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Feier bis in die Morgenstunden, und Eilts machte Borowka zum „Eierkopf“

So berichtete die Kreiszeitung am 8. Mai 1992, zwei Tage nach Werder Bremens Triumph im Europapokal der Pokalsieger.

Lissabon (dpa). Werder Bremen feierte den Europapokal-Triumph wie die Fürsten. „Ein großer Tag für Bremen“, jubelte Werder-Präsident Franz Böhmert nach dem 2:0-Erfolg im Pokalsieger-Endspiel gegen den AS Monaco. „König“ bei der Sieger-Gala mit rund 400 Gästen im Rittersaal des Hotels „Do Guincho“ direkt am Atlantik, vor den Toren Lissabons, war Otto Rehhagel. „Trainer und Mannschaft sind für mich die Größten“, lobte Böhmert und reichte dem Chefcoach die randvoll mit Sekt gefüllte Europacup-Trophäe zum ersten Schluck.

Ausgelassen feierten Spieler, Funktionäre, Freunde und VIPs die Glanztat über den fünfmaligen französischen Meister und Pokalsieger, stimmten den Song „We are the Champions“ an, ließen die Sektkorken knallen, hörten Manager Willi Lemke Triumphschreie juchzen und erlebten, wie Uli Borowka eine Wette einlöste. Der Abwehrspieler ließ sich von Dieter Eilts unter großem Beifall eine Glatze schneiden. Kritik übte der kahlgeschorene Abwehrrecke trotz aller Heiterkeit jedoch an Bundesligatrainer Berti Vogts, der eine Einladung der Bremer zu diesem Finale ausgeschlagen hatte: „Er soll wegbleiben, denn er hat mich enttäuscht. Wir kommen ohne ihn viel besser klar, das hat man in diesem Endspiel wieder gesehen!

Der SV Werder feierte so bis in die frühen Morgenstunden, ehe die Müdigkeit vorübergehend für ein Ende der Fete sorgte. „Wir wollen es nicht ausarten lassen, denn es stehen noch zwei Bundesligaspiele auf dem Programm und einen verzerrten Wettbewerb wollen wir nicht zulassen“, erklärte Willi Lemke, dem nach dem 2:0 durch Wynton Rufer (55.) schon vor Ende des Spiels Freudentränen über die Wangen gekullert waren. Europacup-„Held“ Allofs, der den ersten Treffer (40.) schoss, nahm die Ovationen zurückhaltend entgegen: „Ich bin überglücklich, wenn ich es auch nicht zeigen kann.“

Auch Otto Rehhagel, der auf dem Spielfeld wahre Freudentänze aufgeführt hatte, blieb in der Stunde des Feierns ruhig und gelassen. Der „Vater des Erfolges“ hatte sich mit seiner Frau in die hinterste Ecke des Saales zurückgezogen, sinnierte über die vergangenen zwölf Trainerjahre an der Weser und seine Zukunft. „Das Präsidium hat stets zu mir gehalten. Ich bin dankbar, dass ich so arbeiten konnte“, sagte der 53jährige, nicht immer unumstrittene Chefcoach, der solange in der Hansestadt bleiben will, wie „ich was bewegen kann“.

Für die nächste Saison will Rehhagel eine noch schlagkräftigere Mannschaft aufbauen. Geld ist genug in der Vereinskasse, allein aus den neun Europacup-Partien erlösten die Bremer rund zehn Millionen Mark. „Der Verein ist wirtschaftlich in der Lage, etwas mehr zu tun“, will er auf dem Transfermarkt zuschlagen. Auch in der kommenden Saison winkt wieder ein warmer Geldregen. Die Bremer stehen mit dem Erfolg von Lissabon nämlich auch als erster Teilnehmer am Supercup-Spiel fest. Der Gegner wird zwischen FC Barcelona und Sampdoria Genua gesucht. „Wieder eine zusätzliche Millionen-Einnahme“, freute sich Lemke.

Jubel in und um Bremen – Trauer in Monte Carlo. Fürst Rainier von Monaco enttäuschte die Niederlage ebenso wie die Spieler. „Werder war die eindeutig bessere Mannschaft“, gab das Oberhaupt der Monegassen dem Bremer Bürgermeister Klaus Wedemeier mit auf den Heimweg. Der war lang, denn die Bremer konnten nur mit erheblicher Verspätung aus Lissabon abfliegen. Das Flugzeug mit der Mannschaft und 300 Fans an Bord erhielt gestern in Bremen für die planmäßige Ankunftszeit keine Landeerlaubnis, da der Flugbetrieb an der Weser durch den Streik beeinträchtigt ist. Die Maschine konnte erst um 18.30 Uhr landen.

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