Gute Laune und Optimismus sind bei Aron Johannsson kein Dauerzustand. Wieder verletzt zu sein, sei „nicht leicht für den Kopf“, sagt er.
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Gute Laune und Optimismus sind bei Aron Johannsson kein Dauerzustand. Wieder verletzt zu sein, sei „nicht leicht für den Kopf“, sagt er.

Verletzter Stürmer lebt erneut im Ungewissen

Johannsson hat den Mut nicht verloren: „Jetzt kommt die gute Zeit“

Bremen - Als der Termin schon längst vorbei ist, läuft Aron Johannsson auf dem Weg zum Auto noch einmal dem Fotografen vor die Linse.

Kamera gezückt, und Johannsson spreizt die Finger zum Victory-Zeichen, was wohl seinen Optimismus ausdrücken soll. Dann deutet er ein Humpeln an. „Vielleicht sollte ich das besser so machen“, lacht er – und es zeigt sich, was zuvor auch die Erkenntnis aus dem Gespräch mit der DeichStube war: Obwohl seine Lage mehr als misslich und frustrierend ist, hat der 27 Jahre alte Stürmer des SV Werder weder Zuversicht noch Humor verloren.

Was ihm aber mal wieder fehlt, ist die körperliche Fähigkeit, Fußball zu spielen. Und das liegt an Schmerzen in seinem linken Sprunggelenk. Schon seit Anfang April quält sich Johannsson mit ihnen herum – zwei Comeback-Versuche sind in der Zeit schon gescheitert, zuletzt zu Beginn der Saisonvorbereitung. „Da wollte ich unbedingt dabei sein. Aber das Sprunggelenk war noch nicht gut genug. Vielleicht hätte ich länger pausieren sollen“, sagt er im Rückblick. Zu spät. Er hat etwas riskiert in der Hoffnung, dass „es unter Belastung besser wird“.

Johannsson sieht sich nicht als verletzungsanfällig

Doch es wurde nicht besser. Eher schlechter. Jetzt ist die Situation diese: Aron Johannsson weiß nicht, wann er zurückkehren wird in den normalen Trainingsbetrieb, er kann nur hoffen, dass es nicht ewig dauern wird. „Ich stelle selbst jeden Tag die Frage, wann es so weit sein könnte. Aber niemand kann es sagen. Ich glaube nicht, dass es noch Wochen dauern wird“, erklärt der Angreifer, der, seit er bei Werder ist, das Verletzungspech gepachtet hat. Wohlgemerkt: Er ist schon seit drei Jahren bei Werder.

Eine Leisten-OP, eine Hüftverletzung, Knieprobleme, jetzt die Geschichte mit dem Sprunggelenk – es kam eines zum anderen bei dem Isländer mit dem US-Pass. Er war mehr weg als da. Und trotzdem sieht er sich, anders als viele Fans, nicht als besonders verletzungsanfälligen Spieler. Mehr als Pechvogel. „Viele Verletzungen waren es gar nicht, eigentlich nur drei. Aber die waren alle ein bisschen komisch“, meint Johannsson. Komisch steht in diesem Fall für langwierig und schwer zu ergründen. Wie auch die aktuelle Sache mit dem Sprunggelenk.

Aron Johannsson im Gespräch mit DeichStuben-Reporter Carsten Sander.

„Ich mag nicht viel dazu sagen“, weicht Johannsson Fragen zur exakten Diagnose aus. Es sei nichts kaputt, nichts gerissen, es seien einfach „viele kleine Sachen an vielen Stellen, die zusammen ein großes Problem darstellen“, sagt er. So groß sogar, dass er eine Zeitlang gar nichts machen konnte, weil jede Belastung zu viel war für den Fuß. „Drei, vier Wochen“ ist das erst her. Mittlerweile trainiert er immerhin zweimal pro Tag im Kraftraum, macht Stabilisierungsübungen und schuftet auf dem Crosstrainer, damit die Kondition nicht komplett verloren geht. Aber auf dem Platz laufen, einfach mal joggen? Geht nicht! Noch nicht.

Johannsson wartet auf diese Verbesserung, auf diesen kleinen Fortschritt, der bei zähen Verletzungen unheimlich viel bedeutet: „Wenn du lange nicht auf dem Platz warst, fühlt sich das erste Mal unglaublich an. Kleine Erfolge machen dich dann sehr glücklich.“ Er muss es wissen, er hat sich schließlich schon oft wieder zurückgearbeitet. Jedoch nie für lange Zeit, schnell folgte die nächste Verletzung.

Johannsson hat sich nicht mit Wechsel beschäftigt

Johannsson gibt zu, dass die erneute Pause und die Ungewissheit, wann sie zu Ende sein wird, an ihm nagen. Er leidet. Wie schon bei den früheren Auszeiten. „Ich weiß, dass ich positiv bleiben muss, aber manchmal ist das schwierig. Ich glaube, nur ein Sportler kann das wirklich verstehen. Alle denken, man hat ein so gutes Leben, weil man Fußball-Profi ist. Aber wenn man verletzt ist, seine Arbeit nicht machen und seiner Mannschaft nicht helfen kann, dann ist das nicht leicht für den Kopf“, erzählt Johannsson, schiebt aber sofort hinterher, dass er natürlich wisse, „dass viele Menschen ein deutlich schwierigeres Leben haben als ich. Aber für mich ist diese Verletzung auch ein schwieriges Thema.“

Ziemlich leicht nimmt er dagegen das, was der SV Werder mit ihm geplant hatte. Sportchef Frank Baumann hatte Johannsson (Vertrag bis 2019) auf die Verkaufsliste gesetzt. „So ist das Business“, meint der Angreifer und erklärt, sich selbst nie – auch nicht in der kurzen Phase der Vorbereitung, als er mitwirken konnte – mit einem Wechsel befasst zu haben: „Mein Gedanke war immer, hier zu bleiben und hier zu spielen.“

Aron Johannsson hat in seinem letzten Vertragsjahr bei Werder Bremen noch viel vor.

Das Thema eines Wechsels hat sich längst erledigt. Denn wer nimmt schon einen Spieler in Johannssons Lage? „Nicht viele“, sagt er selbst. „Keiner“ wäre die noch präzisere Antwort. Er bleibt also. Verletzt, aber nicht verzweifelt. Aron Johannsson hat im letzten Vertragsjahr sogar noch Großes vor in Bremen. „Ich will nicht arrogant klingen. Aber wenn ich wieder gesund bin, kann ich ein wichtiger Spieler für unsere Mannschaft sein. Das habe ich in der vergangenen Saison gezeigt“, sagt er mit Verweis auf den Zeitraum zwischen Anfang Februar und Anfang April, als ihm in Bundesliga und DFB-Pokal zwei Tore und zwei Assists für Werder gelangen. Es sind dies die Mutmacher, die es braucht, um aktuell den Kopf oben zu halten.

„Irgendwann“, sagt Johannsson, „muss meine Pechsträhne ja vorbei sein. Ich glaube einfach an mich und daran, dass ich nach der aktuellen Verletzung auch gesund bleibe.“ „Jetzt kommt die gute Zeit“Und dann würde er sich am liebsten zu einem zweiten Claudio Pizarro entwickeln, der mit fast 40 Jahren noch bundesligatauglich ist. „Unglaublich“ sei das, meint Johannsson und ersetzt im eigenen Fall die Seufzer durch ein Lachen: „13 Jahre also noch für mich. Jetzt kommt die gute Zeit!“ Wann „jetzt“ sein wird, bleibt jedoch undefiniert. Nur so viel verspricht Aron Johannsson: „Noch in diesem Jahr werde ich wieder auf dem Platz stehen.“

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Aron Johannsson: Seine Karriere in Bildern

Aron Johannsson
Die Karriere von Aron Johannsson hatte beim isländischen Club Fjölnir Reykjavik begonnen. Von dort ging es 2010 zum Aarhus GF in der dänischen Liga. Nach einer guten Hinrunde wechselte er im Winter 2013 schließlich zu AZ Alkmaar. © imago
Aron Johannsson
Die ersten Spiele der Rückrunde 2012/13 verpasste Johannsson wegen Leistenproblemen, konnte in den letzten sechs Partien aber noch drei Treffer erzielen. Beim Pokalsieg der Niederländer wurde er kurz vor Schluss eingewechselt. © imago
Aron Johannsson
In der folgenden Saison kam der Stürmer deutlich besser in den Tritt, erzielte in 32 Pflichtspielen 17 Tore. In der Europa League rückte er mit seiner Mannschaft bis ins Viertelfinale vor, im niederländischen Pokal bis ins Halbfinale. © imago
Aron Johannsson
Obwohl er fast die Hälfte der Saison 2014/15 wegen einer Knöchelverletzung und einer Leistenoperation verpasste, traf er neun Mal.  © imago
Vor der Saison 2015/16 wechselte Aron Johannsson dann von Alkmaar zu Werder Bremen.
Vor der Saison 2015/16 wechselte Aron Johannsson dann von Alkmaar zu Werder Bremen. © gumzmedia
Dort sollte er den zu Schalke abgewanderten Franco di Santo ersetzen.
Dort sollte er den zu Schalke abgewanderten Franco di Santo ersetzen. © gumzmedia
Aron Johannsson
Nach sechs Bundesliga-Einsätzen und zwei Toren fiel er jedoch für den Rest der Saison mit einer Hüftverletzung aus. © Gumz
Aron Johannsson
Die Saisonvorbereitung 2016/17 konnte er wieder voll absolvieren und stand in Testspielen auf dem Platz. © Gumz
Aron Johannsson
Auch beim Saisonauftakt gegen den FC Bayern war Johannsson dabei, im dritten Spiel sah er aber die Rote Karte und war für zwei Spiele gesperrt. Anschließend kam er nur zu Kurzeinsätzen und stand teilweise nicht einmal im Kader. © Gumz
Aron Johannsson
Für Belustigung sorgte Johannsson beim Mannschaftsfoto 2017: Gemeinsam mit Kollege Max Kruse entschied er sich für eine extravagante Frisur. © Gumz
Aron Johannsson
In den ersten zehn Spielen der Hinrunde 2017/18 stand er dann aber nur drei Minuten auf dem Platz und wurde ansonsten nicht berücksichtigt. © Gumz
Aron Johannsson
Johannsson wurde in den USA geboren, hat die isländische und die US-amerikanische Staatsbürgerschaft. Er entschied sich, für das Nationalteam der USA aufzulaufen und nahm 2014 an der Weltmeisterschaft teil.  © imago
In der Rückrunde der Saison 2017/18 wurde Aron Johannsson oft als Joker oder in der Startelf eingesetzt und zeigte dort gute Leistungen. Immer wieder wird er aber von Verletzungen zurückgeworfen.
In der Rückrunde der Saison 2017/18 wurde Aron Johannsson oft als Joker oder in der Startelf eingesetzt und zeigte dort gute Leistungen. Immer wieder wird er aber von Verletzungen zurückgeworfen. © gumzmedia
In der Vorbereitung vor der Bundesliga-Saison 2018/19 verletzt sich Johannsson erneut. Diesmal plagen ihn Sprunggelenksprobleme. Eine Rückkehr ins Mannschaftstraining ist noch nicht absehbar.
In der Vorbereitung zur Bundesliga-Saison 2018/19 verletzte sich Johannsson erneut. Diesmal plagen ihn Sprunggelenksprobleme. Eine Rückkehr ins Mannschaftstraining ist noch nicht absehbar. © gumzmedia

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