Rodrigo Rocha ist der größte Fan von Werder Bremen in Brasilien. Seine Trikotsammlung umfasst mehr als 100 Shirts.

Rodrigo Rocha ist das einzige Werder-Mitglied in Brasilien

Mehr als 100 Trikots und Tim Wiese als Tattoo auf dem Arm: Dieser Mann ist der größte Werder-Fan in Brasilien

Petropolis/Bremen – Er besitzt mehr als 100 Trikots und hat ein Tattoo von Tim Wieses Kung-Fu-Tritt auf dem Arm. Keine Frage: Rodrigo Rocha ist der größte Fan von Werder Bremen in Brasilien. Mehr noch: Er ist sogar das einzige dort lebende Vereinsmitglied.

Es ist an der Zeit, mit zwei Vorurteilen aufzuräumen. Erstens: Brasilianer mögen vor allem brasilianischen Fußball. Zweitens: Männer haben einen chaotischen Kleiderschrank. Rodrigo de Carvalho Rocha Salerno ist ein Mann, bei dem beides nicht gilt. Und das eine steht in direkter Verbindung zum anderen. Schuld ist Werder Bremen.

Sie hängen dicht nebeneinander, der Platz wird eng, aber noch reicht’s: Ungefähr 110 Trikots von Werder Bremen befinden sich in einem Kleiderschrank, in dem alles seine Ordnung hat: Rodrigo Rocha ist Trikotsammler und sortiert seine stattliche Auswahl in chronologischer Reihenfolge, von den alten Hemden der 70er-Jahre in Speckflaggen-Optik bis zum Jubiläumsshirt zum 120. Geburtstag des Vereins.

Rodrigo Rocha: Fan von Werder Bremen in Brasilien

Das Finden der Trikots ist für Rodrigo kein Problem. Also zumindest, wenn er die Trikots schon hat. Denn ansonsten ist das Finden schon ein ziemliches Problem. Rodrigo Rocha, 31 Jahre alt, kann nicht mal eben so in den Fan-Shop oder auf den Flohmarkt gehen und sich dort mit Werder-Trikots eindecken. Denn er lebt knapp 10.000 Kilometer von Bremen entfernt.

Rodrigo ist Brasilianer, wohnt mit seiner Frau, seiner Tochter und seinem neugeborenen Sohn in Petropolis in direkter Nähe von Rio de Janeiro – und ist komischerweise ziemlich großer Werder-Fan. „Ich weiß nicht, ob es die Farben sind oder eine natürliche Zuneigung. Ich weiß einfach, ich liebe diesen Club“, sagt Rodrigo im Interview mit der DeichStube.

Als es Werder Bremen schlecht ging, wurde Rodrigo Rocha Mitglied

Angefangen hatte alles wie bei so vielen anderen Kindern: Als Sechsjähriger bekommt Rodrigo von seinem Vater Sammelkarten zur WM 1994 geschenkt. Aus irgendeinem nicht mehr nachvollziehbaren Grund war Deutschland Rodrigos Lieblingsteam. Als zwei Jahre später die DFB-Elf die Europameisterschaft gewann, fing der Junge an, die Bundesliga zu verfolgen. Und als 2004 Werder Bremen das Double aus Meisterschaft und DFB-Pokal holte und die Verpflichtung von Nationalspieler Miroslav Klose bekanntgab, war es um Rodrigo geschehen. „Als Klose zu Werder kam, war alles perfekt. Ich hatte keinen Zweifel: Ich muss Werder-Fan werden.“

Zehn Jahre später war aus dem Champions-League-Teilnehmer Werder Bremen ein Abstiegskämpfer geworden. Ausgerechnet das nahm Rodrigo zum Anlass, Mitglied des Vereins zu werden. „Werder ist damals durch eine schwere Zeit gegangen. Ich wusste zwar, dass ich von den Vorteilen, Mitglied zu sein, in Brasilien nicht wirklich profitieren kann, aber ich wollte dem Club irgendwie helfen“, sagt Rodrigo. „Ich weiß, das ist nicht viel, aber ich fand, ich muss das für den Club tun.“ Bis heute hat Werder Bremen nur ein Mitglied in Brasilien – Rodrigo.

Rodrigo Rocha hat ein Tattoo von Tim Wieses Kung-Fu-Tritt auf dem Arm

Der 31-Jährige ist zweifellos der größte Werder-Fan des Landes. Den Club trägt er immer bei sich – denn anders als seine Trikots kann er seine Tattoos nicht ausziehen. „SVW“ steht auf seinen Fingern, die grün-weiße Raute ziert seinen Bauch – und auf seinem rechten Arm wird Tim Wiese für immer mit einem Kung-Fu-Tritt in Richtung von HSV-Stürmer Ivica Olic fliegen.

„Ich wollte ein Tattoo haben von einem der bemerkenswertesten Werder-Fotos oder -Momente“, sagt Rodrigo. Er hatte auch an Borowkas Standpauke für Karsten Bäron gedacht, an eine Basler-Ecke oder Klasnics Meister-Tor nach Olli Kahns Patzer. Dann wurde es Wiese gegen Olic. „Ich mag dieses Foto, weil es einen großen Moment der Nordderby-Rivalität repräsentiert, und weil ich Wiese mag. Er ist unglaublich!“

Werder Bremen: Blog über Trikotsammlung in Brasilien

In der Vergangenheit betrieb Rodrigo gemeinsam mit einem Kumpel eine Werder-Website auf Portugiesisch, bis er dafür keine Zeit mehr hatte. Jetzt führt er einen Blog und eine Instagram-Seite über seine Trikotsammlung. Dort postet er Bilder und Infos zu den Exponaten. Ein Highlight seiner Sammlung ist Werders 111-Jahre-Trikot. Das war auch sein bisher teuerstes. 250 Euro hat Rodrigo dafür bezahlt.

Insgesamt 8.000 Euro sind schon in seine Sammlung geflossen, berichtet der Werder-Fan. Meistens kauft er die Shirts beim Internet-Auktionshaus Ebay, aber es ist nicht einfach: Viele Verkäufer versenden gar nicht nach Brasilien, und wenn doch, dann kostet der Versand oft Unsummen.

Rodrigo Rocha hat etliche Trikots von Werder Bremen und Claudio Pizarro. (Klicken zum Aufklappen)

Werder Bremen: Über Freundschaften ans Jubiläumstrikot

Aber Rodrigo hat Hilfe. Über das Internet haben sich Freundschaften zu anderen Bremer Fans und Trikotsammlern gebildet. „Die kennen mich nicht mal, aber das sind einfach großartige Leute“, sagt Rodrigo. Durch sie ist er zum Beispiel an das begehrte 120-Jahre-Jubiläumstrikot gekommen.

Von dem Shirt wurden nur 1899 Exemplare hergestellt, es gab Chaos beim Verkauf und viele unzufriedene Fans, die leer ausgegangen sind. Auch Rodrigo musste lange suchen und herumfragen, aber dann hat es tatsächlich geklappt: „Ein großer Werder-Trikotsammler hat zwei Shirts gekauft: eins für sich und eins, das ich bekommen habe“, erzählt Rodrigo. „Er hat es mir für den gleichen Preis verkauft, den er bezahlt hat.“

Werder-Fan Rodrigo Rocha kommt 2020 nach Deutschland

Was keine Selbstverständlichkeit ist, die Shirts waren so gefragt, dass sie im Internet für ein Vielfaches vertickt wurden. „Das war eine unglaubliche Geste von Respekt und Freundschaft“, freut sich der Brasilianer. Es gibt sie also auch außerhalb des Vereins, die vielzitierte Werder-Familie, und sie kann Weltmeere überbrücken und Kontinente verbinden.

Persönlich kennt Rodrigo noch niemanden in Deutschland, aber das soll sich ändern. Für 2020 plant er eine große Reise. Berlin, Hamburg, Amsterdam und natürlich Bremen stehen auf dem Plan. „Zeit, sich einen Traum zu erfüllen“, sagt Rodrigo. Ganz bestimmt bringt er sich von der Reise noch das eine oder andere Trikot mit. Irgendwie werden die sich auch noch in den Schrank quetschen lassen.

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