+
Jubel ohne Grenzen: Werder feiert eine magische Nacht im Weserstadion.

Das zweite Wunder von der Weser

5:0 gegen Dynamo Berlin 1988: Der Wahnsinn geht weiter

Von Henning Harlacher. Als Deutscher Meister durfte Werder 1988/1989 am Europapokal der Landesmeister teilnehmen. Nur knapp ein Jahr nach dem ersten Wunder von der Weser sollte es das zweite geben: mit einem 5:0 gegen Dynamo Berlin.

Euphorie in ganz Bremen. Werder ist Deutscher Meister und qualifizert für den Europapokal der Landesmeister. Auf der größten europäischen Fußballbühne wollten die Jungs von Otto Rehhagel ebenfalls für Furore sorgen. Dass dies gleich in der ersten Runde der Fall sein sollte, hatte allerdings so niemand erwartet.

Nicht nur in Deutschland, sondern in ganz Europa hatten Fußball-Fans mitbekommen, dass sich an der Weser eine Mannschaft zusammengetan hatte, die nur sehr schwer zu schlagen war. Mit großem Kampfgeist und unbändigem Willen fightete sich die Elf von Otto Rehhagel damals von Sieg zu Sieg. In der ersten Runde des Landesmeisterpokals mussten die Bremer allerdings einen herben Rückschlag verdauen: eine derbe 0:3-Niederlage gegen den DDR-Meister Berliner FC Dynamo. War Werder doch noch nicht bereit, um gegen die ganz Großen zu bestehen?

Lemkes Trick: Shopping-Tour mit „Werder-Rabatt“

Doch! Denn die Spieler wussten noch aus der Vorsaison, wie man eine schier aussichtslose Situation noch umbiegen kann. Sie hatten noch die Bilder im Kopf, wie sie damals ein 1:4 im Hinspiel gegen Spartak Moskau noch mit einem 6:2 im Rückspiel gedreht hatten. Während sich nur ganz wenige Mannschaften für das Rückspiel nochmal zusammengerauft und wirklich an ein Weiterkommen geglaubt hätten – die Werder-Elf tat es an diesem 11. Oktober 1988.

Und dann war da noch der Trick von Werder-Manager Willi Lemke. Noch am Morgen des Spieltags lud er die Berliner zur Shopping mit „Werder-Rabatt“ ein. „Wir haben uns mehr Gedanken um unsere Elektrogeräte als um das Spiel gemacht“, sagte der Ostdeutsche Thomas Doll Jahre später dem NDR. Die Berliner waren abgelenkt – und die Bremer mächtig motiviert.

Kutzop, Hermann und Riedle brechen den Bann

Die Werderaner liefern von Anfang an Sturm auf das Tor des BFC, der kaum Zeit zum Durchatmen hatte. Immer wieder testeten Karl-Heinz Riedle, Norbert Meier und Co. die Fähigkeiten von Dynamo-Torhüter Bodo Rudwaleit. Die 23.500 Zuschauer im Weserstadion hofften auf eine weitere Sensation. Doch bis zur Halbzeit traf lediglich Michael Kutzop per Elfmeter (22. Minute).

In der zweiten Hälfte schien den Norddeutschen die Zeit wegzulaufen. Trotz weiterer hochkarätiger Chancen wollte das runde Leder nicht den Weg ins Tor finden. Ein Treffer der etwas besser ins Spiel findenden Berliner – und die Grün-Weißen hätten die weiße Fahne schwenken können. Doch die Bremer brachen den Bann: Günter Hermann in der 55. und anschließend Karl-Heinz Riedle in der 62. Minute trafen. Trainer Otto Rehhagel hatte also erneut den großen Rückstand aus dem Hinspiel egalisiert.

Sogar Thomas Schaaf trifft kurz vor Schluss

Die Werder-Fans peitschten ihre Mannschaft weiter nach vorne. Die Sensation war zum Greifen nahe. Als Manni Burgsmüller dann auch noch mit einem Flugkopfball zum 4:0 einnetzte, kannte die Partystimmung im Bremer Rund kein Ende. Zu stark spielte Werder an diesem Abend, um wirklich noch in Gefahr geraten zu können. In den letzten Sekunden durfte sich dann sogar noch Abwehrmann Thomas Schaaf mit seinem 5:0 in die Torschützenliste eintragen. Das zweite Wunder von der Weser war perfekt – und der Fernehkommentator sollte Recht behalten, als er nach Abpfiff sagte: „Ein Spiel, von dem man noch Jahrzehnte später sprechen wird.“

In der nächsten Runde wartete übrigens der schottische Vertreter Celtic Glasgow. Nach dem 1:0-Auswärtserfolg reichte Werder ein 0:0 im Weserstadion, um ins Viertelfinale einzuziehen. Gegen das Star-Ensemble des späteren Europapokalsiegers AC Mailand um Frank Rijkaard, Ruud Gullit und Marco van Basten war dann Schluss. Nach einem 0:0 im Weserstadion war es Stürmer van Basten, der mit seinem 1:0 im Giuseppe-Meazza-Stadion aus dem Wettbewerb kegelte. Doch die Rehhagel-Elf hatte erneut bewiesen, dass sie mit den Besten auf dem Kontinent mithalten konnte.

Aufstellung

Tor: Oliver Reck

Abwehr: Uli Borowka, Rune Bratseth, Thomas Schaaf

Mittelfeld: Michael Kutzop, Jonny Otten, Günter Hermann, Norbert Meier (74. Thomas Wolter), Mirko Votava

Sturm: Manfred Burgsmüller, Karl-Heinz Riedle

Trainer: Otto Rehhagel

Schon gelesen?

Das erste Wunder von der Weser: 6:2 gegen Spartak Moskau 1987

Das dritte Wunder von der Weser: 5:3 gegen RSC Anderlecht 1993

Das vierte Wunder von der Weser: 4:0 gegen Olympique Lyon 1999

DIE DEICHSTUBE ALS KOSTENLOSE APP

Die DeichStube gibt es jetzt auch als kostenlose App. Einfach downloaden!

Auch interessant

Was denkst Du über den Artikel?

Nichts mehr verpassen

Kommentare