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Arnd Zeigler bei der Arbeit: Seit 17 Jahren ist er nun schon Stadionsprecher beim SV Werder – und er glaubt fest daran, dass nun wieder sportlich bessere Zeiten kommen.

Werder-Stadionsprecher glaubt an dauerhaften Aufschwung

Zeigler im Interview: „Man witzelt nicht mehr über Werder“

Bremen - Er hat sich und den Werder-Fans quasi „Lebenslang Grün-Weiß“ verordnet: Arnd Zeigler, der Sänger der Werder-Hymne von den „Original Deutschmachern“.

Seit 2001 ist der 53-Jährige schon die Stimme des Weserstadions – gemeinsam mit Christian Stoll. Zeigler arbeitet auch als Radio-Moderator (Bremen 4) und hat im WDR seit 2007 seine eigene, wöchentliche TV-Sendung „Zeiglers wunderbare Welt des Fußballs“. Am liebsten spricht er natürlich über Werder, seinen Herzensclub.

Die Interview-Anfrage der DeichStube beantwortete Zeigler sofort mit einem Ja – und erklärte dann, warum diesmal bei Werder alles gut wird, weshalb er Thomas Delaneys Wechselwunsch verstehen kann und welches Trikot er sich kaufen wird.

Herr Zeigler, wie gefällt Ihnen der Begriff Aufbruchstimmung?

Arnd Zeigler: Gut, weil ich das zum ersten Mal seit Jahren bei Werder auch wirklich empfinde. Natürlich hatte man auch, als Robin Dutt, Viktor Skripnik und Alexander Nouri kamen, das Gefühl, es verändert sich etwas. Doch jetzt wirkt es von außen betrachtet nachhaltiger und beschränkt sich nicht nur auf die Mannschaft, sondern betrifft den ganzen Verein. Da ist ein Geist entstanden, der viel bewirken kann. Eines möchte ich aber noch betonen, wenn ich darf.

Gerne.

Zeigler: Ich mag es nicht, wenn jetzt unterschwellig so getan wird, als seien Dutt, Skripnik und Nouri Fehlbesetzungen auf Werders Trainerbank gewesen, die allesamt nichts bewegt hätten. Alle haben auf ihre Weise etwas versucht und Dinge verändert, die teilweise bis in die Gegenwart hineinwirken. Okay, Robin Dutt hat als Trainer nicht funktioniert, aber ich habe erlebt, wie akribisch er gearbeitet hat.

Wie nehmen Sie Florian Kohfeldt wahr?

Zeigler: Er geht anscheinend betont ganzheitlich an die Sache ran. Er hat eine Vision. Er hat nicht nur auf zwei, drei Knöpfe gedrückt, sondern die ganze Mannschaft, letztlich den ganzen Verein auf links gezogen. Florian geht ganz klar über den Status eines Soforthelfers hinaus.

Wird Kohfeldt nach nur einem halben Jahr im Amt nicht überhöht?

Zeigler: Natürlich muss man da aufpassen – gerade nach den Erfahrungen der letzten Jahre. Es kann auch unter Florian Kohfeldt mal drei Niederlagen am Stück geben. Aber: Für ihn sprechen nicht nur die guten Ergebnisse, sondern da ist eine Stabilität, die wir lange nicht hatten. Werder wird von keinem Gegner mehr auseinandergenommen, hat immer spielerische Lösungen und kann auch gegen personell klar bessere Teams bestens bestehen. Und dabei wird kein Bus vor dem eigenen Tor geparkt, wie es so schön heißt. Kohfeldt macht die Spieler einfach besser und lässt sie aktiv und kreativ guten Fußball spielen.

Ist Florian Kohfeldt der neue Thomas Schaaf und Frank Baumann der neue Klaus Allofs?

Zeigler: Das wünschen wir uns doch alle. Schaaf und Allofs standen für Kontinuität und Erfolg. Ich weiß, dass viele den Begriff Werder-Familie belächeln oder gar verfluchen, wenn es gerade mal nicht läuft. Es wird oft kritisiert, dass wir Werderaner im eigenen Saft schmoren, weil hier viele ehemalige Profis arbeiten. Aber es bekommt ganz sicher niemand aus Kumpanei bei Werder einen Job, weil er so ein netter Kerl ist. Da bin ich mir ganz sicher. Ich finde, es passt jetzt gut bei Werder – und höre das auch immer wieder.

Wo?

Zeigler: Nicht nur in Bremen. Ich bin ja viel unterwegs. Man witzelt nicht mehr über Werder. Vor zwei Jahren warst du in der gleichen Schublade wie ein HSV-Fan. Da warst du ein Verlierer. Es hieß nur noch: Dein Verein hat kein Geld, der bekommt nichts gebacken, die guten Zeiten sind für immer vorbei. Irgendwann hast du das fast selbst geglaubt. Aber dieses desaströse, bleierne Gefühl ist weg. Ich glaube nicht, dass wir jetzt in den nächsten zwei Jahren durch die Decke gehen werden, aber ich spüre: Hier wächst was!

Was hat Ihnen in dieser Saison am meisten Spaß gemacht?

Zeigler: Die Mannschaft hat uns den Stolz zurückgegeben. Ich erinnere mich an das Auswärtsspiel in Dortmund. Früher bin ich da hingefahren und habe mir nichts ausgerechnet. Möglichst nicht hoch verlieren war in solchen Spielen oft das Höchste der Gefühle. Diesmal habe ich schon gedacht, da geht was. Und dann gewinnen wir da wirklich. Danach fährst du nach Hause und denkst: Cool!

Worauf freuen Sie sich in der neuen Saison?

Zeigler: Auf die Ideen von Florian Kohfeldt. Ich finde es total spannend, wen er gerade dazuholt, wie sich das auf unser Spiel auswirken könnte. Der Verein scheint auch völlig weg davon zu sein, keine vernünftigen Spieler mehr verpflichten zu können. Es werden sogar fertige Bundesliga-Spieler geholt wie Yuya Osako oder Martin Harnik, von denen du genau weißt, was du bekommst.

Aus der Zweiten Liga wurde noch Kevin Möhwald geholt. Wünschen Sie sich weitere Neuzugänge?

Zeigler: Wie jeder Fan bin natürlich auch ich ein bisschen geil darauf, neue, tolle Spieler zu sehen. Aber wir haben selbst noch ganz viele spannende Spieler, die schon hier sind: Milot Rashica wird richtig durchstarten. Total gespannt bin ich auf Josh Sargent und die weiteren Schritte von Johannes Eggestein.

Wie sehr werden Sie Zlatko Junuzovic vermissen?

Zeigler: Als Typ schon sehr. Solche Charaktere brauchst du einfach. Außerdem war er fast sieben Jahre hier, das ist selten heutzutage. Das liebe ich auch so an Philipp Bargfrede. Den siehst du einfach immer in deinem Trikot. Solche Spieler haben das Recht, nach Toren das Wappen zu küssen. Bei manch einem wirkt das ja hingegen etwas befremdlich.

Welches Trikot kaufen Sie sich für die neue Saison?

Zeigler: Gute Frage. Mit einem Max-Kruse-Trikot liegt man nie falsch. Niklas Moisander ist ein super Typ, aber in einem Alter, da wird man sein Trikot auch keine fünf Jahre mehr tragen können. Jiri Pavlenka wäre auch nicht schlecht. Aber ich glaube, ich nehme wieder Philipp Bargfrede. Er ist ein würdiger Nachfolger von Petri Pasanen, von dem habe ich ganz viele Trikots.

Wie sehr berührt es Sie, wenn ein Spieler wie Thomas Delaney so offensiv wie jetzt mit einem Wechsel kokettiert?

Zeigler: Da bin ich zwiegespalten. Einerseits hätte ich mir Delaney als zentrale Figur bei Werder auf Jahre hinaus gewünscht. Ich habe ihm das sogar ganz am Anfang mal so gesagt, habe ihm mein Werder-Buch geschenkt und dazu geschrieben, dass ich auf viele neue Kapitel hoffe, in denen er ab jetzt eine große Rolle spielt. Darüber hat er sich damals sehr gefreut, glaube ich.

Vielleicht sollten Sie ihn daran jetzt noch mal erinnern.

Zeigler: Gute Idee. Ich möchte aber festhalten: Er hat immer mit offenen Karten gespielt und eine Offenheit und Ehrlichkeit an den Tag gelegt, die man in dieser Form nicht oft findet. Und, auch wenn es bitter für Werder ist: Man muss sich auch klar machen, dass für einen Spieler seiner Qualität so ein Wechsel zwangsläufig interessant sein muss. Er ist Profi, er ist in einem perfekten Alter, und er hat nun die Gelegenheit, für mehr Geld bei einem Verein zu spielen, der mutmaßlich dauerhaft in der Champions League stattfindet. Es gibt nicht viele Argumente für ihn, so etwas abzulehnen. Er wird mir fehlen, aber ich verstehe seinen Wunsch und verurteile ihn nicht. Und Frank Baumann wird schon etwas Gutes als Lösung für die Nachfolge im Kopf haben.

DeichStuben-Reporter Björn Knips traf Arnd Zeigler in der DeichStube am Brommyplatz.

Wer darf Werder auf keinen Fall verlassen?

Zeigler: Jiri Pavlenka darf gerne bis weit nach seinem Tod bei uns im Tor stehen. Niklas Moisander soll spielen, bis er 40 ist. Milos Veljkovic soll unbedingt bleiben. Ich könnte noch viel mehr nennen, es sind mir so viele ans Herz gewachsen. Philipp Bargfrede darf natürlich nicht fehlen. Was wurde er in diversen Internet-Foren verspottet, wenn er verletzt war. Das hat mich immer extrem geärgert, weil es so respektlos und empathielos war. Philipp ist so gut und wichtig für die Mannschaft. So stelle ich mir einen Werderaner vor.

Könnten Sie mit einem anderen Stadionnamen leben?

Zeigler: Nur bei einem total unmoralischen Angebot. Für zwei Millionen Euro im Jahr muss man das nicht machen. Ich würde mir im Idealfall einen Sponsor wünschen, der bezahlt, aber den Namen bewahrt und dafür gefeiert wird.

Die meisten Werder-Fans haben sich irrsinnig gefreut, als der Hamburger SV endlich abgestiegen ist. Wie war es bei Ihnen?

Zeigler: Ich habe Freunde, die sind HSV-Fans – und für die freue ich mich nicht. Ich weiß, wie beschissen es ihnen geht. Aber objektiv betrachtet, ist der HSV verdient abgestiegen. Man darf einfach nicht ungestraft über so viele Jahre so viel falsch machen. Ich denke da vor allem an diese vielen merkwürdigen Transfers. Da wurden permanent irgendwelche Brasilianer für Positionen geholt, auf denen das gar nicht nötig gewesen wäre. Wenn ich HSV-Fan wäre, würde ich mich inzwischen, wo sich der Rauch etwas verzogen hat, auf die Zweite Liga freuen, weil sich jetzt endlich mal etwas in diesem Verein bewegen muss und sich eine neue Mannschaft mit vielen jungen Spielern entwickelt. Aus der Not heraus sind so ja mitunter schon richtig gute Mannschaften herangewachsen.

Wie bereiten Sie sich auf die neue Saison vor?

Zeigler: Ganz entspannt. Früher habe ich während der WM exzessiv viel gearbeitet, dieses Mal weniger. Die WM fixt mich auch nicht so an. Ich habe Angst vor den Video-Assistenten in Russland. Über das Thema werden wir während der WM todsicher jeden Tag reden müssen. Aber natürlich werde ich viel gucken.Und dann freue ich mich auf unseren Tag der Fans am 11. August. Das ist für mich immer der emotionale Startschuss in die Saison.

Apropos Videobeweis: Wie wirkt sich das auf Ihre Arbeit als Stadionsprecher aus?

Zeigler: Es ist manchmal schrecklich! Beim Spiel gegen den HSV war zwei Minuten lang nicht klar, ob unser Tor jetzt zählt oder nicht. Und für dich als Stadionsprecher ist das nicht schön. Denn normalerweise würde das Stadion nach dem vermeintlichen Siegtreffer zwei Minuten vor Schluss im wichtigsten Spiel des Jahres abheben, aber du musst mit der Tormusik warten, weil sich der Schiedsrichter ans Ohr fasst. Ich will nächste Saison die Tormusik immer sofort nach einem Tor hören können.

Muss der Videobeweis also abgeschafft werden?

Zeigler: Puh, das ist wirklich schwierig. So wie aktuell hat der Videobeweis jedenfalls keine Zukunft.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Zeigler: Eine sorgenfreie Saison – und den nächsten Maximilian Eggestein. Es war beeindruckend, wie Maxi sich letzte Saison entwickelt hat. So kann es gerne weitergehen.

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