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Heinz-Günther Zobel, Geschäftsführung Bremer Weser-Stadion GmbH, hat Zweifel an den Untersuchungsergebnissen des ARD-Recherche-Teams bezüglich angeblicher Keime im Bremer Weserstadion.

Gesundheitsamt sieht kein Hygiene-Problem

Alles sauber bei Werder

Bremen - Eines vorweg: Den subtilen Seitenhieb haben sich Heinz-Günther Zobel und sein Team verkniffen. Dabei hätte es durchaus Charme gehabt, während des Pressetermins am Mittwochmorgen anstatt der Kekse Fischbrötchen zu servieren.

Die Nachricht, die die Bremer Weserstadion GmbH während des Treffens in die Welt senden wollte, hätte es jedenfalls unterstrichen: Sowohl das Leitungswasser als auch die Fischbrötchen im Weserstadion sind sauber, der Verzehr unbedenklich.

Das haben das Bremer Gesundheitsamt und die Compass Group, Werders Caterer, ausdrücklich betont und dazu auf entsprechende Untersuchungsergebnisse verwiesen. „Jetzt haben wir echte Ergebnisse. In meinen Augen sind alle Vorwürfe widerlegt“, sagte Zobel, Geschäftsführer der Weserstadion GmbH. Er klang dabei ziemlich erleichtert – die Aufregung seit Anfang Juni war ja auch nicht eben klein gewesen.

Gesundheitsamt stellt ARD-Recherche in Frage

Die „ARD-Radio-Recherche-Sport“ hatte in einer auf Stichproben basierenden Untersuchung die hygienischen Verhältnisse in drei Bundesligastadien (Bremen, München, Köln) getestet und dazu verschiedene Snacks und das Trinkwasser untersucht. Die Bremer Proben waren Anfang März beim Heimspiel gegen Darmstadt 98 genommen und vom in Delmenhorst ansässigen Labor für chemische und mikrobiologische Analytik (Lafu) untersucht worden.

Herausgekommen waren dabei alarmierend erscheinende Ergebnisse: Keime, genauer: Staphylokokken und Legionellen, im Wasser aus den Hähnen der Herrentoiletten, dazu Fäkalkeime und Eiterbakterien auf zwei getesteten Fischbrötchen. Klingt ziemlich eklig und ist vor allem gesundheitsgefährdend – wenn es denn stimmt. Das stellten das Bremer Gesundheitsamt und die Compass Group am Mittwoch deutlich in Frage. „Wir sind uns sicher, dass unsere Produkte sicher sind“, sagte Dirk Reinhardt, der bei der Compass Group als Referent für Qualitätsmanagemant tätig ist.

„Wir ziehen die Untersuchung des Lafu in Zweifel“

Er verwies auf regelmäßige und unangekündigte Hygiene-Untersuchungen, die seit 2002, als die Zusammenarbeit zwischen Compass Group und Werder begann, stets ohne Befunde gewesen seien. Stadionchef Zobel betonte auch deshalb: „Wir ziehen die Untersuchung des Lafu in Zweifel. Vor allem, weil uns die Ergebnisse der Untersuchung nicht übermittelt worden sind.“ Sämtliche Versuche, die Unterlagen vom ARD-Recherche-Team über den daran beteiligten Bayerischen Rundfunk zu bekommen, seien ins Leere gelaufen. „Es wäre hilfreich für uns gewesen, zu wissen, wo die Belastungen im Wasser festgestellt worden sind“, sagte Markus Kaschubski, beim Bremer Gesundheitsamt für den Bereich Umwelthygiene zuständig.

Ohne dieses Wissen führte er am 6. Juni selbst Stichproben im Weserstadion durch, testete Wasser aus sechs Hähnen in verschiedenen Herrentoiletten. „Dabei war keine Grenzwertüberschreitung festzustellen. Das Trinkwasser ist nicht gesundheitsgefährdend“, sagte er. Davon ist auch Heinz-Günther Zobel überzeugt – von der Seriösität der ARD-Vorgehensweise hingegen nicht. So seien die Voraussetzungen für derartige Untersuchungen während eines Spiels gar nicht gegeben. 

„Wie bekommen Sie denn die Dosen und Fläschchen für die Wasserproben am Ordnungsdienst vorbei? Und wie gewährleisten Sie, dass bei den Fischbrötchen die Kühlkette nicht unterbrochen wird?“ Auf diese Fragen wird der Stadion-Chef wohl keine Antworten bekommen, juristische Schritte schloss er aus. Von Seiten des Gesundheitsamtes hieß es noch, dass die Behörde früher mit dem Lafu zusammengearbeitet habe, es heute aber nicht mehr tue. Das Labor würde die formalen Kriterien nicht mehr erfüllen. Tatsächlich ist das Lafu weder in Bremen noch in Niedersachsen für Trinkwasseruntersuchungen zugelassen.

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