dürften es dann 5.000 sein.“

Angesicht des außerordentlich erfolgreichen Saisonauftakts ist die Werder-Welt auch nach drei Niederlagen immer noch in Ordnung. „Nach der Rückrunde habe ich diesen Saisonstart erwartet. Auch bei den Niederlagen gegen Gladbach und Leverkusen haben wir nicht so schlecht gespielt. Wir müssen gegen solche Gegner ans Limit gehen. Die Tore sind dann zu einem unglücklichen Zeitpunkt gefallen. Nur gegen Mainz haben wir wirklich schlecht gespielt“, analysierte der Manager und läutete die Fragestunde mit einer lockeren Aufforderung ein „Ihr könnt fragen, was ihr wollt. Ob ich antwortete, ist eine andere Frage.“

„Verhandlungen mit Spielern möglichst lange geheim halten“

Doch Baumann beantwortete alle Fragen, mal sachlich und ernst, ein anderes Mal aber auch mit einer kräftigen Prise Humor. Auf die Frage, ob er mit seinem bescheidenen und zurückhaltenden Auftreten in dem „Haifischbecken mit Spielervermittlern“ überhaupt klar komme, antwortete er aufklärend: „Natürlich gibt es im Bundesliga-Geschäft auch schwarze Schafe, aber die meisten Spielervermittler sind geschäftsmäßig und sachlich ausgerichtet. Mit denen verhandelt man lieber und erfolgreicher.“

Er ergänzte auf die Nachfrage, wie ihm angesichts der großen Konkurrenz denn Transfers wie Max Kruse, Thomas Delaney und Davy Klaassen gelungen seien: „Die Verhandlungen mit Spielern müssen wir solange wie möglich geheim halten, um das Interesse der anderen Vereine nicht zu wecken.“ Aus eigener Erfahrung weiß er, dass das Geld nicht immer ausschlaggebend ist. „Ich kam 1999 trotz besserer Angebote zu Werder. Das Umfeld mit einem Thomas Schaaf als Trainer und Franz Böhmert als Aufsichtsratschef hat mich damals sehr überzeugt.“

Alles zum Werder-Fanclub 27801

Baumann: Ein weiteres Jahr Pizarro? „Warum nur ein Jahr?“

Das scheint das Erfolgsrezept des gebürtigen Franken zu sein. Er will Spieler, die irgendwann aus der Fremde kamen und durch eine lange Karriere in Bremen mit dem Werder-Geist beseelt wurden, an Werder binden. Damit erweckt er gemeinsam mit Marco Bode und Hubertus Hess-Grunewald die legendäre Werder-Familie zu neuem Leben, die mit Franz Böhmert, Willi Lemke, Otto Rehhagel und Thomas Schaaf die erfolgreichste Werder-Ära begründete.

Diesen Geist will Baumann auch in der jetzigen Mannschaft wiederfinden. Mehrfach sprach er davon, dass die Stimmung in der Kabine entscheidend sein kann. „Wir hatten nicht immer nur Stars in der Mannschaft. Erfolgreich waren wir, wenn es auch in der Kabine gepasst hat.“ Die Diskussion führte zwangsläufig zur Pizarro-Frage. „Wird Claudio Pizarro nochmals um ein Jahr verlängern?“, hieß es aus dem Publikum. Baumanns Antwort spricht für sich: „Warum nur ein Jahr?“

Trikot für 1.700. Fanclub-Mitglied

Zweifelsohne ist der Manager ein Sympathieträger, dem man anmerkte, dass ihm die Nähe zu den Fans Spaß macht. Zum Höhepunkt überreichte Baumann gemeinsam mit Clubpräsident Ingo Kläner dem 1 700. Mitglied, Rudi Hinrichs, ein Werder-Trikot und wurde selbst zum 15. Ehrenmitglied des WFC 27801 ernannt.

Eine Antwort blieb Baumann den Fans allerdings schuldig: Wohin ging sein Auslandsflug am frühen Sonnabendmorgen, von dem er beiläufig erzählte? Bahnt sich etwa ein Neuzugang in der Winterpause an?

Frank Baumann: Seine Karriere in Bildern

Frank Baumann, 1975 in Würzburg geboren, wechselte 1991 in die Jugend des 1. FC Nürnberg. In der Saison 1994/1995 feierte er beim damaligen Zweitligisten sein Profi-Debüt. Mit den Franken stieg er 1998 in die Bundesliga auf...
Frank Baumann, 1975 in Würzburg geboren, wechselte 1991 in die Jugend des 1. FC Nürnberg. In der Saison 1994/1995 feierte er beim damaligen Zweitligisten sein Profi-Debüt. Mit den Franken stieg er 1998 in die Bundesliga auf... © imago
… 1999 im wohl dramatischsten Abstiegskrimi der Bundesliga-Geschichte aber wieder ab. Baumann hatte eine unrühmliche Nebenrolle, als er am letzten Spieltag kurz vor Schluss das leere Tor verfehlte. Nürnberg verlor 1:2 gegen den SC Freiburg.
… 1999 im wohl dramatischsten Abstiegskrimi der Bundesliga-Geschichte aber wieder ab. Baumann hatte eine unrühmliche Nebenrolle, als er am letzten Spieltag kurz vor Schluss das leere Tor verfehlte. Nürnberg verlor 1:2 gegen den SC Freiburg. © imago
Nach dem Abstieg wechselte Baumann zum SV Werder Bremen – seinen zweiten und letzten Verein als aktiver Profi. Bei Werder sollte er zehn Jahre lang den unaufgeregten Part im defensiven Mittelfeld übernehmen.
Nach dem Abstieg wechselte Baumann zum SV Werder Bremen – seinen zweiten und letzten Verein als aktiver Profi. Bei Werder sollte er zehn Jahre lang den unaufgeregten Part im defensiven Mittelfeld übernehmen. © Witters
Im Jahr 2000 wurde Baumann Mannschaftskapitän bei Werder. Als solcher war er beim größten Erfolg der Vereinsgeschichte mittendrin statt nur dabei: Er durfte beim Double 2004 Meisterschale und DFB-Pokal in die Höhe recken...
Im Jahr 2000 wurde Baumann Mannschaftskapitän bei Werder. Als solcher war er beim größten Erfolg der Vereinsgeschichte mittendrin statt nur dabei: Er durfte beim Double 2004 Meisterschale und DFB-Pokal in die Höhe recken... © imago
… und ließ sich beim Autokorso durch die Stadt gemeinsam mit Trainer Thomas Schaaf (l.) und Manager Klaus Allofs feiern.
… und ließ sich beim Autokorso durch die Stadt gemeinsam mit Trainer Thomas Schaaf (l.) und Manager Klaus Allofs feiern. © imago
Danach war Werder Dauergast in der Champions League, spielte gegen einige der größten Mannschaften der Welt. 2009 führte er Werder außerdem ins Finale des Uefa-Cups (1:2 gegen Schachtjor Donezk).
Danach war Werder Dauergast in der Champions League, spielte gegen einige der größten Mannschaften der Welt. 2009 führte er Werder außerdem ins Finale des Uefa-Cups (1:2 gegen Schachtjor Donezk). © imago
Auf dem Weg ins Endspiel gelang Baumann das wohl wichtigste Tor seiner Karriere, eines, das auf ewig einen Platz in der Vereinschronik haben wird. Der Kapitän traf im Halbfinal-Rückspiel gegen den HSV zum zwischenzeitlichen 3:1. Den „Assist“ verbuchte eine kleine weiße Papierkugel...
Auf dem Weg ins Endspiel gelang Baumann das wohl wichtigste Tor seiner Karriere, eines, das auf ewig einen Platz in der Vereinschronik haben wird. Der Kapitän traf im Halbfinal-Rückspiel gegen den HSV zum zwischenzeitlichen 3:1. Den „Assist“ verbuchte eine kleine weiße Papierkugel... © imago
Das letzte Spiel seiner Karriere sollte nochmal ein echter Höhepunkt werden. Baumann spielte 2009 mit Werder im Finale des DFB-Pokals in Berlin – und schlug Bayer Leverkusen mit 1:0. Zum Ende der Laufbahn bekam Baumann noch einmal den großen goldenen Pott in die Hände.
Das letzte Spiel seiner Karriere sollte nochmal ein echter Höhepunkt werden. Baumann spielte 2009 mit Werder im Finale des DFB-Pokals in Berlin – und schlug Bayer Leverkusen mit 1:0. Zum Ende der Laufbahn bekam Baumann noch einmal den großen goldenen Pott in die Hände. © imago
Zwischen 1999 und 2005 spielte Baumann 28 Mal für die deutsche Nationalmannschaft (zwei Tore). Er wurde 2002 Vize-Weltmeister und nahm 2004 an der Europameisterschaft teil.
Zwischen 1999 und 2005 spielte Baumann 28 Mal für die deutsche Nationalmannschaft (zwei Tore). Er wurde 2002 Vize-Weltmeister und nahm 2004 an der Europameisterschaft teil. © imago
Baumann startete 2010 bei Werder eine Laufbahn im Management, zunächst als Assistent von Geschäftsführer Klaus Allofs, später als Direktor Profifußball und Scouting. Im Sommer 2015 hörte Baumann in der Position auf...
Baumann startete 2010 bei Werder eine Laufbahn im Management, zunächst als Assistent von Geschäftsführer Klaus Allofs, später als Direktor Profifußball und Scouting. Im Sommer 2015 hörte Baumann in der Position auf... © imago
… kehrte aber nur etwa ein Jahr später zu seinem Club zurück: Nach der Entlassung von Thomas Eichin übernahm Baumann als Geschäftsführer Sport.
… kehrte aber nur etwa ein Jahr später zu seinem Club zurück: Nach der Entlassung von Thomas Eichin übernahm Baumann als Geschäftsführer Sport. © gumzmedia
In seiner Zeit als Sportchef verlängerte Baumann den Vertrag von Viktor Skripnik, musste den Trainer aber nach ganz schwachem Saisonstart in der Saison 2016/2017 entlassen. Später gab Baumann zu, dass die Vertragsverlängerung ein Fehler war.
In seiner Zeit als Sportchef verlängerte Baumann den Vertrag von Viktor Skripnik, musste den Trainer aber nach ganz schwachem Saisonstart in der Saison 2016/2017 entlassen. Später gab Baumann zu, dass die Vertragsverlängerung ein Fehler war. © gumzmedia
Baumann benannte Alexander Nouri als Nachfolger. Der führte Werder aus dem Abstiegskampf fast noch bis nach Europa, den Start in die Saison 2017/2018 verpatzte aber auch er gründlich. Baumann entließ ihn nach elf Spieltagen ohne Sieg.
Baumann benannte Alexander Nouri als Nachfolger. Der führte Werder aus dem Abstiegskampf fast noch bis nach Europa, den Start in die Saison 2017/2018 verpatzte aber auch er gründlich. Baumann entließ ihn nach elf Spieltagen ohne Sieg. © gumzmedia
Baumann beförderte U23-Coach Florian Kohfeldt zunächst zum Interims-, dann zum Cheftrainer. Kohfeldt schlug ein - und Baumann verlängerte seinen Vertrag.
Baumann beförderte U23-Coach Florian Kohfeldt zunächst zum Interims-, dann zum Cheftrainer. Kohfeldt schlug ein - und Baumann verlängerte seinen Vertrag. © gumzmedia

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