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Jubel, Double, Heiterkeit

So berichtete die Kreiszeitung am Dienstag, 1. Juni 2004, über den DFB-Pokal-Sieg und das Double von Werder Bremen.

Bremen - Von Arne Flügge und Björn Knips. Das wird Bremen nicht mehr vergessen: Erstmalig schaffte Werder das Double, holte nach der Meisterschaft auch den Pokal und löste damit in der Hansestadt erneut Ausnahmezustand aus. Zigtausende Fans feierten am Sonntag in der ganzen Stadt den größten Erfolg der 105-jährigen Vereinsgeschichte und rissen die fast schon ein wenig erfolgsmüden Profis noch einmal mit.

In Berlin hatten die Spieler am Samstagabend den 3:2 (2:0)-Sieg im Pokalfinale gegen Alemannia Aachen noch etwas zurückhaltend hingenommen. Die ganz große Ausgelassenheit auf dem Platz blieb aus. Verständlich, denn jeder hatte vom haushohen Favoriten diesen Sieg gegen den Zweitligisten erwartet. „Ist doch klar, dass man sich dann nicht ganz so freut“, gab Paul Stalteri ehrlich zu.

Und Sportdirektor Klaus Allofs nannte noch einen Grund für die gedämpfte Freude: „Beim Endspiel war auch viel Wehmut dabei. Schließlich war es für viele Spieler der letzte Auftritt bei uns, das hat man ihnen und auch den anderen angemerkt.“ Doch später bei der Ankunft in Bremen war es mit der Zurückhaltung vorbei. Die Fans bereiteten der Mannschaft von Trainer Thomas Schaaf schon auf dem Bahnhof einen beeindruckenden Empfang. Die Fortsetzung folgte bei der Straßenbahnfahrt durch die Stadt, der Höhepunkt dann auf dem voll besetzten Marktplatz. „Das ist einfach unglaublich“, strahlte Valerien Ismael: „Die Fans legen immer noch einen drauf.“

Genauso wie die Mannschaft, die neben der Meisterschale nun auch stolz den Pokal auf dem Rathausbalkon präsentierte. Und da gab es für die 20 000 Menschen auf dem Marktplatz kein Halten mehr. Denn allen war klar: So schnell wird es das nicht wieder geben. Dafür spricht allein schon die Statistik. Erst drei Vereinen gelang vor Werder Bremen das Double: FC Schalke 04 (1937), 1. FC Köln (1978) und Bayern München (1969, 1986, 2000, 2003). „Als ich davon gehört habe, war ich selbst ein bisschen überrascht“, meinte Stalteri und glaubt deshalb: „Wir werden wohl erst in zwei, drei Jahren begreifen, was wir Außergewöhnliches in dieser Saison geleistet haben.“

Bürgermeister Henning Scherf legte sich jedenfalls schon einmal fest, dass dies „einer der schönsten Tage ist, den wir in Bremen je erlebt haben“. Deshalb durfte sich die komplette Werder-Riege wie schon nach der Meistrerschaft ins Goldene Buch der Hansestadt eintragen. Und natürlich ist da für weitere Erfolge noch genug Platz frei. Aber so weit mochte zu diesem Zeitpunkt noch niemand denken. „Ich freue mich jetzt erst einmal auf meinen Urlaub“, sagte ein erschöpfter Ismael: „Und dann geht es am 1. Juli wieder von vorne los. Neues Spiel, neues Glück – so ist das im Fußball.“

Aber Bremen und umzu wird diese Meister- und Pokalhelden ganz sicher nie vergessen.

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