Aron Johannsson
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Aron Johannsson war schon abgeschrieben, jetzt ist er bei Werder Bremen endlich im Kommen.

Stürmer erlebt kleines Wunder

Johannsson: „Der Trainer ist gut für mich“

Bremen - Nicht immer ging es auf Deutsch. Manchmal, wenn es kompliziert wurde, wechselte Aron Johannsson doch lieber ins Englische.

Das flutscht besser über seine Zunge, und es fällt ihm leichter, das kleine Wunder, das er gerade erlebt, zu erklären. Eigentlich, führt der Stürmer des SV Werder also aus, sei für ihn persönlich Werder-Coach Florian Kohfeldt der Schlüssel zu allem. „Jetzt habe ich einen Trainer, der wirklich an mich glaubt und der mir das auch vom ersten Tag an gesagt hat. Das ist gut für mich“, meint der 27-Jährige, der offenbar ein Paradebeispiel dafür ist, was entgegengebrachtes Vertrauen mit einem Spieler machen kann.

Johannsson hat lange kein Vertrauen gespürt beim SV Werder. Entweder weil es sich wegen langer Verletzungsphasen ohnehin erübrigt hatte, oder weil er es schnell verspielte, wenn er es bekam. Unter Kohfeldt-Vorgänger Alexander Nouri heftete Johannsson sogar das Etikett „Aussortiert“ an. Die Lage schien hoffnungslos, und die Zeit in Bremen drohte als große Karrierekrise in seine Vita einzugehen. Doch jetzt gibt es eine neue Chance, das noch zu verhindern.

Kohfeldt: „Er verbindet Unbekümmertheit und Ernsthaftigkeit“

Der Isländer mit dem US-Pass spielt wieder bei Werder. Eine gewinnbringende Einwechslung gegen Schalke, ein torbringender Startelf-Einsatz gegen Leverkusen, ein ordentlicher Job gegen Wolfsburg – Johannsson ist zurück, das lässt sich sagen. Und während der Spieler das auf das Vertrauen des Trainers zurückführt, sieht der Trainer den Grund allein beim Spieler.

Kohfeldt: „Aron ist wegen seiner Verletzungen durch ein tiefes Tal gegangen, ist dabei aber nie verkrampft. Er verbindet Unbekümmertheit mit Ernsthaftigkeit, er hat gelernt, mit Widrigkeiten umzugehen. Das alles miteinander kombiniert bringt ihn in die Position, dass er in unseren Überlegungen eine große Rolle spielt.“ Und eins noch: Johannsson, unter Kohfeldt als Rechtsaußen eingesetzt, hat das Verteidigen gelernt. „Das“, lacht der Angreifer, „ist wirklich neu.“

Man könnte deshalb nun vom „neuen Johannsson“ sprechen, doch das wäre wohl Quatsch. Vielleicht ist es einfach nur so, dass Werder Bremen zweieinhalb Jahre nach seiner Verpflichtung endlich den echten Johannsson zu sehen bekommt. Allerdings hat dieser Gedanke noch nicht die Entwicklung von der Hoffnung hin zur Realität genommen. Zu kurz erst steht Johannsson wieder auf der Bühne, als dass seine Leistungen schon als gelungenes Comeback gefeiert werden dürften. Aber der Anfang ist gemacht.

Darüber ist der Profi natürlich mehr als glücklich. Denn hinter ihm liegen von Verletzungen und vergebenen Möglichkeiten geprägte zweieinhalb Jahre. „Nicht einfach“ sei diese Zeit gewesen, das betont Johannsson immer wieder. Und wer ihn in dieser Zeit hin und wieder beobachtet hat, kann auch nicht bestätigen, dass die Unbekümmertheit, von der Kohfeldt spricht, ein Dauerzustand gewesen wäre. „Aber ich habe immer an mich geglaubt und habe weitergearbeitet“, sagt Johannsson. Nun wird er dafür belohnt.

Es ist sehr gut möglich, dass Kohfeldt ihn auch am Samstag im Spiel beim SC Freiburg stellt. Genauso gut ist es aber auch vorstellbar, dass Neuzugang Milot Rashica den Vorzug bekommt. Schließlich ist Johannsson – auch das ist eine Erkenntnis aus seinen Einsätzen – körperlich längst nicht bei hundert Prozent. Außerdem hat Kohfeldt zuletzt schon öffentlich mit einer Rashica-Nominierung kokettiert. „Startelf gegen Freiburg? Warum nicht!“, hatte er gesagt.

Johannsson führt Zweikampf mit Rashica um Startplatz

Aron Johannsson weiß, dass er den Zweikampf mit Rashica führen muss. Es gefällt ihm sogar: „Er ist ein guter Spieler und will spielen. Ich will es auch. Wir machen uns im Training nur besser.“ Einen Vorteil hat der ehemalige US-Nationalspieler gegenüber dem aktuellen Auswahlspieler des Kosovo: Er ist schon länger in der Bundesliga, weiß, wie es dort zugeht. Wie Rashica (für 7,5 Millionen Euro von Vitesse Arnheim verpflichtet) kam auch Johannsson einst aus den Niederlanden zu Werder. Beide kamen aus der niederländischen Eredivisie nach Bremen. Anno 2015 wechselte er für 4,5 Millionen Euro von AZ Alkmaar nach Bremen.

Aus Erfahrung weiß er, wie es dem Konkurrenten gerade geht. Auf Easy-Englisch sagt Johannsson: „In Holland ist es für junge Stürmer viel leichter. Sie haben viel Platz. In der Bundesliga ist der Druck durch die Gegenspieler viel höher, das Spiel ist schneller.“ Rashica müsse sich also noch an die neuen Gegebenheiten gewöhnen. „Aber wir sehen es im Training: Er wird besser und besser“, sagt der Konkurrent, der eigentlich fürchten muss, dass Rashica ihn auf Dauer verdrängt. Doch so denkt Aron Johannsson aktuell nicht. Er ist froh, dass er spielt. Punkt.

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