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Hubertus Hess-Grunewald wünscht sich ein friedliches Nordderby.

Hubertus Hess-Grunewald: „Brauchen volle Unterstützung“

Derby-Wunsch: Diesmal sollen alle Werder-Fans ankommen

Bremen - Nordderby in Hamburg – das bedeutete bei den vergangenen beiden Partien auch deutliche Lücken im Werder-Fanblock des Volksparkstadions.

„Ich wünsche mir sehr, dass das diesmal anders ist. Wir brauchen die volle Unterstützung“, sagt Werder-Präsident Dr. Hubertus Hess-Grunewald vor dem Duell am Samstagabend und mahnt: „Diesmal sollen auch alle Fans in Hamburg ankommen und nicht von der Polizei gestoppt werden müssen, weil sie Dinge dabei haben, die bei einem Fußballspiel nichts zu suchen haben.“

Im April 2016 waren Reisebusse mit Werder-Fans auf dem Weg nach Hamburg aus dem Verkehr gezogen und die rund 100 Insassen nach Bremen zurückgeschickt worden. Die Polizei hatte zum Beispiel Waffen, Quarzhandschuhe, Mundschutz und Pyrotechnik gefunden. Ähnliches wiederholte sich sieben Monate später in einem S-Bahnzug – diesmal waren über 200 Fans betroffen. Natürlich hat Werder zu den besagten Gruppen über die eigenen Fanbeauftragten Kontakt aufgenommen und dabei auch an deren Vernunft appelliert. „Ich habe die Hoffnung, dass es da diesmal keine Probleme geben wird“, sagt Hess-Grunewald.

Werder-Präsident mit Anstoßzeit unzufrieden

Gleichzeitig lobt er ausdrücklich das Verhalten der vielen anderen Fans. „Da haben wir nach den vergangenen Nordderbys sehr gute Rückmeldungen von der Polizei und dem Unternehmen Metronom bekommen“, berichtet der Werder-Präsident. Deshalb empfiehlt er wieder die Anreise mit den Metronom-Zügen. Es werden spezielle Wagen eingesetzt, Werder stellt eigenes Ordnungspersonal. Gleiches gilt für den Stadionbereich am Werder-Fanblock. „Das hat sich bewährt“, so Hess-Grunewald.

Mit der Anstoßzeit ist der Werder-Präsident nicht so zufrieden: „18.30 Uhr finde ich unglücklich. Uns wurde mal gesagt, dass Nordderbys aus Sicherheitsgründen möglichst bei Tageslicht enden sollen. Aber ich gehe davon aus, dass sich DFL und Polizei da abgestimmt haben.“

Hess-Grunewald: „Setzen auf die Vernunft der Zuschauer“

Auch Werder stehe in einem engen Kontakt mit der Polizei – und natürlich auch mit den Sicherheits- und Fanbeauftragten des Hamburger SV. Ein Thema dürfte dabei auch die Anreise der Werder-Profis sein. Denn da gibt es eine unangenehme Vorgeschichte. Beim letzten Nordderby in Bremen, im April, wurde der HSV-Bus auf der Fahrt ins Stadion an der Ostkurve mit Farbbeuteln und einer Flasche beworfen.

„Das war inakzeptabel. Das haben wir den Fans damals im Nachgang auch ausdrücklich gesagt“, berichtet Hess-Grunewald. Droht da nun eine entsprechende Reaktion der HSV-Anhänger? „Ausschließen kann man das natürlich nicht. Aber wir werden jetzt nicht inkognito in abgedunkelten Siebensitzern anreisen. Wir setzen da auf die Vernunft der Zuschauer.“ Das gilt demnach hüben wie drüben. Hess-Grunewald wünscht sich einfach ein friedliches Derby – und natürlich den ersten Saisonsieg: „Das wäre schön und ganz wichtig für uns.“

Das Nordderby: Kuriose Fakten und spektakuläre Ereignisse

Symbolbild
Beim Nordderby im Jahr 1967 fand die erste Auswechslung der Bundesliga-Geschichte statt. Hamburgs Torhüter Arkoc Özcan hatte sich in der 18. Minute den kleinen Finger gebrochen – für ihn kam Ersatzkeeper Erhard Schwerin in den Kasten. Die Regel, die Auswechslungen ermöglichte, war erst kurz zuvor eingeführt worden. © imago sportfotodienst (Symbolbild)
Nordderby
Ende einer Serie: 36 Bundesligaspiele in Folge war der HSV zwischen den Jahren 1982 und 1983 ungeschlagen. Ausgerechnet Werder stoppte den Lauf des Rivalen. Die Grün-Weißen siegten 3:2. © imago sportfotodienst
Nordderby
Das Nordderby im Jahr 1972 wurde vor gerade einmal 8000 Zuschauern ausgetragen – Negativrekord. Weniger kamen davor und danach nie zum Duell der Nordrivalen. Ein Grund für das geringe Interesse: Kurz zuvor war der legendäre Bundesliga-Skandal aufgeflogen. © imago sportfotodienst
Nordderby
Ehrenrunde über dem Weserstadion: Nach Hamburgs Meisterschaft in der Saison 1982/1983 hatte Horst Hrubesch eine ganz besondere Idee. Auf dem Rückflug vom letzten Spieltag überredete der HSV-Profi den Piloten der Fokker-Maschine, eine Ehrenrunde über dem Weserstadion in Bremen zu drehen. © imago sportfotodienst
Nordderby
An diesen Tag erinnern sich die Bremer nur ungern. Am 27. November 1971 lässt Schiedsrichter-Legende Walter Eschweiler die Werder-Profis in der zweiten Halbzeit beim Auswärtsspiel in Hamburg mit HSV-Trikots auflaufen. Der Grund: Für Eschweiler waren sich Werder- und HSV-Trikots zu ähnlich – Verwechslungsgefahr! Weil Werder aber keine Ersatztrikots dabei hatte, mussten die Grün-Weißen die ungeliebte HSV-Raute auf der Brust tragen. © imago/Future Im age
Nordderby
Ailton ist eben doch ein Bremer! 2006 nagelte der Brasilianer im Trikot der Hamburger den Ball im Derby völlig freistehend aus acht Metern über das leere Tor. Der HSV unterlag 1:2. Durch die Pleite zog nicht Hamburg, sondern Bremen in die Königsklasse ein. Wenig später war Ailtons Zeit beim HSV beendet – er wurde verkauft. © nordphoto
Nordderby
Beim Derby 2008 versuchten die Hamburger im Kampf um die Champions-League-Plätze mit einem Psychotrick zu punkten: Beim Duell in Hamburg wurde die Gästekabine mit HSV-Flaggen ausstaffiert. Der erhoffte Erfolg blieb aus. Die Bremer ließen sich nicht beeindrucken, gewannen und wurden am Ende Zweiter in der Tabelle – der HSV musste sich mit Rang vier begnügen. © nordphoto
Nordderby
Werders höchster Auswärtssieg in Hamburg gelang am 22. September 2001 mit einem 4:0. Bremens gefeierter Held: Marco Bode. Der Stürmer erzielte einen Treffer selbst und bereitete zwei weitere vor. Das höchste Heimsieg war in der Meistersaison 2004 sogar ein 6:0. © nordphoto
Nordderby
Das wohl berühmteste Tor der Nordderby-Geschichte: Frank Baumanns Kopfballtreffer bedeutet für Werder den Einzug ins UEFA-Cup-Finale 2009. Es sorgte auch für einen der drei Werder-Siege gegen den HSV in drei Wettbewerben binnen 19 Tagen. Kurios war aber auch die Entstehung der Ecke vor Baumanns Tor: Der Ball hoppelte über eine Papierkugel, die ein HSV-Fan auf den Rasen geworfen hatte. HSV-Abwehrmann Michael Graavgaard traf den Ball nicht richtig - es gab Ecke für Werder. © imago
Nordderby
Ausgerechnet ein Wahl-Hamburger ersteigerte die legendäre Papierkugel. Matthias Seidel, Gründer von „transfermarkt.de“, erwarb die Kugel, um sie später im Werder-Museum ausstellen zu lassen. © nordphoto
Nordderby
Adrian Maleika. Der Name steht synonym für die größte Tragödie der Derby-Geschichte. Der Werder-Fan wurde vor dem Spiel am 16. Oktober 1982 auf dem Weg ins Volksparkstadion von Hamburger Hooligans brutal angegriffen. Bei einem Steinwurf erlitt der 16-jährige Lehrling einen Schädelbasisbruch und Gehirnblutungen. Einen Tag später starb er. Er gilt als erstes Todesopfer bei Hooligan-Übergriffen in Deutschland. © imago
Nordderby
Noch eine der ganz bitteren Geschichten des Nordderbys: Am 20. September 1989 spielte Ditmar Jakobs sein letztes Bundesliga-Spiel. Im Weserstadion rutschte der HSV-Verteidiger bei einer Rettungsaktion ins Tor. Dort bohrte sich ein defekter Karabinerhaken der Toraufhängung in seinem Rücken. Jakobs kam nicht mehr los, der Haken musste mit einem Skalpell herausgeschnitten werden. Dabei wurden seine Nerven so stark verletzt, dass an Profisport danach nicht mehr zu denken war. © imago
Nordderby
Niederlagen sind nie schön, die am 14. Mai 1988 gegen den HSV gilt aber als eine der schönsten Werder-Pleiten. Die Mannschaft von Trainer Otto Rehhagel ging zwar zu Hause mit 1:4 gegen die Hamburger baden. Aber das juckte keinen: Die Bremer hatten die zweite Deutsche Meisterschaft der Vereinsgeschichte schon perfekt gemacht - und durften nach dem Spiel die Schale vor den Augen des Rivalen in die Höhe recken. © imago
Nordderby
So unschön die Szene, so schnell wurde sie auch legendär: Werder-Keeper Tim Wiese verwechselte im Mai 2008 Fußball mit Kung Fu und senste beim Herauslaufen HSV-Stürmer Ivica Olic derart um, als wolle er ihm den Kopf abtreten. Ob Wiese da schon den Gedanken an eine Karriere im Wrestling entwickelt hat? Franz Beckenbauer sprach danach von Mordversuch, ein Unbekannter stellte sogar Strafanzeige wegen versuchten Totschlags. Der Schiedsrichter zeigte im Spiel jedenfalls nur Gelb. © imago
Nordderby
Klar ist: Werder Bremen gegen den Hamburger SV - es ist das ewige Duell der Bundesliga. Kein Spiel gab es häufiger. Zum 100. Nordderby präsentierten die Werder-Fans im Weserstadion eine beeindruckende Choreografie. „100 Spiele wie im Märchen“, schrieben die Fans und klappten das Geschichtsbuch auf. Am Ende stand: „Und die Moral von der Geschicht‘, Bremen ist geil, Hamburg nicht.“ © nordphoto

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