Finsterer Gesichtsausdruck bei Klaus Allofs. Nach dem dritten sieglosen Spiel in Folge rüttelt der Werder-Geschäftsführer an der Alarmglocke. ·

Fehler hinten, Fehler vorne – so ist das europäische Geschäft kaum zu erreichen

Allofs schlägt Alarm: „Unsere Ziele sind in Gefahr“

Bremen - Wo sollte er anfangen? In der Defensive, die wieder einmal nicht dicht gehalten hatte? Oder doch besser in der Offensive, die ihrem Auftrag, Tore zu produzieren, nur einmal – und damit einmal zu wenig – nachgekommen war?

Klaus Allofs entschied sich, bei seiner Analyse des 1:1 (0:0) von Werder Bremen beim FC Augsburg erstmal das große Ganze aufs Korn zu nehmen. „Das war deutlich zu wenig“, sagte der Geschäftsführer der Gäste und artikulierte nach dem dritten sieglosen Spiel in Folge frustriert seine große Sorge für die Zukunft: „Wenn wir es nicht schaffen, diese Vielzahl an Fehlern abzustellen, sind unsere Ziele in Gefahr.“

Die Ziele – das sind die Plätze eins bis sechs in der Bundesliga-Tabelle, das internationale Geschäft also. Dahin will Bremen zurück. Und sah es bis vor vier Wochen noch so aus, als wäre die Mannschaft hinter Überflieger Bayern tatsächlich der Top-Anwärter auf einen der begehrten Plätze, so muss diese Einschätzung nach den jüngsten Eindrücken dringend revidiert werden. Auch Allofs sagte in Augsburg: „Ich bin enttäuscht. Bei unseren Ansprüchen müssen wir hier gewinnen.“

Werder in der Einzelkritik

Die Einzelkritik: Der böse Wolf macht noch was gut

Tim Wiese: Die Sperre hat ihm nicht geschadet, klasse Parade gegen Bellinghausen (34.). Ansonsten wenig gefordert, beim Gegentor machtlos. Note 3 © nordphoto, dpa
Sokratis (bis 63.): Kaum Verkehr auf seiner Außenbahn – so langsam wird deutlich, warum er als Innen- und nicht als Rechtsverteidiger gilt. Hinten ebenfalls mit Problemen, und dann drohte ihm auch noch die Ampelkarte. Note 5 © nordphoto, dpa
Andreas Wolf: Einfach gruselig diese Fehler. So wie beim 0:1 darf ein Bundesliga-Spieler nicht über den Ball schlagen, und Wolf hatte es zuvor schon einmal gemacht. Dafür aber auch Vorlagengeber zum 1:1. Deshalb noch die Note 5 © nordphoto, dpa
Naldo: Immer wieder Naldo. Der Brasilianer gewann einen Zweikampf nach dem anderen, den wichtigsten gegen Bellinghausen (27.). Nur in der Vorwärtsbewegung wirkte der Abwehrchef nach seiner langen Verletzungspause noch etwas hölzern. Note 2 © nordphoto, dpa
Lukas Schmitz: Anders als Sokratis viel unterwegs, gefährlich wurde es auf der linken Seite trotzdem nur sehr selten, weil Schmitz oft die Mittel dazu fehlten. Note 4 © nordphoto, dpa
Aleksandar Ignjovski: Der neue „Sechser“ begann so giftig wie immer, wirkte gerade offensiv aktiver als Vorgänger Bargfrede. Doch das Level konnte der junge Serbe nicht halten. Note 3,5 © nordphoto, dpa
Clemens Fritz: Wo war eigentlich Fritz? Sonst immer der auffälligste Bremer, in der Augsburger Puppenkiste war der Kapitän nur ein Nebendarsteller. Note 4 © nordphoto, dpa
Aaron Hunt: Bekam einfach kein Tempo in sein Spiel. Nur seine Freistöße sorgten für etwas Gefahr. Note 4 © nordphoto, dpa
Marko Marin (bis 58.): Als Spielmacher viel zu selten am Ball. Vielleicht riskierte er deshalb auch zu viel und schockte damit seine Abwehr. Note 5 © nordphoto, dpa
Markus Rosenberg: Erst glücklos (21., Kopfball an die Latte), dann unfassbar harmlos, als er aus acht Metern nicht trifft (45.). Versuchte sich noch als Vorbereiter (81.). Note: 4 © nordphoto, dpa
Claudio Pizarro: Jetlag mit Verspätung? Eine Woche nach seiner Südamerika-Tour schlapp und unkonzentriert wie selten zuvor. Dann wacht der Torjäger plötzlich auf, und bringt so viel Druck hinter den (Kopf-)Ball wie kaum ein anderer – 1:1 (68.). Er hätte dann noch zum Matchwinner werden müssen, scheiterte aber zweimal (76. und 81.) völlig freistehend an Jentzsch. Note 4,5 © nordphoto, dpa
Sandro Wagner (ab 58.): Sorgte für Schwung und hätte fast noch das Siegtor erzielt (87.). Note 3 © nordphoto, dpa
Mehmet Ekici (ab 63.): Das wird ihm gut tun: Seine Ecke führte zum Ausgleich. Viel mehr gab‘s dann aber auch nicht mehr zu sehen. Note - © nordphoto, dpa

Zwischen Müssen und Haben liegt aber noch das Machen – und damit hat Werder derzeit große Probleme. Erst die 2:3-Niederlage bei Hannover 96, die von allen Bremer Beobachtern als unnötig deklariert worden war. Dann die 0:2-Pleite gegen Meister Borussia Dortmund, die wiederum etwas abgeschwächt in die Kategorie „Kann auch anders ausgehen“ eingestuft werden durfte. Nun das 1:1 nach 0:1-Rückstand bei Aufsteiger Augsburg, der wahrlich kein gigantischer Gegner war. Was ist da los? Allofs bemühte sich, eine fundierte Antwort zu finden, musste aber passen: „Ich kann es nicht sagen.“

Er scheiterte an der Unmöglichkeit, Aussetzer wie den von Andreas Wolf zu verstehen. Wieso, weshalb und warum der routinierte Abwehrspieler in der 49. Minute im eigenen Strafraum den Ball verlor, vermochte der 29-Jährige zwar zu schildern (siehe nebenstehenden Text), unerklärlich bleibt es trotzdem. „Krass“ nannte der Sportdirektor den Fehler, den Axel Bellinghausen zur Augsburger Führung nutzte. Allofs wähnte sich in diesen Augenblicken in einer Zeitschleife mit hohem Grusel-Faktor. „Es war ähnlich wie gegen Dortmund“, seufzte der 54-Jährige: „Wir haben im Spiel ein leichtes Übergewicht und machen dann die Fehler.“

Remis in Augsburg

Werder holt Punkt in Augsburg

Nichts war es mit dem erhofften Befreiungsschlag für Werder in Augsburg. Beim Aufsteiger reichte es nach schwacher Leistung und ebenso schwacher Chancenauswertung nur zu einem 1:1. © Nordphoto, dpa
Nichts war es mit dem erhofften Befreiungsschlag für Werder in Augsburg. Beim Aufsteiger reichte es nach schwacher Leistung und ebenso schwacher Chancenauswertung nur zu einem 1:1. © Nordphoto, dpa
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Diese „Wie-man-es-besser-nicht-machen-sollte-Schablone“ passte in dieser Saison aber nicht nur auf die Partien gegen den BVB oder den FCA – nein, bereits zum siebten Mal geriet Werder in Rückstand, ohne zuvor an die Wand gespielt worden zu sein. Für Allofs ist das „erstaunlich“ und die Wurzel des Übels: „Wir stehen hinten einfach nicht wie gewünscht. Das müssen wir abstellen.“

Gegen Freiburg, Hoffenheim und Hertha wurden aus den Rückständen noch Siege, gegen Augsburg gab’s nur einen Punkt. „Es geht eben nicht immer, ein Spiel zu drehen“, meinte Allofs. Wenngleich es hätte klappen können – ja, müssen. Claudio Pizarros Ausgleich (68.) folgten Riesenchancen durch wiederum Pizarro und den eingewechselten Sandro Wagner. Es waren die Szenen, die die Aufmerksamkeit weg von Wolf und den Abwehrfehlern hin zur Chancenverwertung leiteten und dem Spektrum der Kritik eine neue Dimension gaben. Es hapert eben nicht nur hinten, sondern auch vorne. „Wir müssen auch unsere Chancen besser nutzen“, haderte Allofs.

Die guten letzten 30 Minuten (nach ziemlich schlechten ersten 60 Minuten) lieferten Trainer Thomas Schaaf den Grund, die Moral der Mannschaft zu loben: „Wie sie nach dem Rückstand zurückgekommen ist, war gut.“ Und sie gaben Anlass, über einen „verpassten Sieg“ und das „fehlende Quäntchen Glück“ (jeweils Clemens Fritz) zu lamentieren. Letztlich gerieten derlei Aussagen aber nur in den Verdacht der Augenwischerei. Denn unterm Strich steht das Remis. Und das, sagte Allofs, „ist ein Rückschlag für uns“. Was auch an der Tabelle abzulesen ist. Nach Wochen auf Platz zwei sind die Bremer nun auf Rang sechs angekommen. Die Alarmglocken läuten. · csa

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